Nach dem endsgeilen CAPTAIN COSMOTIC hier nun der langerwartete, zweite "große" Film von und mit den Gosejohann-Brothers...
Also erstmal eines vorweg:
Ich bin echt ein großer Fan von Trash-Filmen, mir kann das Niveau oft garnicht tief genug unten baumeln und selbst den amateurhaftesten Scheißdrecks-Produktionen kann ich meistens doch noch ein Quäntchen Originalität abringen ...
... OPERATION DANCE SENSATION aber floppt bei mir gänzlich.
Wem CAPTAIN COSMOTIC, EXHIBITIONISTEN ATTACKE oder sonstiger Billig-Splatter aus deutschen Landen bekannt ist, der kann sich so in etwa vorstellen, was ihn hier erwartet:
- eine extrem wackelige Handycam-Optik
- brutalst laienhafte Darsteller
- viele übelst billige (... räusper...) Spezial-Effekte
- eine Handlung jenseits jedes Logikverständnisses...
... alles was eine Almost-No-Budget-Produktion eben so ausmacht...
Ja, all das erwartet einen hier.
Mainstream-Kino-Charts-CineMaxXgänger dürften sich also bereits in den Anfangsmomenten des Films mit Grauen abwenden.
Für denjenigen aber, der eine kleine Vorliebe für sinnlosen Trash hat, dürften oben aufgeführte Fettnäpfchen ein absolutes Gütesiegel sein.
Und naja, ich geb' zu, es fängt auch alles ganz nett und sympathisch an:
Schauplatz ist der Vietnamkrieg 1969.
Jackson (Thilo Gosejohann), der härteste und beste Schlitzaugen-Killer der gesamten US Army, hat den Auftrag die beiden Deserteure Zorc (Oliver Piper) und Atlas (Simon Gosejohann) zu stellen, welche dem Militär die Geheimwaffen geklaut haben, die den Krieg entscheiden sollten.
Atlas wird von Jackson eingesackt, doch von Zorc und den Waffen fehlt nach einem furiosen, explosionshaltigen Kampf jede Spur.
Ich geb' zu: Bis zu diesem Zeitpunkt wirkt noch alles so, als könnte man sich auf ein schön debiles Trashfest mit zwischendurch mal ein paar billig-blutigen, splatter-ähnlichen Effekten freuen.
Was aber dann folgt, lässt sich schon nicht mehr so leicht in Worte fassen:
20 Jahre später - Jackson ist arbeitslos und hält sich bei Laune, indem er mit seiner Tochter Ninjas vom Hausdach aus abknallt,
Atlas wird von dem plötzlich steinreich wiederauftauchenden Zorc aus dem Knast freigekauft
und beide planen ... äh ... wenn ich das nun richtig mitgekriegt hab ... zusammen mit dem Irak (der in diesem Streifen direkt an die USA grenzt ... :-v ) den Einmarsch in die vereinigten Staaten.
Dazu müssen aber erstmal die Superwaffen aus'm Krieg wieder her, aber na ... wo sind die bloß!?
Ahhh, die hat doch damals ein Kumpel von den Deserteuren mitgenommen ...
... und der hat doch jetzt so ne abgefuckte Disco namens "Dance Sensation" und kann sich, weil er an Amnesie leidet, nicht mehr an den Krieg, seine Kumpels und die damals geschlossene Abmachung erinnern.
Atlas und Zorc statten ihm einen Besuch ab.
So, AUS! Es macht einfach keinen Sinn noch länger über die Handlung zu berichten.
Diese ist nämlich dermaßen sinnlos, fadenscheinig, verworren und nebensächlich, dass jedes weitere Wort einfach zuviel wäre.
Aber selbst dieses logilklose Unterfangen ist nicht Hauptaugenmerk meiner Kritik (da bin ich schon Schlimmeres gewöhnt...).
Der Hauptkritikpunkt von OPERATION DANCE SENSATION ist meiner Meinung nach eindeutig der lahme Humor, der den Streifen in Verbindung mit der kopflosen Story ziehmlich langweilig und fad macht.
Zwar wird in derbstem platt-deutsch rumgemotzt, alle Darsteller sind auch mit sichtlich viel Selbstironie und Unernst unterwegs, der ganze Streifen strotz nur so vor kindischen Albernheiten, ... so richtig zünden tut das Debilo-Paket aber nicht.
Die dilletantischen Effkte ( z.B. ein Bauch mit Guckloch, die vielen blutigen Shot Outs mit Knallfröschen, der Typ, dem der Kopfdeckel weggesprengt wird...) oder die übelst plumpe Machart werden dem Zuschauer zwar immer mit einem Augenzwinkern serviert (sind also mehr als Parodie auf die Debilo-Actionfilme der 80er zu verstehen) und laden auch durchaus zum Lachen ein,
so richtig witzig kommt das ganze aber nur sehr selten rüber, was meiner Meinung nach daran liegt, dass alles fast schon auf zwanghaft-penetrante Weise auf "blöd" und "bescheuert" getrimmt worden ist, so dass kaum Platz für unfreiwilligen und ungewollten Humor übrig bleibt.
Dass dieser aber Grundvoraussetzung für einen gelungenen Trashfilm ist, wurde hier leider gänzlich außer Acht gelassen...
Dennoch gibt's auch noch Positives zu erwähnen:
Der mir sehr sympathische Simon Gosejohann spielt die Rolle des hirnamputierten Söldner-Trottels Atlas mit Bravur. Sein Wortwitz war es auch, welcher mich am meisten überzeugt hat.
Darüber hinaus fällt der Soundtrack schön rockig aus.
Die Gastauftritte von Anke Engelke und Bela B. kann man zwar echt vergessen,
Bernhard Lenz und Manuel Francescon, (auch bekannt als das fränkische Anarcho-Blödel-Duo FREAX) sind dagegen in ihrer (leider sehr kleinen) Nebenrolle als "irakische Imperatoren" ein echter Hingucker.
Mein Fazit lautet aber dennoch:
Die Story ist bekloppt. Die schrulligen, schön trashigen Effekte sind auch sehr nett.
Die Charaktere fallen aber leider sehr unkultig aus (nicht halb so cool wie die in CAPTAIN C.) und auch dem Humor fehlt es an Pepp und Witz.
Ein paar Mal wird man schon schmunzeln können, dazwischen langweilen die möchtegern-lächerlichen Dialoge und Situationen aber fast schon zu Tode.
Mit OPERATION DANCE SENSATION hat man sich bemüht einen Streifen abzuliefern, der so bescheuert ist, dass er irgendwie schon wieder gut ist.
Leider ging die Rechnung aber nicht auf und als Resultat haben wir hier nun diesen nicht schlechten, aber auch in fast keinster Weise sehenswerten Streifen vorliegen.
Schade.
Mein Rat also: Lieber nochmal CAPTAIN COSMOTIC, PREMUTOS, EXHIBITIONISTEN ATTACKE oder einen ECHT(!!!) lächerlich-trashigen Action-Schmarn a la ROBO VAMPIRE oder DEADBEAT BY DAWN einlegen und der Tag ist gerettet...
;-)