Review

Mitte der 90er hatte Hollywood ja fast jedes Strichmännchen auf die große Leinwand geklatscht. Und das Publikum hatte brav mitgemacht, da jeder der eine Kinokarte gelöst hatte die berechtigte Hoffnung gehegt hatte, das der Flair der Vorlage gerettet werden konnte. Der Grund, warum das mit den Comichelden nicht so recht lief, war eben, dass diese Erwartungshaltung in den meisten Fällen enttäuscht wurde. Und um das zu verdeutlichen drängt sich der Film "Das Phantom" regelrecht auf.

Über das Comic selber kann ich eigentlich recht wenig berichten, da ich es selbst zu meinen Comichochzeiten noch nie so recht leiden konnte. Es geht um einen weißen Dschungelbewohner, der für Gesetz und Ordnung und was-weiß-ich-noch-alles eintritt. Da der Beruf des Phantoms vom Vater auf den Sohn übergeht und alle in demselben depperten lilanen Kostüm über die Jahrhunderte hinweg durch die Gegend hotten kam der Mythos auf, es würde sich um ein und dieselbe Person handeln. Entstanden ist die Bastardmischung aus Tarzan und Batman in den dreißiger Jahren und erreichte einen von mir nicht nachvollziehbaren Kultstatus.

Der Film, 1997 entstanden, beginnt mit einem kurzen Prolog, der schildert, wie der weiße Mann in den Dschungel kommt. Irgendwann Anno Schießmichtot wird ein Schiff im Pazifik von den Piraten eines düsteren Clans überfallen und ein kleiner Junge muß zusehen, wie der Obermotz seinen Papi meuchelt. Dann geht er über Bord und landet auf einer Insel, wo ihn die Eingeborenen großziehen. Und aufgrund seines Erlebnisses beschließt er gegen das Böse anzutreten - das Phantom ist geboren. (Ich will gar nicht wissen, woher ein Eingeborenenstamm auf einem Eiland mitten im Pazifik lilanen Stoff herbekommen hat - ist ja eigentlich auch wurscht.)

Dieses Intermezzo wird mit der Brechstange serviert und ist in seiner kurzen Hektik eher dazu geeignet den Zuschauer zu überfordern als ihn auf den Film einzustimmen. Bevor man überhaupt richtig mitkriegt was los ist und mit welchen Infos der Erzähler einen zuschüttet beginnen auch schon die Credits. In den folgenden anderthalb Stunden geht es in etwa um folgendes: es existieren drei mysteriöse Totenschädel - aus Gold, Silber und... Nee, falsch geraten! Nicht Bronze sondern Jade. Diese passen zusammen und entfalten gemeinsam eine gewaltige Kraft. Deshalb sind auch alle Schelme und Ganoven seit vier Jahrhunderten hinter den Dingern her. Pech für unsere Kriminellen, dass die drei Teile getrennt wurden. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts findet ein böser Bösewicht heraus wo sich zumindest einer der Schädel befindet. Da er selbst in New York ansässig ist beauftragt er Helfershelfer besagtes Schmuckstück für ihn zu besorgen. Dieses befindet sich auf einer Insel mitten im Pazifik auf der natürlich unser Phantom haust. Trotz einiger Akrobatikeinlagen kann er nicht verhindern, dass der Schädel außer Landes gebracht wird. Da Phantom um die Gefährlichkeit des Artefaktes weiß macht er sich auf den Weg ins Land der unbgrenzten Möglichkeiten. Dort kommt er ganz gut zurecht, da er schließlich von seinem Vater (dem 39. Phantom) in den USA auf eine Schule geschickt wurde. Unser Held (das 40. Phantom) trifft dort eine ehemalige Mitschülerin wieder, welche einst seine große Flamme war. Ebenfalls in New York befindet sich der zweite Schädel in einem Museum und erneut beginnt ein Gerangel um das Kleinod...

Natürlich kennen sich alle handelnden Personen irgendwie untereinander und ein Helfer des Bösewichts ist Mitglied des immer noch existierenden Clans, der den Vater des 1. Phantoms gekillt hat, und in deren geheimen Versteck kommuliert dann das Ganze. Wird der Bösewicht die Weltherrschaft erringen? Wird das Phantom seine alte Schulfreundin bekommen und das 41. Phantom in die Welt setzen? Wird sich der Zuschauer den Kiefer beim Gähnen ausrenken?

