Review

Neben seinem zweifelsohne besten Regiestreich "Alien", wird ganz besonders immer der 1982 entstandene "Blade Runner" als Kultfilm Ridley Scott´s hochgelobt, doch meiner Meinung nach steht "Black Rain" mit "Black Hawk Down" und "Hannibal" an zweiter Stelle. Scotts heutige Projekte wie "Königreich der Himmel" oder "Tricks" sprechen mich überhaupt nicht mehr an, er sollte schleunigst back to the roots gehen. Der Old School Stil stand im wesentlich besser. Vielleicht taugt ja seiner neuer Film "American Gangster" wieder mehr.
Das Drehbuch zu "Black Rain" verfassten Craig Bolotin (auch ausführender Produzent) und Warren Lewis (Drehbuch Der 13te Krieger). Das Budget war für so eine Großproduktion verhältnismäßig knapp, trotzdem wurde an Originalschauplätzen gedreht.

Nick Conklin (Michael Douglas) und sein jüngerer Partner Charlie (Andy Garcia) sollen den kürzlich festegenommenen Mörder Sato (Yusaku Matsuda) nach Osaka überführen, doch schon bei der Landung kann Sato entkommen. Nick und Charlie müssen nun mit der japanischen Polizei zusammenarbeiten, um Sato erneut dingfest zu machen. Aber Sato schlägt bald zurück mit dem brutalen Mord an Charlie. Mit Hilfe des Inspektors Masahiro (Ken Takakura) und der Amerikanerin Joyce (Kate Capshaw) macht Nick in einer völlig anderen Welt auf die gefährliche Jagd. Selbst als ihn die japanische Polizei zum aufgeben zwingt, taucht Nick unter und ist fest entschlossen den Mord an Charlie zu rächen. Durch die Yakuza bekommt er bald die Chance für seine Vendetta.

"Black Rain" ist viel mehr als nur ein herkömmlicher Actionthriller, auch wenn man das bei der eher üblichen Story nicht gleich glauben mag. Dieser harte Actionthriller hat genau genommen sogar drei Stories in Einer zu bieten. Einmal geht es um die Jagd und Rache an Sato, zweitens um den Charakter Nick Conklin selbst, dem die Innere am Hintern klebt, weil er angeblich korrupt ist und drittens um den Zusammenprall der japanischen und amerikanischen Kultur. Genau für das letzte Element nimmt sich Scott ganz besonders viel Zeit. Nick und Charlie kommen in eine völlig andere Welt, die ganze Polizei funktioniert hier anders, da beisst vor allem Nick mit seinen rauhen, zeitweise auch brutalen Methoden auf Granit. Charlie ist da der ruhigere Typ, zudem freundet er sich schnell mit dem amerikanisch sprechenden Inspektor Masahiro an, während Nick erst gegen Ende des Films eine Freundschaftsbeziehung aufbaut. Nick´s Hass wird nur noch geschürt, als Charlie auf Anordnung von Sato ermordet wird, gleichzeitig macht es ihn aber völlig fertig. Nick steht nun fast alleine da, daher sucht er auch öfters Hilfe bei der hübschen Joyce, welche schon länger in Japan lebt, aber aus Amerika kommt. Durch ihre Kontakte letztlich kommt Nick auch an sein Ziel, doch zwischendurch ist Joyce die einzige Kontaktperson, an die er sich wenden kann. Überhaupt führt Nick nicht das perfekte Leben. Er hat drei Kinder, eine geschiedene Ehefrau und er kann die Allimente mit seinem mageren Polizeigehalt nicht bezahlen. Nun hat er noch den Ermittlungsausschuss am Hals, welcher ihm Diebstahl von beschlagnahmtem Geld nachsagt. Der Zuschauer weiss sofort, dass diese Anschuldigung auch stimmt, doch trotz Fehlverhalten und sonstiger Fopas ist Nick Held und Sympathieträger gleichzeitig. Obendrein sorgt seine Aufdringlichkeit oft für einige Onliner, auch wenn man sich hier oft der billigen Fäkalsprache bedient. Trotzdem macht dieser Kulturenclash unheimlich Laune, auch dank der wirklich guten schauspielerischen Leistungen.
Michael Douglas liefert hier eine perfekte Show. Glaubwürdig, humorvoll, auf Brachialgewalt setzend. Aber auch Andy Garcia oder Kate Capshaw machen einen tollen Job. Der eher unbekannte Ken Takakura, verkörpert den Inspektor Masahiro, weiss sich auch gut zu verkaufen. Trotz der Tatsache, dass Scott sich hier auch viel bei unbekannten Darstellerpersonal bedient, gibt es keine überzogenen, oder unglaubwürdigen Charaktere.

Wie schon bei seinem hochgelobten Science Fiction Werk "Blade Runner" ist auch hier die Atmosphäre extrem düster und bedrückend. Es scheint nie die Sonne und Großteile des Films spielen auch bei Nacht. Meistens regnet es jedoch, oder ist bewölkt. Das beengte Japan wirkt sehr kalt, teils sogar unheimlich, ein Platz an dem sich nicht Jeder wohl fühlt. Einzig und allein die vielen Werbeleuchtreklamen bringen ein bisschen Licht in die düstere und beunruhigende Gegend. In den Menschenmassen und engen Gassen jagt Nick den Mörder von Charlie, ist aber immer wieder auf Hilfe, ganz besonders von Masahiro angewiesen. Oft tritt er in Fettnäpfchen, oder die Ermittlungen laufen ins Nichts. Untermalt wird dieser immer spannende Trip von Hans Zimmer´s tollen und immer passenden Sounds.
Nur hätte Scott mit ein bisschen mehr Action aufwarten können, vielleicht hätte auch das Finale noch mehr ausarten müssen. Die Actionszenen sind zwar gut inszeniert und auch hart, doch meist zu kurz. Kleinere Verfolgungsjagden, Schusswechsel mit einigen blutigen Einschüssen, ein paar Morde und zwei Prügeleien gibt es zu sehen. Der Endkampf Conklin vs Sato ist richtig gut geworden und setzt wie der restliche Filme ganz auf Old School. Ein paar mehr Konfrontationen wären schon drin gewesen, zumal wir uns hier in einem Actionthriller bewegen und nicht in einem reinen Thriller. Trotz dieser Tatsache treten nie Längen auf und die Spannung bleibt den ganzen Film durch auf hohem Niveau angesiedelt.

Düsterer Zusammenprall zweier völlig verschiedener Kulturen mit tollen Darstellern und rauher Action.

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