Auch wenn Schriftsteller Dean Koontz hier selbst das Drehbuch zu „Phantoms“ verfasste, weil er mit den meisten seiner bisherigen Verfilmungen nicht zufrieden war: Genützt hat es nichts.
Warum muss man aber auch das titelgebende Horrorphänomen so systematisch erklären, dass überhaupt nichts Mystisches mehr übrig bleibt?
Was atmosphärisch sehr stark beginnt, verkommt mit der Zeit zu einer grottigen Mischung aus Militäreinsatz, Tentakel-Gewurstel und CGI-Gekröse.
Dabei beginnt es so herrlich stimmig, wenn Ärztin Jennifer (Joanna Going) mit ihrer kleinen Schwester Lisa (Rose McGowan) von L.A. ins kleine Örtchen Snowfield, Colorado, 400 Einwohner kommt.
Jetzt sind es keine 400 Einwohner mehr, der Ort wirkt ausgestorben, man finden Leichen, andere Bewohner scheinen schlicht verschwunden, kein Hund, keine Katze, sämtliche Autos springen nicht an, nur ab und an klingelt ein Telefon. Und wenn man abnimmt, vernimmt man ein undefinierbares Flüstern.
Nach einiger Zeit treffen die beiden Frauen auf Sheriff Hammond (Ben Affleck) und zwei Deputys, die ebenfalls keine Ahnung haben, was hier vorgegangen sein könnte.
Bis man auf die mit Lippenstift geschriebene Botschaft: „Timothy Flyte – Der alte Feind“ stößt und kurz darauf Militärs, Wissenschaftler und eben Flyte (Peter O´Toole) anrücken.
Bevor dieses stattfindet, bietet „Phantoms“ eine nahezu apokalyptische Endzeitstimmung, mit gelungenen Spannungsmomenten und kleinen Schockeffekten mit leichter Gänsehaut-Nebenwirkung.
Stark, wenn die ausgestorbene Stadt aus der Vogelperspektive gezeigt wird, während sich ein dunkler Schatten über den Ort legt. Unheimlich, wenn man plötzlich eine abgetrennte Hand (Lippenstift haltend) findet, wo vorher noch keine war. Gruselig, wenn urplötzlich Musik aus einem Hotelzimmer ertönt, obgleich dort niemand mehr am Leben ist.
Hier hat der Streifen seine starken Momente, man rätselt, welches Phänomen dahinter steckt und geistert sich durch eine atmosphärisch intensive Kulisse.
Doch mit dem Auftreten des Militärs wird diese Stimmung (ziemlich genau zur Hälfte der Laufzeit) zunichte gemacht. Hinzu kommen Wissenschaftler in weißer Schutzkleidung und eben O´Toole, dessen haarkleine Analysen auch den letzten Funken des Mysteriums rauben.
So werden einige Namenlose von tentakelähnlichen Erscheinungen dahingerafft, erscheint ein zuvor gesichts-zerschredderter Deputy mit bösen Absichten (die sich vorher schon recht offensichtlich bemerkbar machten) erneut, während sich unser Heldenteam eine Gegenmaßnahme einfallen lässt, die gegen Finale zumindest noch ordentliche Computereffekte (hab´ in der Einleitung übertrieben) mit sich bringt.
Mit angenehmer Atmosphäre hat das aber nichts mehr zu tun, man fühlt sich vielmehr an einen dieser billigen Invasorenfilme aus den 50ern erinnert.
Dazu tragen auch die hier minder bemittelten Darsteller bei. Ben Affleck ist als Sheriff (mit FBI – Erfahrung) erstmal viel zu jung und zu Beginn auch viel zu hölzern, nur gegen Ende taut er ein wenig auf. Die beiden Damen nehmen im Verlauf nur Nebenrollen ein und können sich durch nichts hervortun und schließlich wirkt O´Toole wie ein verknöcherter Theaterdarsteller, der in überzogener Weise seinen Pflichten nachgeht.
Nur Liev Schreiber bringt als dubioser Deputy eine angemessene Darbietung, was den schwachen Gesamteindruck aber kaum aufwertet.
Und diesen könnte man auch mal rein rechnerisch darstellen:
Erste Hälfte: Super atmosphärisch, spannende Momente, macht einfach Laune, - 8/10
Zweite Hälfte: Abstruse Theorien, billige Effekthascherei, langweiliger Showdown, - 3/10
Das ergäbe zwar einen Schnitt von 5,5, aber letztlich beurteilt man einen Film ja aus dem bleibenden Eindruck (Bauchgefühl) heraus und da überwiegt leider die schwache zweite Hälfte.
Die Verfilmung von „Unheil über der Stadt“ hätte das Potential zum atmosphärischen Burner gehabt, doch hier mangelt es an konsequent stimmiger Erzählweise, glaubhaften Darstellern und rätselhaften Gegebenheiten, die eben viel zu deutlich aufgelöst werden.
Von daher nur
4 von 10