Das ist er also, "The Lost Boys", dieser 80er-Jahre-Kult-Vampirfilm, von dem immer alle geredet haben, der aber irgendwie immer an mir vorbeigegangen ist. Bis gestern. Erster Eindruck: Soooo toll ist der ja gar nicht. Doch von vorne:
Nachdem sich Mutti hat scheiden lassen, zieht diese mit ihren beiden Söhnen Mike und Sam zum halbverrückten Opi an die Küste, in einen Ort, wo ständig Rummel und Attraktion herrscht und die Damen in Bikinis ihre Hüften schwingen. Nach anfänglichem Zweifel, ob es hier denn so toll ist, entdeckt Teenie Sam einen Comicladen, und auf einmal ist es doch ganz cool, jetzt in der Nähe des Strandes zu wohnen. Auch wenn die beiden Verkäufer des Ladens schon ziemliche Freaks sind, stecken sie ihm doch Vampir-Comics mit der Bemerkung, diese wären notwendig für's Überleben, zu. Doch es kommt, wie es kommen muss: Sams großer Bruder Mike wird von einer Halbvampir-Schönheit verführt und gerät so unter den schlechten Einfluss der Bande Biker-Vampire um den späteren "24"-Star Kiefer Sutherland, welche ihn prompt zu einem der Ihren machen wollen. Da Mike sich aber nach einem Nacht-und-Nebel-Überfall auf ein paar Surfer (im Abspann als "Surf-Nazis" gelistet ... bitte was?) weigert, jemandem zu töten, bleibt er nur ein halber Vampir und so muss Brüderchen Sam samt der beiden Möchtegern-Blades aus dem Comicladen helfen, den Obervampir zu töten, um alle anderen zu erlösen (laut Aussage der beiden Comic-Freaks sitzen in diesem Städtchen nämlich sogar im Rat Vampire und Ghouls).
Eine nette Geschichte also, aus der man einen netten Kinder-Vampirfilm machen konnte. Mehr ist "The Lost Boys" zu keiner Zeit, allein schon durch die klischeebelastete Überzeichnung der Charaktere: die Comic-Freaks, der Comicfan Sam, der zunächst als einziger checkt, was Sache ist, die ungläubige Mutter, der verrückte Oppa, der - wie sich zum Schluss rausstellt - alles gewusst, es aber nicht für nötig empfunden hat, einzugreifen, etc. pp.
Auch die Vampire selbst sind im klassischen Muster gestrickt: Sie mögen keine Pfähle im Herz (wer tut das schon?), keinen Knoblauchatem (wie öde muss ein Leben ohne Döner sein?) und kein Weihwasser, aber wenn man sie zu sich ins Haus einlädt, dann kann man ihnen nichts anhaben. Ja, nee, is klar, das haben wir alles auch schon mal origineller gesehen.
Natürlich kann man nicht alles an diesem Film schlechtreden, so ist schauspielerisch zum Beispiel alles im Lot, besonders Kiefer Sutherland kann als fieser Vampir-Bandenchef überzeugen. Inszenatorisch kann man Regisseur Joel Schumacher auch in keinster Weise ans Bein pinklen, technisch ist alles in Ordnung, die hier und da eingestreuten Special Effects sehen zwar reichlich angestaubt aus, aber für die 80er ist das schon okay. Apropos Special Effects: Ich würde mich zwar nicht in den Kreis der klassischen Gorehoundz zählen, aber hier und da etwas mehr Tomatensoße hätte dem Film durchaus nicht geschadet. Oder wenigstens mehr als nur eine Andeutung der Morde. Aber dann hätte der Streifen auch seinen Familienfilm-Charakter verloren, welcher anscheinend im Sinne Schumachers war.
So ist "The Lost Boys" - wie oben schon geschrieben - ein ganz netter Film für zwischendurch. Warum der Film allerdings fast schon als Kult gilt, ist mir rätselhaft. 6 Punkte für gute Schauspieler, eine technisch gute Inszenierung und einen spannenden Showdown.