Nachdem sein Regiedebut "Kugeln sind sein Autogramm" völlig unterging, widmete sich Regisseur Brian G. Hutton einem richtig großen Projekt. Die Idee zu "Agenten sterben einsam" stammt von Alistair MacLean, welcher nicht nur die Novelle, sondern gleich das Drehbuch verfasste. Für Hutton war es nicht nur die größte Herausforderung, sondern gleichzeitig sein bester Film. Zwei Jahre später meldete er sich nochmal mit "Stoßtrupp Gold" zurück. Seine restlichen Werke waren mit Abstand schlechter und 1983 war es dann entgültig vorbei. In den 50er Jahren war Hutton übrigens Schauspieler, aber er ergatterte keine Rolle in einem nennenswerten Projekt.
Aber zweifelsohne hat Hutton hier ein winziges Stückchen Geschichte geschrieben, denn sein Film ist einer der aufwendigsten und besten Actionthriller aus den 60er Jahren.
Major Jonathan Smith (Richard Burton) hat einen schwierigen Auftrag erhalten. Er soll einen General, welcher zuvor mit dem Flugzeug über deutschem Gebiet abgestürzt ist, aus der fast uneinnehmbaren Burg Adler befreien. Mit einem kleinen Team, unter ihnen auch Morris Schaffer (Clint Eastwood), spingt Smith über feindlichem Gebiet ab. Doch kaum dort angekommen, findet er ein Teammitglied ermordet auf. Zudem hat Smith sich abgesichert, in dem er seine langjährige Partnerin Mary Elison (Mary Ure) mitgenommen hat, aber das restliche Team weiss nichts von Mary. Mit Hilfe eines waghalsigen Planes schaffen es Smith und Schaffer in die Burg einzudringen, der Rest des Teams wurde schon gefangengenommen. Smith und Schaffer befreien den General, doch das Entkommen aus der Festung gestaltet sich als fast unmöglich. Sie sind den Einheiten dort zahlenmäßig mehr als unterlegen, obendrein scheint es mehrere Verräter im eigenen Team zu geben.
Dieser Film hat jetzt schon ganz knapp 40 Lenze auf dem Buckel, wirkt aber heute noch in keinster Weise veraltet. Hier ist wirklich noch alles handgemacht, egal wie aufwendig es war, nichts schien gut genug zu sein. Für die damaligen Verhältnisse hat man hier großartige Arbeit geleistet, daher durfte Produzent Elliot Kastner auch sehr tief in die Tasche greifen, was ihm aber nicht weh tat, denn der Film wurde ein riesen Erfolg.
Kein Wunder, allein die Action lohnt das Anschauen schon. In der ersten Stunde lässt man es noch etwas ruhiger angehen, während danach fast Non Stop geballert, verfolgt, geprügelt und in die Luft gejagt wird. Dutzendfach durften die Pyrotechniker sich hier austoben, die Explosionen sind oft bildschirmfüllend. Häuser, Autos, Seilbahnen, ganze Burgteile werden dem Erdboden gleichgemacht und dieser Zerstörungswahnsinn hält über den ganzen Film hinweg an. Besonders schick sind einige Gimmicks wie die Dynamitstangen mit den Drähten. Auch die Shootouts sind nicht von schlechten Eltern, der Bodycount ist sehr hoch, versehen mit vielen blutigen Einschüssen. Im Schloss müssen sich Smith und Schaffer ganze Armeen vom Hals halten. Da schießt man sich den Weg sogar beidhändig ballern frei, oder arbeitet mit Sprengfallen. Auf jeden Fall werden die Deutschen drastisch dezimiert. Trotz der alternden Waffen ist der Munitionsverbrauch horent. In so einem langen Film, Laufzeit 149 Minuten, bringt man auch noch einige Klopperein unter, welche auch in luftigen Höhen auf einer Seilbahn stattfinden. Und zur Krönung im Finale gibt es noch eine sehr lange und explosive Verfolgungsjagd, in der man nochmal alle Register der damaligen Pyrotechnik zieht und mit einigen spektakulären Stunts aufwartet. Bei dieser vielen Action fallen nur einige kleine Dinge negativ ins Gewicht, nämlich ein paar Seilbahnszenen sind sichtlich unecht.
Nicht nur in Punkto Action hat man großartige Arbeit geleistet, sondern auch die Story bietet viele Überraschungen, bis zur Schlusspointe. Das Entlarven des falschen Generals, warum diese Mission wirklich durchgeführt wurde, das Verwirrspiel von Smith auf der Burg. All diese Dinge verwirren den Zuschauer und sorgen obendrauf für handfeste Überraschungen und mächtig Spannung. Die Entlarvung der Verräter ist ebenfalls sehr klug inszeniert. Diese ganzen Dinge ziehen sich bis zum Schluss, bei Beginn des Films ist der Zuschauer völlig unwissend, über die vorfallenden Morde, über die Mission. Man kann sich zwar seine eigene Story zusammenreihmen, vermuten, darüber nachdenken, doch man kommt eh nicht drauf.
Das ganze Geschehen findet vor der verschneiten und bergigen Landschaft Deutschlands statt. Allein schon die Kulisse ist sehr ungemütlich. Es ist kalt, Stürme, Schnee, das Wetter brigt einige Tücken und macht das Unterfangen zweitweise noch schwieriger.
Ebenfalls auf jeden Fall erwähnenswert ist der instrumentale Score von Ron Goodwin. Dem Zuschauer werden die Melodien parktisch schon um die Ohren gehauen, man hat immer die passende Untermalung parat.
Auf eine richtig prominente Besetzung muss man leider verzichten. Richard Burton und Clint Eastwood übernehmen die Hauptrollen und geben ein tolles Team ab, aber auch die Leitung von Mary Ure sollte man positiv anerkennen. Die Rige der Gegner hingegen bleibt etwas flach, aber man kann nun mal nicht alles perfekt machen.
Einer der besten Actionthriller der 60er Jahre. Actionreich, explosiv, hochspannend, gut besetzt und mit einer undurchsichtigen Story versehen. Pausenlose Unterhaltung über 149 Minuten garantiert, muss man gesehen haben.