Feuerballerei mit Swing
„My name is Drummond, Bulldog Drummond!" Klingt nicht so geschmeidig wie das Bond-Pendant, passt aber ansonsten bestens. Der findige Privatdetektiv verfügt über dieselben Attribute wie sein MI6-Kollege als da wären: Militärvergangenheit, Scharfsinn, Kampfgeist, Wortwitz, Lässigkeit und eine ausgeprägte Vorliebe für alles teure und schöne. Das weibliche Geschlecht liegt ihm selbstredend zu Füßen, die Gegner tritt er gern damit. Auch Drummonds Ursprung ist literarischer Natur, zwischen 1920 und 1954 trat er in knapp 20 Bestseller-Romanen auf und war unverkennbar eines der Vorbilder für Ian Flemings Superagent James Bond.
Natürlich war ein solch schmissiger Draufgänger für die Filmindustrie ein gefundenes Fressen, aber trotz zahlreicher Leinwandadaptionen brachte es der gute Bulldog nie zu vergleichbarem Weltruhm wie sein Fleming-Clon. 1951 war erst mal Schluss mit dem Kino-Drummond, bis, ja bis sich die Situation für diesen ganz speziellen Charakter schlagartig änderte. „Dr. No" war nicht nur der Startschuss für eine der, wenn nicht die langlebigste und erfolgreichste Serie der Filmgeschichte, sondern auch der Beginn einer wahren Flut von Agenten- und Spionageabenteuern, die allesamt das große Vorbild zu kopieren versuchten. Wer, wenn nicht Drummond durfte da keinesfalls fehlen.
„Heiße Katzen", oder im Original „Deadlier Than the Male", atmet die Bond-DNA aus jeder Pore, vor ein paar Jahren noch hätte man ob solch dreister Kopiererei entrüstet „Plagiat" geschrien, heute würde man das wesentlich abgeklärter schlicht „Spin off" taufen. Ohne Zweifel surft der Film prominent auf der „Eurospy"-Welle, die zwischen 1964 und 1968 weltweit die Kinos flutete. Das tut er allerdings mit so viel Schwung, Verve und Liebe zum großen Original, dass er doch recht deutlich aus den Fluten der vornehmlich in Italien, Spanien und Frankreich gefertigten Konkurrenz auftaucht.
„Deadlier Than the Male" mag ein Trend-Produkt sein, aber eines mit einer gewissen Expertise. Die britische Produktion drehte nicht nur in Bonds Pinewood-Wohnzimmer, sondern hatte mit Ralph Thomas auch einen in Sachen Serienhelden beschlagenen Lotsen an Bord. Seine überaus erfolgreichen Doktor-Filme (1954-1963) machten nicht nur Dirk Bogarde zum Star, sondern prägten bereits einen vor allem auf Witz und Tempo bauenden Regiestiel, der auch bestens zum Drummond-Kosmos passen sollte.
Und der wurde flugs ins Bond-Universum integriert. Die ohnehin fiktive Filmhandlung spielte nun in den 1960er Jahren, so dass man auch popkulturell auf der Höhe der Zeit agieren konnte. Eine deutliche Brise Swinging Sixties ist nicht nur in Sachen Ausstattung, Mode und Settings das schwungvolle Resultat, sondern bestimmt auch den Ton bei Dialogen, Figuren und Atmosphäre. Der eigentliche Plot ist dann auch passenderweise ziemlich over the top und nimmt sich selbst zu keiner Sekunde ernst.
Grob geht es um einen größenwahnsinnigen Wirtschaftsmagnaten (Nigel Green), der mit Hilfe umwerfend attraktiver Auftragskillerinnen sein Imperium nach und nach erweitert. Soll heißen, unliebsame Konkurrenz oder störrische Vertragspartner werden von den versierten Damen flugs so stilvoll wie effizient aus dem Weg geräumt. Versicherungsagent Hugh „Bulldog" Drummond (Richard Johnson) wird schließlich auf die tödlichen Miezen angesetzt, womit der ausgebuffte Lebemann mal wieder das Gefährliche mit dem Angenehmen verbinden kann ...
