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Die Welt ist voll von Missständen und einige davon wird es wohl für immer geben. Einer dieser Missstände ist u.a. die Tatsache, dass sich verschiedene Völkergruppen, trotz eigentlich minimaler Unterschiede, manchmal einfach nicht vertragen wollen bzw. nie eine gewisse Einigkeit zwischen ihnen bestehen will. Während es hier in Deutschland vor allem das differenzierte Denken zwischen Ost und West ist, trotz 15 Jahre einig Vaterland, so sind es in Amerika vor allem die Schwarz- und die Weißhäutigen Bevölkerungsgruppen, die irgendwie nicht 100% zusammen kommen wollen. Das dieser Misstand natürlich mitunter optimalen Filmstoff bietet, dürfte daher kein Wunder sein. Selbst im Komödienbereich wird diese, eigentlich idiotische, Denkweise beider Seiten, immer wieder angegriffen und persifliert. Waren es im letzten Jahr z. Bsp. die verrückten Waynas-Brothers, die mit ihren "White Chicks" die weiße Bevölkerungsgruppe durch den Kakao zog, so gab es bereits 1970 eine Komödie, die sich eindringlich mit der Thematik befasste. Schade nur, dass "Ein Mann sieht schwarz" weder auf komödiantischer Schiene, noch auch thematischer Line zu überzeugen vermag.

Dabei hat die Geschichte durchaus Potenzial, für gute Komik mit bitterer Moral. Es geht um den Versicherungsangestellten Jeff Gerber, der eines Tages mit schwarzer anstatt weisser Hautfarbe aufwacht. Nicht nur das ihn dieser neue Zustand völlig aus den Socken haut, auch seine Umgebung reagiert plötzlich merkwürdig. Seine Nachbarn bieten ihm Geld dafür, dass er wegzieht, sein Chef entlässt ihn und auch seine Frau hält es nicht lange bei ihm aus. Doch Jeff versucht das Beste aus der Situation zu machen. Im Grunde ist die Geschichte wirklich mal mit einer cleveren Idee ausgestattet worden, die es so wohl sonst nicht noch einmal gegeben hat. Leider bleiben die Figuren aber durchgängig auf einem viel zu flachen Niveau und können dem Zuschauer nicht wirklich nahe gebracht werden. Zudem fehlen der Geschichte auch die wirklichen Highlights, sieht man einmal von der Szene ab, in der Jeff plötzlich schwarzhäutig ist. Alles bleibt leider auf einem viel zu lauen Niveau, als das es wirklich überzeugen könnte.

Die Gags sind zudem ebenfalls sehr wechselseitig. Während man über den ein oder anderen Joke schon richtig kräftig lachen kann, so versanden viele Witze leider auch in sehr plattem Klamauk. Komiker Godfrey Cambridge scheint es anscheinend sehr stark mit den lautstarken, albernen Gags zu haben, die einem aber ab und an eher auf die Nerven fallen, als das sie wirklich unterhalten. Die ein oder andere Chaos-Szene weniger, hätte dem Ganzen sicher gut getan. Zumal die gewünschte Satire, auf unser ideologisches Denken gegenüber andersfarbigen Menschen, auch vollkommen außen vor bleibt.

Wirklich überzeugen kann eigentlich nur die Verwandlung des schwarzen Darstellers Cambridge in einen Weißhäutigen. Schon 35 Jahre vor "White Chicks" gelang es hier, einen dunkelhäutigen Menschen in eine glaubhaften weißen Body zu stecken, der aus ihm im Nu einen ganz anderen Menschen macht. Vor allem das Gesicht ist wirklich wunderbar gelungen und wenn man Cambridge nicht kennt, schaut man schon zweimal hin, ob es hier nun in Wirklichkeit mit einem schwarzen oder einen weißen Schauspieler zu tun hat (auch wenn man es dann schon erkennt). Und das ist definitiv ein Lob wert!

Und auch die Darstellerleistungen können gefallen. Hauptdarsteller Godfrey Cambridge macht seine Sache, als Schwarz/Weißer Versicherungsagent, merklich gut, auch wenn er es, wie schon erwähnt, manchmal ein wenig mit seinem lautstarken Klamauk übertreibt. Es ist aber durch und durch spürbar, dass er sichtbar viel Spaß an seiner Rolle hatte. Aber auch Estelle Parsons macht ihre Rolle, als entnervte Hausfrau, mehr als gut, genauso wie alle anderen in ihren jeweiligen Rollen überzeugen können.

Fazit: Mittelmäßige Clash-Comedy, die es weder auf humorischer Ebene noch in punkto Story und Tiefgang schafft zu überzeugen. Gute Gags wechseln sich mit ödem Brüll-Klamauk ab und die Figuren bleiben leider allesamt blasse Schablonen, die es in keinster Weise schaffen, die unterschwellige Message des Films, nämlich das wir Menschen eben doch alle gleich sind egal wie wir aussehen, herüber zu bringen. Somit bleibt "Ein Mann sieht schwarz" maximal ein Filmchen zum Nebenbei sehen, dem man aber leider keine größere Bedeutung beipflichten kann, trotz der netten Hauptidee. Schade eigentlich!

Wertung: 5/10 Punkte

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