Öl, Melodrama & Douglas Sirk auf seinem Zenit
Früher ausgelacht, dann langsam immer mehr respektiert, mittlerweile verehrt und als subversiver Meister seiner Zunft zementiert - Douglas Sirks Reputation als Regisseur hat sich im Laufe der Jahrzehnte beispiellos gewandelt. Und an einem splashy, wegweisenden und (anti-)augenzwinkernden Melodramameisterwerk wie „Written on the Wind“ kann man gut erkennen und ausmachen, warum das so passieren musste. Erzählt wird in dem äußerst attraktiven, visuell poppenden und inhaltlich zischenden „Drama“ von einer toxischen Dreiecksbeziehung zwischen Reichtum, Öldynastie, Verdorbenheit, falscher Liebe, krankhaftem Verhalten und einer eventuell gänzlich schädlichen, aufkommenden Generation…
Von „Gone With The Wind“ über „Dallas“ bis „Succession“
„Written on the Wind“ ist altes Hollywood und gleichzeitig ein fetter, pop-artifizieller Mittelfinger an eben genau dieses System und deren Werte, Macher, Kinder. „Written In The Wind“ ist ganz große Seifenoper und doch zutiefst verstörende Abschaumalliteration. Es ist wie Zuckerguss auf einem Hundehaufen. Wie eine goldene Pistole wo „Peng!“ rauskommt. Wie Rock Hudsons Alptraum. Wie Kapitalismus schon früh ad absurdum geführt. Sirks Stil war nie radikaler und augenbetäubender. Seine Stars waren nie schöner und innerlich nie zerfressener und modernder. Wie ein Comicstrip gemalt mit giftiger Gallenfarbe. Wie ein Trip auf zu viel Absinth. Style with Substance. Popart mit Power, Parodie und Paradesprengung. So affektiert und aufgesetzt und artifiziell - und doch so schmerzhaft ehrlich, echt und erregend. Frank Skinners Töne passen perfekt. Wie überlebensgroßes Fernsehen der Fäulnis. Wie die Kehrseite von Reichtum und Erbe, sogar des kompletten amerikanischen Traums. Nein, des ganzen amerikanischen Systems. „Written on the Wind“ ist eine abgewichste, arschgeile und ausgefuchste Großtat eines verkannten Visionärs.
„Kitsch“ done right
Fazit: Was für ein Rausch, was für eine Ausdrucksstärke, was für Farben, was für miserable Menschen und was für ein massiver Meilenstein - egal ob Wind, Öl, Soap Oper oder echter Herzschmerz, das hier ist ganz großes Kino!
The Oily Maniacs