Einem „Easy Rider“ musste zwei Jahre später zwangsläufig noch ein „Hard Rider“ folgen, da Dennis Hopper mit seinem eigenwilligen Road-Movie eine riesige Welle auslöste, in der zum Teil drittklassige Regisseure meinten, es reiche aus, ein paar Rocker durch die USA cruisen zu lassen, was im vorliegenden Fall zumindest noch mit einer dünnen Handlung aufgestockt wurde.
Phil (Robert Fuller) kehrt als Soldat aus Vietnam zurück und hat seinen toten Kameraden Lenny im Gepäck, dessen letzter Wunsch es war, dass Phil seinen Chopper „Baby“ bekommt. Zudem soll er seine Freundin Sheryl kontaktieren und die ortsansässigen Rocker zur Beerdigung bewegen. Doch als Phil mit Sheryl loszieht, um den Indianer Big Red aufzusuchen, kündigen die Rocker Ärger an…
Regisseur Burt Topper mag den Duft der Freiheit offenbar recht gerne, weshalb er seine Protagonisten oft minutenlang durch die Gegend fahren lässt und diese Szenerien mit Oldies durchwachsener Qualität unterlegt. Hier mal in einer Wüste, dort mal auf dem Highway, dann wieder mit Waldhintergrund oder parallel zu einer Zugstrecke entlang, was auf Dauer doch recht ermüdend ist.
Derweil wird das Heldenpaar einigermaßen sympathisch in Szene gerückt, obgleich es zuweilen etwas mürrisch zugeht. Die Rocker bilden hingegen einen unrasierten Pulk aus Flegeln, die einen Wirt nötigen, nach Feierabend noch mal zu öffnen, sich natürlich prompt mit Phil anlegen und Sheryl leicht bedrängen. Die Krönung ist allerdings der Indianer, der von einem Italiener gespielt wird, - da hätte man auch gleich einen Blonden mit Vollbart hinstellen können.
Ohnehin spielt das Skript recht merkwürdig mit diskriminierenden Elementen, denn einerseits sollen Vorurteile aus dem Weg geräumt werden „Es stinkt nicht mehr nach Negerschweiß“ - „Wenn weiße Männer schwitzen, stinken die auch“, andererseits ist es ausgerechnet der einzige Dunkelhäutige, der meint, bei Sheryl leichtes Spiel zu haben.
Auffällig ist ferner, dass reichlich Sandwichs gefuttert werden, viel über Sex geredet, dieser aber nicht praktiziert wird und der Spruch „Ich glaub, mein Holzbein juckt“ schon ewig nicht mehr zu hören war.
Viel Action wird außerhalb der Motorradfahrten jedoch nicht geboten, wobei sich Vietnam-Veteran Phil als echter Lutscher entpuppt. Kaum kommen mal vier Halbstarke vorbei, lässt er sich von den Jüngelchen verprügeln und auch gegen die Rocker kassiert er recht schnell Haue. Immerhin kommt es zum Schluss noch zu einer Massenkeilerei, doch die ist teilweise so schlecht choreographiert und gefilmt, dass man komplett die Übersicht verliert.
Lediglich ein Zweikampf davor kann sich einigermaßen sehen lassen.
Wer also tierisch auf diese typischen Harley-Chopper mit langer Vorderradgabel und hohem Lenker steht, kann sich den Streifen als überlangen Bildschirmschoner umwandeln, ansonsten bietet er ein eher maues Abenteuer mit einem Minimum an Suspense, gerade so passable Performances und einen halbwegs tauglichen Soundtrack.
Der Twist zum Finale ist noch okay, doch ansonsten überrascht dieser Motorradfilm eher selten. Da er jedoch streckenweise über einen recht eigenwilligen, hin zum Naiven tendierenden Charme versprüht, gerät er zumindest nur während der überlangen Fahrt-Passagen etwas eindimensional, da er ansonsten tauglich unterhält.
5 von 10