Sowohl der deutsche wie auch der Originaltitel beziehen sich klar auf das weibliche Killerkommando des Superschurken Carl Peterson und das absolut zu recht. Die beiden Schönheiten Irma Eckman (Elke Sommer) und Penelope Sylvia Koscina) würden auch jeden Bond-Film veredeln und das nicht nur optisch. Die Mischung aus eiskalter Effizienz, pfiffiger (Tötungs-)Ideen und lasziver Ausstrahlung ist hoch explosiv und lässt berühmte Henchwomen wie Fiona Volpe („Thunderball", 1965) oder Helga Brandt („You only live twice", 1967) einigermaßen blass aussehen. Trotz ihrer Profession verfolgt man das Treiben der beiden eher amüsiert denn schockiert, was viel mit dem parodistischen Unterton des Films zu tun hat, den vor allem die komödiantisch begabtere Elke Sommer perfekt trifft. Beide harmonieren auch prächtig mit Leading Man Richard Johnson, der seinen Superhelden-Charakter als unverhohlene Bond-Interpretation anlegt und mit ordentlich Selbstironie würzt.
Ein interessantes Bonmot ist in diesem Zusammenhang, dass „Dr. No"-Regisseur Terence Young eigentlich Johnson für die Bond-Rolle favorisiert hatte, der aber aus Vertragsgründen absagen musste und Sean Connery dafür einsprang. In „Heiße Katzen" zieht Johnson vielleicht auch deshalb sämtliche Bond-Register, so als wolle er zeigen, „Seht mal her, was für ein toller Bond ich gewesen wäre". Seine betont launige Vorstellung nimmt allerdings eher Roger Moores Ansatz vorweg und hat nur wenig von Connerys animalischer Präsenz. Andererseits zeigte der im selben Jahr (1967, „Diamonds are forever") dann ebenfalls ein erstaunliches Maß an Selbstironie.
Auch sonst kommt die Bond-Hommage im Breitwandformat und leuchtendem Cinemascope daher. Ständig wähnt man sich in einer Nebenhandlung von „Thunderball", an den sich Film am offensichtlichsten anlehnt. Mordende Bikini-Schönheiten, schnittige Jachten, tödliche Harpunen, technische Gimmicks, ein jovialer wie großspuriger Superschurke a la Blofeld sowie Londoner Club-Chic und mondäne Jet Set-Locations, alles ist da. Visuell ist das eine, aber nur mit der entsprechenden Audio-Keule ist die Hommage perfekt, also gibt es zwischendurch immer mal wieder ein paar mehr oder weniger versteckte John Barry-Gedächntnistakte zu entdecken. Und damit da ja keine Zweifel aufkommen, eröffnet der Film mit einem krachigen Intro der seinerzeit angesagten Walker Brothers, deren Titelsong „Deadlier Than the Men" in bester Tom Jones-Manier aus den Lautsprechern dröhnt.
Popkultur-Papst Quentin Tarantino soll die heißen Katzen ja angeblich zu seinen ausgesuchten Lieblingsfilmen zählen. Sollte es so sein, kann man sich zweifellos schlechtere Referenzen vorstellen. Stimmig wäre eine solche Schwärmerei allemal, die Liebe zu Zeitgeist, Musik und Filmkunst der 1960er ist nun wirklich kein Geheimnis. Und „Deadlier than the Male" trägt seine 60s Herkunft wie ein Banner vor sich her, das mehr als nur ein Hauch Exploitation stramm im Wind hält. Vor allem aber handelt es sich hier um ein cooles Stück Unterhaltungskintopp, das sein großes Vorbild 007 nicht einfach nur anhimmelt, oder konturlos kopiert, sondern aus XXL-Boxen eine spritzige Hommage raushaut, die nie von der perfekt abgestimmten Begleitmusik aus Parodie und Ironie übertönt wird. Darauf einen doppelten Vodka Martini. Cheers.