Ascheregen und Arschlochsegen
Wenn ich etwas Ridley Scott nicht vorwerfen kann, dann dass er kein vielseitiger Regisseur war/ist. Und dass er verdammt hübsche, coole, optisch edle Filme machen konnte. Gerade in seinen ersten 20 Jahren in dem Job. Denn da gab’s bei ihm noch viel mehr als nur „Blade Runner“, der visuell natürlich kaum zu übertreffen ist. Dennoch können sich auch viele andere Werke von ihm absolut sehen lassen - wie z.B. „Black Rain“, den ich mir immer wieder angucken könnte, der Michael Douglas als ausgebufften Cop nach Japan schickt und ihn gegen die Yakuza anlaufen lässt, der spätestens im Land der aufgehenden Sonne ausschaut wie zehn Millionen Goldbarren und der für mich wohl zu den (zumindest in der Allgemeinheit) underratesten Filmen seines Jahrzehnts zählt… Selten merkte man Scotts Herkunft aus der Werbung deutlicher. Dermaßen Eyecandy, dass man einige Durchschnittlichkeiten in der Handlung und chauvinistische Charakterkniffe verkraftet. Aber mal ganz locker.
Yakuzas on the Run
Die qualmenden Gullideckel und neondurchfluteten Nachtclubs, die nassen Straßen Tokios und glitzernden Kleider der Capshaw, die grimmigen Gesichter der Japaner und die markigen Sprüche der US-Machos, die brummenden Motorräder und käsigen Rocksongs, die eiskalten Synthies und leuchtenden Reklametafeln, die spiegelnden Sonnenbrillen bei Nacht und grau-rauchigen Polizeibüros mit mehr Nikotin als Sauerstoff in der Luft. „Black Rain“ ist ein hypnotischer Krimi und ziemliches Kind seiner Zeit. Und ich liebe ihn dafür - mit all seinen aus heutiger Sicht diskussionswürdigen Facetten und Schatten! Böse und endlos überspitzt gesagt ist’s auch nur Traumschiff meets meets Herrenwitz meets Tatort mit MTV-Ästhetik goes Tokio - aber krieg das erstmal so hin! Drachentattoos und dumme Geishasprüche, Männlichkeit auf die Probe gestellt und Spitze getrieben. Kulturen im Kampf. Schatten überall, Kontraste voll aufgedreht, Klischees ungeniert (gegeneinander) ausgespielt. Und allein der Einblick in das Tokio der späten 80er - der Knaller! Darin könnte ich mich verlieren - egal was für abgewichste Profis darin ihre Schleimspuren ziehen und Wege kreuzen. Insgesamt und gerade mittlerweile ist Ridley Scott alles andere als einer meiner Regiefavoriten - aber wenn er trifft, dann trifft er meist richtig!
Fazit: Ridley Scott macht auf Tony Scott?! „Black Rain“ ist einer der coolsten und attraktivsten Thriller seines Jahrzehnts. Absolutes Genussgourmetgold für audiovisuell veranlagte Menschen!