Review

"Morbide, morbide, più morbide", diese Anweisung des Choreographen (sozusagen) des Stripclubs, in dem die Titelheldin Olga O. (Serena Grandi) in ihrer Jugend aufgetreten ist, hat sich der Regissur auch zu Herzen genommen. Die Ingridenzien des typischen Giallo kommen alle vor und sind alle ein bißchen zu dick aufgetragen: extreme Close-ups, kurze Sexszenen, appetitlich drapierte Frauenleichen, quälende Erinnerungen/Vorahnungen, dunkle Geheimnisse, die nie ganz enthüllt werden, oder jedenfalls nicht ganz logisch, ein Stripclub (da wird übrigens ziemlich Zeit geschunden, aufregend sind die Szenen nicht). Wogegen ich immer eine Abneigung habe: Zeitlupenszenen (sollen besonders bedrohlich wirken, erinnern mich aber unangenehm daran, daß ich nur einen Film sehe).
Die Titelheldin ist allerdings Serena Grandi, 1995 eine üppige, sinnliche Frau von 40 Jahren, aber nicht die ganz große Charakterdarstellerin, die es für einen Film braucht, der mehr ins Psychodrama (zum Psychothriller fehlt die Spannung) tendiert. So leidet nicht nur Olga unter ihren Kindheitserinnerungen - sie hat Schuldgefühle wegen des Selbstmords ihres Vaters - Alpträumen und anonymen Anrufen, sondern auch der Zuseher fühlt sich etwas gequält. Während ich sonst bei Giallos - z.B. "Casa con la scala nel buio" - kritisiere, das hübsche Frauen etwas zu geschmackvoll, schön und manchmal fast klinisch hingemetzelt werden, ist hier im Gegenteil die Morbidität der Reise in die eigene - perverse - Vergangenheit dick aufgetragen. Der Psychopath, der schließlich auftaucht, ist auch eine Karikatur sämtlicher vorhergeganenen FIlmpsychos mit dem obligaten Anthony Perkins-Lachen. Die Fremdheit in der Gegenwart, dunkle Gehimnisse der Vergangenheit, die Obsession mit gefährlichen Gegenständen (Messer), das seit Jahren unveränderte Haus, usw. sind weitere bekannte Motive, was natürlich auch bedeutet daß das Genre seit langem auf der Stelle getreten ist. Und im Zweifelsfall sind mir dann Filme, in denen es noch keine klingelnden Handys gibt, lieber. Aber die späte Grandi ist einen Blick Wert, ich kannte sie so jedenfalls noch nicht. Sie singt - bzw. haucht - übrigens auch einen Song, der in der Handlung eine gewisse Rolle spielt und auch im Abspann nochmal zu hören ist.

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