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Die geistig verwirrte und hochgefährliche Eunice befindet sich auf einer ziellosen Odyssee entlang der nordenglischen Autobahnen. Auf der Suche nach einer geheimnisvollen Fremden, namens Judith klappert sie Tankstellen und Rasthöfe ab, wobei sie eine blutige Spur aus Mord und Gewalt hinter
sich herzieht. An einer dieser Tankstellen trifft sie die ebenso verlorene, einsame und naive Kassiererin Miriam, bei der Eunice' Verwirrtheit ein großes Mitgefühl entfacht und die nun versucht ihr zu helfen. Sie nimmt sie mit zu sich und die beiden Frauen verbringen die Nacht miteinander. Als Eunice am nächsten Morgen  ziellos weiterzieht folgt ihr Miriam in der verzweifelten Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung. Immer tiefer wird der Strudel aus Wahnsinn und Gewalt in den Miriam mit Eunice driftet und aus dem es keine Erlösung mehr gibt. Dabei sind die Opfer der beiden Frauen ebenso einsame
und verlorene Seelen, wie sie selbst.

"Butterfly Kiss" direkt als Liebesfilm zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Ich bin mir nicht schlüssig, wie dieser Film einzuordnen ist. In aller
erster Linie ist "Butterfly Kiss" allerdings ein Drama, denn das hier gezeigte schmerzt den Zuschauer zutiefst. Die Grundstimmung des Films ist eine unglaublich düstere, hoffnungslose. Die tristen Bilder, die nordenglische Autobahn, der stete Verkehr, ruhelose Seelen auf dem Weg durch eine karge Landschaft machen die tiefe Verzweiflung der Hauptfiguren spürbar.
Die ganze Geschichte wird in einer Art Verhör von Miriam erzählt, die mit entrücktem Lächeln und verträumtem Blick dem Zuschauer gegenüber sitzt.
Es drängt sich von Anfang an die Gewissheit auf, wie chancenlos ein Happy End in dieser Geschichte ist. Im Kontrast dazu steht der Soundtrack mit bittersüßen Songs der Cranberries, die die Stimmung des Films perfekt
unterstreichen.
Die beiden Hauptdarstellerinnen Amanda Plummer als Eunice und Saskia Reeves als Miriam agieren wahnsinnig überzeugend, machen die Zerrissenheit bzw. den Wahnsinn ihrer Figuren förmlich spürbar. Vorallem Charakterkopf Amanda Plummer spielt ihre Rolle genial und macht Eunice auf fiebrige Art und Weise extrem furcheinflössend und unberechenbar.

Fazit:
Michael Winterbottom's Kinodebut "Butterfly Kiss" erzählt in tristen Bildern eine schmerzhafte Geschichte von der Suche nach Liebe. Eine fiebrig-deprimierende Odyssee an den Rand der Gesellschaft, in die Abgründe der menschlichen Seele. Eine Geschichte von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.

Nichts für einen gemütlichen Abend, sondern ein Film, der ernsthaft schmerzt und ein unangenehmes, bedrückendes Gefühl hinterlässt auf das man als Zuschauer gefasst sein sollte.

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