Eigentlich hatte ich die klassische amerikanische Riesenmonsterwelle der 50er schon ganz gut abgefrühstückt, aber so das eine oder andere Loch ist immer noch zu stopfen. Erfreulich wenn einem dann im Netz ein Creature-(Double)-Feature über den Weg läuft…
In Deutschland immer noch sehr rar ist „The Black Scorpion“, der „Schwarze Skorpion“, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es von dieser amerikanisch-mexikanischen Co-Produktion überhaupt schon eine deutsche Fassung gibt, aber Sichtungsmaterial ist der Film allein zwingend dadurch, dass King-Kong-Schöpfer Willis O’Brien höchstpersönlich die Animation der Kerbtiere in die Hand nahm – sonst spricht ja das Netz meist nur noch von Harryhausen.
Filmisch ist es mit der Originalität nicht sehr weit her, „Scorpion“ leiht sich seinen Plot ganz deutlich vom Aufbau her bei „Them/Formicula“ aus, weil die Formel auch für soliden Suspense sorgt.
Ausgangspunkt ist ein überraschender Vulkanausbruch in Mexiko, der binnen kürzester Zeit für einen riesigen Vulkankegel sorgt und die unangenehme Wirkung hat, dass eine bisher nur unterirdische Riesenhöhle plötzlich einen Ausgang erhält.
Weil da unten mit seltsamen Organismen, obskuren Mehrfüsslern und eben Skorpionen gepflegte Bambule herrscht, krabbeln die Riesenskorpion alsbald an die Oberfläche.
Bis man das aber erfährt, erkunden erstmal zwei Wissenschaftler (aus jedem Produktionsland einer) durch die Einöde, finden ein zerstörtes Dorf, finden nicht die verschwundene Bevölkerung, doch alsbald diverse Leute, die fast schon durch Schock gestorben scheinen.
Nachdem die Behörden dann informiert sind, gehen die sichtbaren Angriffe dann auch los und zumindest in Sachen Totale ist O’Brien immer noch Herr seiner Kunst. Die inflationär benutzte Einzelaufnahme des sabbernden Skorpiongesichts ist nicht ganz so meisterhaft, aber für die Kinder im Publikum wird es gereicht haben.
In bester King-Kong-Tradition erkundet man dann das unbekannte Land mit seinen schrägen Kreaturen, was manchmal etwas eckig ausfällt (wenn O’Brien sich an einem Kunsttier macht, dessen nicht existente Bewegungen natürlich schlecht nachzuvollziehen sind) und manchmal in Sachen Rückblenden auch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit scheint.
Nach einer pfundigen Sprengung scheint alles eitel Sonnenschein, aber natürlich sind ein paar der Scherentierchen entkommen und machen „havoc“, wobei sie sich allerdings freundlicherweise selbst dezimieren. Der Letzte schafft es dann noch bis zur großen Stadt, wo man dann endlich die verwundbare Stelle findet und mittels eines Militärhubschraubers den Sack zumacht, ein Showdown ähnlich dem mit den Riesenameisen zwei Jahre zuvor.
Das Beste sind an dem Film dann natürlich die Animationen, wobei etwa die Attacke auf einen Personenzug im Größenverhältnis in arge Schieflage gerät, denn das Vieh schafft es problemlos, den vollen Zug entgleisen zu lassen. Das macht nicht soviel, denn es ist überdeutlich eine Spielzeugeisenbahn, aber das finale Hubschrauberduell zeigt dann deutlich mehr Sorgfalt.
Wer Creepy Crawlers mag und Rieseninsekten speziell, wird eine gute Zeit haben, wobei die Planungen zwischendurch dann natürlich etwas dröger ausfallen. Die Affäre zwischen Richard Denning und Mara Corday, die sich nebenbei entwickelt, hat da leider zu wenig Raum.
Insgesamt fällt der Film dann nur mittelprächtig aus, weil Drehbuch und Regie eben nur mäßig sind und vollends auf die Schauwerte setzen. Böse Leute schauen sich alle Animation einfach im Zusammenschnitt auf Youtube an, aber alles in allem muss man die 85 Minuten nicht bereuen, weil O’Brien eben neben „The Giant Behemoth“ keine weiteren besonderen Stop-Motion-Creationen mehr ablieferte („Der Fluch vom Monte Bravo“, die Blaupause für „Gwangi“ entstammt nur seinem Konzept, war aber nicht von ihm getrickst.). (5,5/10)