Zumindest die letzte Frage will ich beantworten: Nein. Denn langweilig ist der Film beileibe nicht geworden. Nur schlicht und ergreifend belanglos! Man hält sich an die Vorlage und liefert ein antiquiertes Handlungsgerüst ab, das irgendwie ziemlich uninteressant ist. Das mag 1930 noch spektakultär und atemberaubend gewesen sein - aber heute? Nicht nur die Zeitepoche in der die Geschichte spielt erinnert an Indiana Jones. Auch das auf-Teufel-komm-raus manöverieren des Handlungsträgers in aussichtslose Situationen aus der er dann doch noch auf mehr oder weniger glaubwürdige Weise entkommt läßt diese Assoziation hoch kommen. Verwundert mich aber auch nicht - denn der Drehbuchautor von "Das Phantom" Jeffrey Boam hat auch "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" geschrieben. Aha! Für den kann ich mich nämlich auch nicht sonderlich erwärmen - aus den selben Gründen.

Einen ziemlichen Fehlgriff hat man mit Billy Zane als Besetzung für das Phantoms getan. Der Hauptgrund, warum die meisten Comicverfilmungen nach hinten losgehen liegt in den Darstellern, die es einfach nicht schaffen, das zu verkörpern, was man an der Comicfigur liebgewonnen hat. Man ist halt enttäuscht, wenn ein Milchbubi als Retter des Universums präsentiert wird. Bei Michael Keaton als Batman ist das gerade noch mal gut gegangen und Christopher Reeve IST Superman, doch Val Kilmer als Fledermausmann oder Alec Baldwin als "Shadow" sind schlicht und ergreifend im falschen Film. Man nimmt denen genausowenig wie Zane den Superhelden ab.

Die schlagfertige Freundin wird von Kristy Swanson gegeben, die Mut zur Häßlichkeit beweist, indem sie mit einer dreißger-Jahre-Kurzhaar-Frisur durch die Gegend stakst. Catherine Zeta-Jones, jüngst von Michael Douglas geehelicht (hat wohl einen Hang zur Nekrophilie), hat eine Nebenrolle inne, in der sie eine Helfershelferin des Bösewichts spielt, die sich an das Phantom ranschmeißt. Dass sich der lilane Held aber an seine Schulfreundin hält und die Werbung von Zeta-Jones zurückweist läßt zumindest die männlichen Zuschauer an der Sehschärfe von Nr. 40 zweifeln. An der Figur der Schurkin läßt sich auch schön eine Schwäche im Buch aufzeigen: Ist sie bei ihrer Einführung als schön und gemein charakterisiert kippt man diese Charakterisierung gegen Schluß einfach über den Haufen und sie wird zur geläuterten Reuemütigen, welche die Seiten wechselt. Eine Motivation für den Sinneswandel ist überhaupt nicht erkennbar.

Ein Phänomen, dass sich durch alle Comicverfilmungen zieht tritt auch hier überdeutlich zu Tage. Die interessanteste Figur ist stets der Bösewicht. So ragt Treat Williams auch positiv hervor. Zwar ist er kein Überganove wie beispielsweise der Joker (Jack Nicholson) einer war sondern mehr ein schleimiger Geschäftsmann. Aber er haucht seiner Figur wenigstens das Leben ein, welches man beim Phantom so schmerzlich vermisst.

Wie bei einer Großproduktion nicht anders zu erwarten ist an dem Film in Punkto Kameraführung und sonstiger technischer Aspekte kaum etwas auszusetzen. Ausgenommen die Spezialeffekte! Eigentlich das Kernstück einer Comicverfilmung kranken diese an erschreckender Mittelmäßigkeit. Bei manchen Einstellungen wird sogar sehbar auf die gute, alte, antiquitierte Rückprojektion zurückgegriffen. Ich vermute, dass man das sogar absichtlich gemacht hat um das Flair der Zeit einzufangen - geht aber im Endresultat voll in die Hose. Ausdrücklich loben muß ich dagegen die Sets. Das New York der Dreißiger ist hervorragend gelungen und man vermittelt den Geist der Epoche vorzüglich.

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