Phantoms ist einer dieser Filme, die zwar glauben unglaublich cool und aufregend zu sein, aber im Grunde beides nur mäßig bieten können. Regisseur Joe Chappelle (Halloween 6), der ja bewiesen hat, dass er wahrscheinlich niemals einen Kultfilm oder Filmklassiker abliefern wird, hat sich des Drehbuchs von Dean Koontz angenommen.
Vorsicht! Wer jetzt noch weiterliest wird mit erheblichen Story- Spoilern konfrontiert werden!
Der Film beginnt mit einer Szene, die an Evil Dead II erinnert (zwei Frauen fahren eine einsame Autobahnstraße in den Bergen entlang und unterhalten sich). Was gleich auffällt, ist die erstaunlich langsame Schnittfolge dieser Szene (Herr Chappelle will so anscheinend die Atmo aufbauen). Das gelingt sogar. Aber ab da wo die beiden Frauen das Örtchen erreichen und feststellen, dass jeder einzelne Bewohner tot ist, beginnt die Atmo einwenig zu brückeln. Herr Chappelle baut einen Schock nach dem Anderen ein und lässt dem Zuschauer nicht genügend Zeit die vorigen zu verdauen. Irgendwann gehen diese ewigen Soundeffekte einem auch auf die Nerven, aber plötzlich hören diese auch auf und Herr Chappelle baut neue Charaktere ein (bewaffnete Polizisten [Ben Affleck, Liev Schreiber]). Diese bringen auch etwas mehr Stimmung hinein, obwohl sie nicht genug durchleuchtet werden (Einer benimmt sich total merkwürdig und es wird nicht erklärt wieso, man hört die Anderen immer nur fragen, was denn mit ihm los sei). Das Spiel kann also beginnen, die Hauptcharaktere haben Waffen, der Actionteil kann also losgehen. Aber nein! Es wird weiterhin in dunklen Gängen rumgegangen und ab und zu wird ein Schock eingebaut. Dann wird aufeinmal Mister O'Toole eingeführt und bringt dem Film ein wenig Pepp. In der Zwischenzeit wurde im Örtchen die Polizeitruppe einwenig dezimiert, was aber eigentlich ganz gut unterhält. So bleibt man doch noch bei Laune für den Film. Dann kommt das Militär in den Ort und dann kommt das Feeling im Zuschauer vonwegen: "Endlich passiert hier wiedermal was!", die Action ist aber sehr gut. Herr Chappelle sammelt hier weitere Pluspunkte für sein Machwerk, denn er beweist einmal mehr, dass er ein exzellenter Actionfilm- Regisseur ist (vom Schnitt her gesehen). Danach kehrt wieder Ruhe ein und die Charaktere sind nun mit Mister O'Toole allein in der Stadt in einem Militärtrailer sicher, da fangen die Charaktere an coole Sprüche zu reißen und zerren sehr an der düsteren Atmo. Auf einmal wird ein biologisches Gegenmittel für das Ungeheuer gefunden und da beginnt der für mich beste Teil des Films. Der Charakter des Ben Affleck muss Vorräte für das Gegenmittel holen gehen und muss dafür das sichere Versteck verlassen. Ein kleiner Hund folgt ihm auf Schritt und Tritt (diese Szene ist Hochspannung pur). Dann wird noch einmal kurz aufgeatmet und es kommt zum finalen Showdown mit Mensch gegen Monster.
Das letzte Drittel des Film ist der beste Teil dieses Machwerks. Spannung, Action und Mister O'Toole beweist einmal mehr sein schauspielerisches Können. Die anderen Charaktere werden allerdings nicht so gut gespielt. Ben Affleck habe ich schon viel überzeugender gesehen und Rose McGowan fand ich in 'Scream' auch ein wenig besser. Liev Schreiber spielt seinen Charakter, trotz der geringen Durchleuchtung seiner Rolle, sehr gut und spielt zusammen mit Mister O'Toole alle anderen an die Wand. Die Computereffekte können ihre Computer- Herkunft leider nicht leugnen. Die Kulissen sehen hier aber wesentlich besser aus, als die in Halloween 6 (Herr Chappelle hat hier anscheinend mehr Geld in die Kulissen gelegt, als in die Effekte). Ab und zu wird ein kleiner Puppeneffekt eingebaut, das erhält die Atmosphäre des Films. Die Musik ist nicht gerade der Rede wert, aber sie stört auch nicht weiter.
Im Großen und Ganzen wird die Atmo doch aufrecht erhalten in Phantoms aber es wird häufig sehr daran gezerrt. Die Story ist nicht schlecht, reißt aber auch keine Wurzeln heraus. 8/10 Punkte für einen netten Horror- Thriller, der mal genau das Richtige für einen Videoabend mit Freunden ist.