Review

In diesem Cop-Thriller wurde viel verschenkt.
Ich mag Michael Douglas, Mafia- und Actionfilme, aber trotzdem zündet "Black Rain" bei mir nicht. Der Anfang, welcher Nick als korrupten, jedoch liebenswerten Bullen vorstellt, ist besser als die Haupthandlung. Er klaut Geld für seine Familie und hat das Herz am rechten Fleck. Zusammen mit seinem Kollegen Charlie beobachtet er einen Mord unter Mitgliedern des fernöstlichen Organisierten Verbrechens. Sie stellen den Täter, begleiten ihn nach Japan, wo dieser aber entwischen kann. Fortan gehen die 2 US-Cops dort auf die Suche nach dem Killer Sato, der eine gewichtige Rolle im örtlichen kriminellen Milieu spielt.
Diese Zusammenfassung klingt sicher nicht schlecht, sorgt aber nur in der ersten halben Stunde der knapp 120 Minuten für Aufregung. Sobald Nick und Charlie japanischen Boden betreten, wird der zunächst reinrassige Actionfilm zu einem Gesellschaftsdrama mit sozialkritischen Untertönen. Sowas mag unabhängig voneinander funktionieren, aber nicht im selben Film. Denn in Japan wird plötzlich nur noch von Ehre und Patriotismus geschwafelt, dass man sich wünscht, bei „Last Samurai“ zu sein, wo dieselbe Intention irgendwie funktioniert hat. Auch der Hintergrund des Titels „Black Rain“ ist absolut lächerlich, weil er nicht wirklich etwas mit der Handlung zu tun hat. Vielmehr sollte hier wohl ein gesellschaftlich bedeutsames Problem (die negativen Auswirkungen des Kapitalismus) angesprochen werden, das aber zu keinem Zeitpunkt für den außenstehenden Zuschauer adäquat umgesetzt erscheint. Ich will an dieser Stelle wahrlich keine Multikulti-Diskussion lostreten, sondern nur anmerken, dass gegenseitiger Respekt in dieser Hinsicht für mich selbstverständlich ist und keiner Darstellung mit dem Holzhammer bedarf. Philosophie passt nicht zu diesem Film, und dadurch wird dieser auch mehrfach ausgebremst.

Für einen Gangsterfilm im Stile eines Scorseses oder DePalmas ist „Black Rain“ viel zu lahm und auch zu farblos. Ein roter Faden lässt sich ausmachen, wird aber leider durch diverses Rumgelaber unterbrochen. Einige Charaktere werden am Ende fallen gelassen (das Nippon-Girl im Dunstkreis der Mafia) oder nur unzureichend portraitiert (Kate Capshaw als heimatlich entfremdete  Luxusnutte). Dass Nicks Partner Charlie nach der Hälfte des Films gemeuchelt wird, bringt auch keine zusätzliche Spannung. Der Cop Nick will weiterhin nur den Killer Sato stellen, und bekommt dabei Unterstützung vom japanischen Bullen Masahiro. Trotzdem ist es kein Buddy-Movie, sondern nur vermeintlich bedeutungsschwangeres Kultur-Blablabla, welches sich zwischen den 2 Cops aus einander fremden Ländern entfaltet. Teilweise hat man das Gefühl, einem Drama zur Selbstfindung beizuwohnen, was so gar nicht zu der vorangegangenen Action passen will.
Optisch erinnert der Film zuweilen an „Blade Runner“, was angesichts desselben Regisseurs kein Wunder ist, kann mich aber nur genauso wenig packen wie Ridley Scotts Film-Noir-Epos aus den frühen 80ern. Ich bevorzuge von ihm Werke wie „Alien“, „Thelma & Louise“ oder „American Gangster“, und mit denen kann „Black Rain“ nicht mithalten. Herausragend ist hierbei nur der Anfangs- und Endtitel namens „I’ll be holding on“ von Gregg Allman, eine Hoffnungshymne vor dem Herrn. Der restliche Soundtrack (Hans Zimmer) ist souverän, kann aber aus diesem Streifen auch nicht mehr als 6 von 10 Punkten rauskitzeln.

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