"Black Rain" ist ein eigenständiger, äußerst stilvoller Thriller (keinesfalls ein Actionfilm, wie man ihn gerne klassifiziert) mit kleineren Schwächen in der Dramaturgie.
Doch zunächst zum Positiven: Die Hauptfigur Nick Conklin (Michael Douglas) ist hervorragend charakterisiert und noch besser gespielt. Der jähzornige, nicht immer ganz prinzipientreue, dabei aber stets voll seiner Aufgabe verpflichtete Cop ist so scharf konturiert und dabei doch vielschichtig, wie man sich das wünscht. Sein anfänglicher Partner Charlie Vincent (Andy Garcia) gefällt als kumpelhafter, humorvoller Charmeur, ohne jedoch so richtig in den Status einer Hauptfigur aufzusteigen, was natürlich auch an seinem allzu frühen - womöglich unnötig frühen - Ableben liegt. Er schafft gewissermaßen Platz für eine neue Polizistenfreundschaft und eine neue Hauptfigur, den japanischen Kollegen Matsumoto, glänzend gespielt von Ken Takakura. Der überkorrekte, schüchterne und dabei doch von der Energie Conklins faszinierte Matsumoto ergänzt sich hervorragend mit Michael Douglas' Schauspielkunst als "Draufgänger-Typ". Gezielt eingesetzte Running Gags, insbesondere obszöne Redewendungen Conklins, die Matsumoto meist nicht versteht, durchbrechen von Anfang an die lange aufrecht erhaltene Trennlinie zwischen den beiden unterschiedlichen Figuren, deren unterschiedliche Moral- und Pflichtverständnisse sie zunächst eher zu Gegnern als zu Partnern machen. Diese Konstellation geht Hand in Hand mit dem Plot und dem Schauplatz der Ereignisse, denn Conklin ist einerseits in Tokio sprachlich eingeschränkt und kulturell der reinste Elefant im Porzellanladen, andererseits durch seine Besessenheit aber der gefährlichste Gegner des Yakuza Sato. Worum sich die Gangstergeschichte eigentlich dreht, wird erst nach und nach enthüllt, bleibt für meinen Geschmack sogar etwas zu sehr verborgen. Der Film konzentriert sich in einzelnen Passagen so sehr darauf zu zeigen, wie Conklin Matsumoto als Partner gewinnt, dass der Zuschauer kein klares Bild der Gegenseite erhält. Folgerichtig gibt es auch keine unaufhaltsam aufs Ende zugespitzte Spannungskurve, der Showdown ist zwar bildlich gut umgesetzt, die Actionszenen haben Klasse, aber es stellt sich nach Ende des Films nicht das Gefühl ein, dass jetzt etwas zum Abschluss gebracht wurde. Die Schlussszene (Conklins Geschenk an Matsumoto) ist filmhistorische Massenware und macht im Zusammenhang überhaupt keinen Sinn. Ebenfalls zu bemängeln ist die Figur der Joyce Chicago, offenbar einer amerikanischen Nachtclubbesitzerin oder dergleichen. Diese ist unzureichend charakterisiert, ihr Verhältnis zu Conklin überflüssig. Sie hat nur eine Scharnierfunktion zwischen dem amerikanischen und dem japanischen Lager, aber selbst kaum ein Eigenleben.
Unterm Strich bleibt leider das ungute Gefühl, dass der gleiche Film, mit seiner überragenden Bildsprache und den hervorragenden Schauspielern, mit etwas mehr Arbeit am Plot zu einem herausragenden Film hätte werden können, ja müssen. "Black Rain" mit der Inspiration des Drehbuchs von "Die Üblichen Verdächtigen" - ein Traum wäre wahrgeworden. So aber bleibt "Black Rain" nur ein sehr guter Film.