Regisseurin Sylke Enders hat ein Gespür für Authentizität, was ihr erster längerer Streifen „Kroko“eindrucksvoll beweist.
Berlin-Wedding:Die 16-jährige Kroko ist eiskalt und unnahbar.Sie dominiert die Mädchenclique ihres Bezirks und ist eine notorische Diebin.Doch alles ändert sich,nachdem sie(ohne Führerschein)jemanden anfährt und 60 Sozialstunden aufgebrummt bekommt, die sie in einem Behindertenheim ableisten muß.Langsam öffnet sich die junge Heranwachsende der Außenwelt, die sie nach und nach mit anderen Augen betrachtet…
Eine Milieustudie erster Güte bietet Enders mit diesem Sozialdrama, das wie ein Stück Realität, quasi mitten aus dem Leben fotografiert,daherkommt.Da ist nichts überspitzt, Klischees lässt man außen vor und so entsteht eine Authentizität, die man so schon lange nicht mehr in deutschen Filmen gesehen hat.
Das ist hauptsächlich den Laiendarstellern zu verdanken, die nie gestelzt oder aufgesetzt agieren.
Absolute Spitze ist hier Franziska Jünger als Kroko.Im wahren Leben eigentlich „nur“ Arzthelferin, nimmt man ihr die freche Göre sofort ab und als Kerl hat man sogar noch was zu gaffen.
Eine gewisse Gefahr besteht immer bei dem Mitwirken von Behinderten, da diese oft vorgeführt werden oder Mitleid auslösen sollen.Diesem Problem ist man glücklicherweise aus dem Weg gegangen, indem auch hier keine Klischees bedient werden und das Alltagsleben im Heim nicht allzu sehr im Vordergrund steht(und das, was man dort sieht, kann ich von meiner Zivildienstzeit her bestätigen – inklusive Öko-Betreuer !)
Ein etwas größeres Problem ergab sich für mich durch die fehlende emotionale Nähe gegenüber der Hauptfigur.Zwar gibt es ein paar wunderbar gefühlsbetonte Momente(im Zusammenspiel mit Rollstuhlfahrer Thomas oder ihrer kleineren Schwester), aber ihrem inneren Veränderungsprozess steht man doch recht distanziert gegenüber.So ganz nachvollziehbar war das nicht, auch wenn man am Ende mit einem(einzigen)Lächeln belohnt wird.
Dennoch: Ansprechendes Erzählkino mit hervorragenden Darstellern, das anspricht, zuweilen erheitert und das mit etwas mehr Aussage gegen Ende noch mehr bewirkt hätte.
7 von 10 Punkten