Review

In den 1980er Jahren gab es zwischen den USA und Japan so eine Art Klassenkampf. Nachdem man das Land im Zweiten Weltkrieg durch Atombomben besiegt hatte (der Fallout "Black Rain" hat dem Film einen Namen gegeben) und nachfolgend amerikanische Werte vorgab, musterte sich Japan im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte zu einer Exportnation, die für High-Tech auf höchstem Niveau stand (und auch noch heute steht) und damit die USA an Innovationskraft überrundete. Ironischerweise wurden die meisten Nippon-Produkte nach Amerika exportiert. Ridley Scott erzählt vor diesem Hintergrund seine Geschichte im Aufeinandertreffen zweier Kulturen.

Die Story: Nachdem sie zwei Morde an einheimischen Mafiosi beobachtet haben, geleiten die beiden Cops Nick (Michael Douglas) und Charlie (Andy Garcia) einen Yakuza namens Sato (Yusaka Matsuda) von Amerika nach Japan, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. Nick hat derweil Probleme mit den eigenen Kollegen, denn er soll Geld eines hochgenommenen Drogendeals abgezweigt haben. In Japan angekommen, werden die beiden Polizisten allerdings reingelegt und Sato kann entkommen. Zusammen mit dem Polizisten Masahiro (Ken Takakura) nehmen sie die Verfolgung auf...

Die Story ist eigentlich eine einfache Kriminalgeschichte. Allein in den USA angesiedelt, wäre sie sehr langweilig ausgefallen. Stattdessen macht der Clash zwischen westlicher und fernöstlicher Kultur den besonderen Reiz des Films aus, spielt dieser doch fast ausschließlich in Japan. Die Cops Nick und Charlie haben in diesem fernen Land ziemliche Probleme, ihrem Ziel Sato zu finden, nachzukommen, denn Sprache und (Polizei)-Kultur sind den beiden völlig fremd. Scott inszeniert das ganze auf ziemlich geschickte Weise, denn genauso wie die beiden Protagonisten häufig unwissend zurückbleiben, genauso unverständlich ist das ganze für den Zuschauer. Wenn man nicht  gerade großer Nippon-Experte ist und zudem die Sprache versteht, bleibt man ganz schön auf der Strecke, was die Identifizierung mit den beiden Cops automatisch erleichtert. Der Film kommt in den vielen japanischen Dialogen ohne klärende Untertitel aus (ob das in der TV-Version auch so ist, weiß ich nicht).
Ridley Scott bemüht sich dabei redlich, Japanklischees zu vermeiden und zeigt die auftretenden Japaner in erster Linie als Menschen, die sich in so manchen Punkten von den westlichen Amerikanern unterscheiden, oft auf eine positive Weise. Jedenfalls sind die im Film porträtierten Japaner starke Charaktere, auch die Gegner, die den aufbrausenden Cops aus den USA häufig geistig überlegen sind. Es ist ein schönes Bild, wenn Masahiro sich umdreht - nachdem Nick sich fragt, ob es irgendeinen Japsen gibt, der die englische Sprache spricht - und sagt: "Ich spreche eure Scheiß-Sprache!" Kurioserweise sprechen so gut wie alle japanischen Figuren im Film Englisch, die beiden Cops aber natürlich bis auf "Geisha" kein Wort Japanisch. Schöner subversiver Humor.

Scott zeigt seinen Film in Großaufnahmen von Städten und japanischer Industrie, so dass sich der eingangs erwähnte Konflikt zwischen Nippon und USA auch bildsprachlich immer wieder im Film finden lässt. Dazu kommt, dass der Film-Look mit den dunklen und regenverhangenen Bildern stark an "Blade Runner" erinnert, nur dass das ganze in der Gegenwart und nicht in der Zukunft spielt.

Eigentlich macht der Film alles richtig, er ist spannend, verfügt über einige toll fotografierte Actionszenen und wartet mit einem packenden Finale auf. Dazu kommt der immer wieder eingestreute Humor. Und Michael Douglas darf als Cop Nick Conklin einige coole Sprüche raushauen. Generell sind die Darsteller sehr überzeugend, wobei mir die japanischen Schauspieler, vor allem Ken Takakura, noch ein wenig mehr gefallen haben, weil ihre Rolle einfach interessanter sind.
Das einzige nervige an dem Film ist die Rolle von Kate Capshaw als Entertainerin Joyce, die seit Jahren in Japan lebt und den Cops behilflich ist. Auf die Rolle hätte man auch gut und gern verzichten können. Natürlich kommt es auch zu der obligatorischen Liebelei zwischen ihr und Nick. Da hat man irgendwie das Gefühl, Ridley Scott wollte unbedingt noch eine amerikanische Schauspielerin im Film unterbringen.

Fazit: "Black Rain" ist trotz einiger kleiner Hänger spannendes Thrillerkinos. Auch wenn es letztlich ein amerikanischer Film bleibt, gefällt das Nippon-Setting ungemein und gibt dem Film einen ganz eigenwilligen Flair.

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