Review

Zu den am wenigsten gesehenen und gleichzeitig meistgesuchtesten unter den ohnehin nicht sonderlich zahlreichen Filmen, zu denen Ray Harryhausen seine meisterhaften Stop-Motion-Trickkreationen zum Leben erweckte, zählt sicherlich "It came from beneath the sea".
Nachdem er zwei Jahre zuvor mit seiner ersten unabhängigen Arbeit in "Panik in New York / The Beast from 20.000 Fathoms" aus dem Schatten seines Lehrmeisters Willis O'Brien hervorgetreten war und einen der beeindruckensten Saurierfilme überhaupt abgeliefert hatte, fällt es schwer zu glauben, daß es einen anderen Grund als seine Trickaufnahmen gab, so schnell noch einen Monsterfilm hinterher zu schieben.
In diesem Fall war es aber kein Urzeitmonster, sondern nichts anderes als ein gigantischer Oktopus (oder, weil Harryhausen aufgrund der Komplexität und des wahrhaft knappen Budgets sparen mußte, ein Hektapus, mit sechs anstatt der zu erwartenden acht Fangarme), der durch die Wasserstoffbombentests radioaktiv verstrahlt, mutiert und ziemlich hungrig geworden war.

Es wäre jetzt enorm angenehm, "It came..." fröhlich in die gleiche traumhafte Popcornschublade stecken zu können wie "Panik", jedoch fehlt es dem Nachzieher an so ziemlich allem, was den Film über die Effekte hinaus (die wiederum deluxe sind) erinnerungswert machen würde.
Stattdessen gerät der Film an sich zu einem Durchschnittsbeispielfilm für militärisch organisierte Atomkriegsparanoia, denn die Jungs in Uniform haben das Vieh indirekt erschaffen, also werden sie es auch wieder entsorgen, allerdings ist das angesichts eines 50-Meter-Monstrums, das locker den Pazifik leer frißt, nicht ganz so einfach mit ein paar Wasserbomben erledigt...

Leider ist Robert Gordons Film aber auch kein üblicher Standard von der Stange, sondern präsentiert seine Geschichte aus monetären Gründen mit arg gebremstem Schaum. Ein angestrengt ernsthaftes Voiceover erklärt nachdrücklich jeden noch so kleinen Käse, den man auch aus den Dialogen erfahren könnte, die Attacken des Monstrums begrenzen sich, selbst bei einer nur minimalen Lauflänge von gerade 75 Minuten, auf das Versenken eines Schiffs und die Zerstörung von San Franciscos malerischem Fischerhafen samt munterem Einreißen der Golden Gate Bridge.
Bis es aber soweit ist, herrscht im Film zumeist dramaturgische Durststrecke. Die Anfangssequenz in einem Marine-U-Boot ist relativ unspektakulär, danach regiert die Wissenschaft in Gestalt der nicht sonderlich attraktiven, aber stets als solche verkauften Faith Domergue ("Metaluna 4 antwortet nicht") und Donald Curtis (der dann in Harryhausens "Fliegende Untertassen greifen an" wieder in Erscheinung trat). Während dieses dynamische Duo unerklärtermaßen Wochen für die Identifikation des Saugnapfglibbers am U-Boot-Heck braucht, sorgt Kenneth Tobey als Commander Mathews dafür, das eine gewisse emanzipatorische Komponente ins Spiel kommt. Tobey, der bereits in "Panik in New York" in Uniform spielte, ist nämlich der testosterongesteuerte Springinsfeld Marke Westpoint, der ständig die gute Faith anbaggert, sich aber ebensooft einen Korb abholt, während sie den Eindruck macht, sich nicht entscheiden zu können, ob sie ihn den Arsch treten oder sich nackig machen soll.
Leider haben beide null Chemie und das bemühte Geturtel, in dem Curtis auch noch als väterlicher Freund (oder schwuler Kumpel) herumrührt, zieht den Film wie Kaugummi in die Länge. Gehts mal nicht um die Waffen der Frauen, sabbelt man sich einen Pudding ans Knie über all das, was Monsterfilmfans sowieso schon längst wissen oder inzwischen begriffen haben, während sie nervös mit den Füßen scharren.

Erst in den letzten 20 Minuten nimmt der Film einen Hauch von Fahrt auf und die Zerstörung des Hafens samt der Kombination von Trick- und Realaufnahmen flüchtender Menschen hat tatsächlich ordentlich Schmackes, die Brückendemolierung allein inspiriert noch heute Trashfilmer, ohne die Intensität auch nur halbwegs erreichen zu können.
Zum guten Schluß ist natürlich selbst der kernige Militär ein wenig geläutert, allerdings erst, nachdem ausschließlich die Männer das monströse Kalamari mittels Torpedo im Hafenbecken zerschnetzelt haben.
Es ist noch gut in Erinnerung, daß allein die Entdeckung des Films damals den Kritiker milde gestimmt hat, aber eine Zweitsichtung Jahre danach lenkt den Blick leider viel zu intensiv auf die Mängel des Cheapos, der nur durch Rays Kunst wirklich punkten kann und auch tatsächlich alle seine "points" aufgrund der Stop-Motion-Kunst bekommt. Alles in allem dürfte es aber der schlechteste Film sein, dem Harryhausen seine Kunst geschenkt hat, da ihm all das abgeht, was "The Beast" so erinnerungswert seit Kindertagen machen: interessante Locations, mysteriöse Spannung, dauerhafte Bedrohung und sorgfältige Steigerung des Panikpotentials samt eines geradezu sensationellen Schlußfights in einer brennenden Achterbahn. Da können die Kalamari leider nicht mithalten. (4/10)

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