Review

Jesse Katzur spielt einen jungen, zurückhaltenden Teeanger, der um das Jahr 1960 in Tel Aviv zusammen mit seinen beiden besten Freunden, gespielt von Jonathan Sagall und Zachi Noy, die Pubertät durchlebt. Er verliebt sich in eine Mitschülerin, gespielt von Anat Atzmon, während auch seine Freunde allerhand Probleme mit dem weiblichen Geschlecht haben.

Auch wenn man es heute, in der Hochzeit diverser Teenie-Komödien, die an nackter Haut und Fäkalhumor kaum noch zu überbieten sind, beinahe schon verdrängt hat, aber noch in den 70ern wurde Sex unter Teenagern tabuisiert und daher filmisch höchst selten aufgearbeitet. Damit war "Eis am Stiel", praktisch die hebräische Version von Lucas` "American Graffiti", ein relativ mutiger Schritt von Regisseur Boaz Davidson, der auch heute noch als Produzent in Hollywood tätig ist. Nun stellt sich jedoch die Frage, ob die Coming-Of-Age-Komödie in "American Pie"-Zeiten noch bestehen kann, oder ob sie mittlerweile vollkommen überholt ist.

Interessant ist "Eis am Stiel" sicherlich vor allem deswegen, weil er den Zeitgeist der 60er widerspiegelt und über Umwege darüber hinaus auch erste sexuell aufklärerische Tendenzen aus den 70ern aufzeigt. Außerdem besitzt die israelische Produktion durchaus einen gewissen Charme, über den die heutigen, meist enorm fäkalhaltigen Teenie-Komödien definitiv nicht verfügen und stellt damit eine recht gelungene und sympathische Abwechslung zu den heutigen Genre-Produktionen dar. Gags unter der Gürtellinie gibt es kaum, eher ein paar nette, nach wie vor recht amüsante, auch wenn die Lacher hier und da sicherlich etwas wohlwollender dosiert sein könnten.

Kurzweilig und unterhaltsam ist "Eis am Stiel" ebenfalls, vor allem, da Davidson das Erzähltempo sehr hoch hält, nie zu lang bei einer Szene verharrt und seinen Film dabei zudem zu keinem Zeitpunkt überhastet wirken lässt. Aber auch bei der restlichen Inszenierung kann man Davidson, der die Geschichten der drei Jugendlichen einigermaßen gefühlvoll und sehr sympathisch erzählt, keinen Vorwurf machen, angefangen beim stimmig gewählten Soundtrack, der die 60er wiederaufleben lässt, bis hin zur routinierten Platzierung der Gags.

Die Story bietet dabei im Grunde keine erwähnenswerten Innovationen, versucht vielmehr mit den Handlungssträngen um die drei Heranwachsenden einen Querschnitt durch die Entwicklung in der Pubertät zu ziehen, was unterm Strich auch solide gelingt. Zwar wird "Eis am Stiel", der im Endeffekt dann doch mehr auf Humor und einen Tick Softerotik als auf Dramatik oder vielschichtige Ansätze setzt, zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend oder mitreißend, ist dann aber doch derart sympathisch und auf menschlicher Ebene überzeugend, dass man ihm dies nicht so recht zum Vorwurf machen will und kann.

Dabei wird schauspielerisch zwar nicht gerade überragende Arbeit geleistet, aber die Darsteller sind derart sympathisch, dass sie nicht weiter negativ auffallen, wobei besonders Hauptdarsteller Jesse Katzur seine Sache als schüchterner Teenager sehr gut macht und Anat Atzmon in ihrer Rolle kaum bezaubernder sein könnte.

Fazit:
"Eis am Stiel" ist charmant, sympathisch, amüsant und damit durchweg unterhaltsam. Zwar liefert die Story dabei keine nennenswerten Überraschungen oder Innovationen, dafür überzeugt die Teenie-Komödie aber als Zeitportrait und ist verglichen mit den heutigen, fäkalhaltigen Genre-Vertretern im Grunde schon stilvoll, oder zumindest auf eine höchst liebenswerte Art albern.

71%

Details
Ähnliche Filme