Während des amerikanischen Bürgerkriegs desertiert der junge Soldat Jude Law, da er seine große Liebe Nicole Kidman wiedersehen will. Nachdem er also aus der Armee der Konförderierten ausgetreten ist, muss er sich zu Fuß auf den beschwerlichen Heimweg machen, auf dem er natürlich als Deserteur verfolgt wird. Nachdem Kidmans Vater gestorben ist, bleibt Renee Zellweger ihre einzige vertraute Person.
Die Story ist gut. Man versucht die Leiden des amerikanischen Bürgerkriegs anhand eines Einzelschicksals genauer darzustellen. Leider hat die Beziehung von Law und Kidman nicht genug Tiefe und wirkt stellenweise zu melancholisch. Die furchtbaren Erlebnisse, die Law auf seinem Heimweg hat, sind sehr gut dargestellt und halten den Film über weite Strecken am Leben. Das Verhältnis zwischen Nicole Kidman und Renee Zellweger hat Tiefe und enthält hoffnungsvolle Elemente in einem traurigen Film.
Der Film beginnt vielversprechend. Ein paar gut inszenierte Schlachtszenen lassen auf ein gutes Kriegsdrama schließen. Doch diese Szenen am Anfang sollen dann auch die letzten bleiben, da Regisseur Minghella auf weitere Schlach-Sequenzen verzichtet. Dann folgt erst mal eine längere Einführung, aber ein Epos braucht nun mal seine Zeit zum Anlaufen. Der Mittelteil erzeugt durch Laws gefährliche Reise durch Amerika Spannung. Jedem, dem er begegnet wiederfährt Elend und die Wut über die Ungerechtigkeit, die der Landbevölkerung durch Plünderer und Militär wiederfährt, lässt den Zuschauer stark mitfühlen. Die Briefe, die Kidman schreibt, steigern leider nicht die Tiefe der Beziehung, die sich über die meiste Zeit des Films durch Sehnsucht ausgedrückt wird. Wenn dann die Herumtreiberin Zellweger zu ihr kommt, gewinnt der Handlungsstrang um Kidman wieder an Fahrt. Das Ende ist zwar spannend, aber vor allem kurz vor Schluss zu melancholisch. Die letzte Szene beendet den Film ordentlich und sorgt dafür, dass der Zuschauer ihn nicht so schnell vergisst.
Regisseur Minghella beweist viel Konsequenz, da er nur die Schlachtszenen am Anfang des Films zeigt und sonst, anders als Micheal Bay bei Pearl Harbor, auf große Action-Szenen verzichtet und somit den Fokus auf den 3 Hauptpersonen belässt.
Die Filmmusik ist sehr gut gewählt und unterstreicht die wirklich wichtigen Szenen perfekt. Auch bei der Kulisse beweist Minghella ein gutes Gespür für große Aufnahmen. Das Land ist genauso grau und kalt, wie der Film wirken soll. Die Naturaufnahmen sind spektakulär und haben einen großen optischen Reiz. Die Atmosphäre ist meistens traurig und bedrohlich.
Mir gefällt Laws Heimreise am besten, bei der er episodenhaft auf verschiedene Personen trifft. Durch diese Begenungen kann der Film den Zeitgeist und das Gefühl des Bürgerkriegs gut vermitten und erreicht fast die "Größe" anderer Südstaaten-Dramen, wie "vom Winde verweht".
"Unterwegs nach Cold Mountain" ist ein weiteres gutes Werk des modernen Erzählkinos, auch wenn es stellenweise zu melancholisch sein mag. Auch wenn seine historische Verbindlichkeit gering ist, ist der Film dennoch sehr interessant und kann über die vollen 150 Minuten sehr gut unterhalten und an einigen Stellen Spannung aufbauen.
Die geringe Tiefe bei der Beziehung zwischen Kidman und Law war der Hauptkritikpunkt an diesem Werk. Ich denke, dass die Gefühle im Film sicherlich stellenweise überpropotioniert wurden und die Beziehung der beiden zu Leidenschaftlich und damit eindimensional dargestellt ist. Aber durch diese übertriebene Darstellung wirkt das Ende wesentlich emotionaler. Der Gefühlskitsch hält sich vor allem durch die trockenen Kommentare von Zellweger in den Grenzen des Zumutbaren. Ein zweiter Kritikpunkt war, dass der Film daran scheitern würde, Apokalypse und Romanze miteinander zu vereinen. Dem kann ich bedingt zustimmen, wobei beispielswiese Pearl Harbor zeigt, dass dies auch wesentlich schlechter ausgehen kann. Aufgrund dieser beiden Punkte schrammt der Film leider knapp am monumentalen Meisterwerk vorbei.
Jude Law und Nicole Kidman spielen solide, wobei die Chemie zwischen den beiden leider nicht stimmt, weswegen die, sowieso schon stark kritisierte Beziehung der beiden noch einmal schlechter wirkt. Renee Zellweger, die für diese Darstellung ihren Oscar in Empfang nehmen durfte, liefert die beste Leisung ihrer Karriere ab. Donald Sutherland und Philip Seymour Hoffman sind in Nebenrollen zu sehen. Der Part von Natalie Portman, die Jude Law bei seiner Reise aufsucht ist sehr kurz, aber ihre tragischen Erlebnisse und ihre hervorragende Darstellung machen den kurzen Abschnitt zu einem Höhepunkt des Films.
Zusammenfassend ist "Unterwegs nach Cold Mountain" ein starkes Kriegs-Drama, dass durch gute Darsteller, eine hervorragende Kulisse und eine spannende und dramatische Handlung gut unterhalten kann, aber durch die überproportionierten Gefühle und die stellenweise mangelnde Tiefe knapp den Status "Meisterwerk" verfehlt.