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Vier Jahre nach seiner warmherzigen Komödie „Nobody’s Fool“ drehte Regisseur und Robert Benton den Noirkrimi, erneut mit Starbesetzung und mit identischem Hauptdarsteller.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist die, dass auch hier der Protagonist ein gewitzter Kerl ist, der sich nicht so einfach unterkriegen lässt. Das ist auch vorteilhaft für einen Privatdetektiv und Ex-Cop wie Harry Ross (Paul Newman), der auch nicht mehr der Jüngste ist. So kann er die jugendliche Ausreißerin Mel Ames (Reese Witherspoon) und deren Lover Jeff Willis (Liev Schreiber) zwar aufspüren, Mel für die Rückführung bereit machen und Jeff in Schach halten, doch schließlich kann Mel Harrys Waffe greifen und Harry eine Wunde im Unterleib zufügen.
Zwei Jahre später wohnt Harry bei dem Ehepaar Jack (Gene Hackman) und Catherine (Susan Sarandon) im Gästehaus beim Pool – Mels Eltern, wie man kurz darauf feststellt. In Noir-Tradition ein Paar Hollywoodgrößen vergangener Tage, die noch einiges auf der hohen Kante haben. Jack bittet Harry, der inzwischen eigentlich aus dem Schnüffelgeschäft ausgestiegen ist, um einen Gefallen, der ihn zurück ins kriminelle Milieu führt – er soll einen Umschlag abliefern, dessen Inhalt er unschwer als Schweigegeld für eine Erpressung identifiziert. Doch am Treffpunkt angekommen, trifft Harry auf den tödlich verletzten und ausgesprochen aggressiven Ex-Cop Lester Ivar (M. Emmett Walsh), der alsbald sein Leben aushaucht.

Auch wenn Harry natürlich von allen Seiten genretypisch angeraten wird die Sache auf sich beruhen zu lassen, so beginnt er dennoch zu ermitteln und seine alten Polizeikontaktespielen zu lassen. Bald kommt er einem Geheimnis in Jacks und Catherines Vergangenheit auf die Spur…
Wobei der einigermaßen genreerfahrene Zuschauer recht schnell erahnt wohin die Reise erzählerisch gehen wird. „Im Zwielicht“ ist kein Noir-Thriller, er ist ein Noirkrimi, einer, der das Tempo nicht allzu stark anzieht. Dabei baut Benton einen überschaubaren Kreis der Verdächtigen auf, der zwar einigermaßen zum Mitraten animiert und im Laufe der Ermittlungen ausgedünnt wird. Jedoch erahnt man ab der Hälfte schon ungefähr wer wohl in wessen Auftrag hier mörderisches Handwerk verrichtet haben könnte und zu welchem Zweck, sodass die Spannung von „Im Zwielicht“ auf überschaubarem Niveau bleibt.
Vielmehr geht es Benton hier um seine Figuren, die fast allesamt Verlierer sind. Mel ist eine Rebellin ohne Grund, während die Älteren fast alle ihre besten Tage hinter sich haben, in seltsam ambivalenten Beziehungen zueinander leben und unguten Obsessionen nachhängen. Eine Wunscherfüllung ist oft nur von kurzer Dauer und Liebende sind in diesem Kosmos dazu verdammt sich entweder durch Tod oder Vertrauensbruch voneinander zu entfernen. So kommt die noirig-schwarze Stimmung in den Film, selbst während der zahlreichen Tagesszenen.

Natürlich ist „Im Zwielicht“ auch ein Film über das Altern und seine Genre. Mit Hackman und Newman sind bereits zwei Darsteller an Bord, die in den bekannten Neo-Noirs „Die heiße Spur“ und „Ein Fall für Harper“ Detektive gaben, aber nun weit weniger souverän als dereinst erscheinen, gezeichnet von traumatischen Erlebnissen. Catherine hat etwas von einer Femme Fatale, während Mel trotz ihrer Anziehung auf Kerle wie Jeff nie verrucht oder gefährlich erscheint. Sie ist eine Kommentatorin des Geschehens, die aber trotz ihrer Weitsicht nicht daraus entkommen kann.
Was Bentons Film dabei ungemein hilft, ist das Casting: Paul Newman als alternder romantischer Held, Gene Hackman als möglicherweise zwielichtiger Gönner und Susan Sarandon als von beiden begehrte Frau, das ist natürlich ein darstellerisches Pfund, zu dem sich mit James Garner ein weiterer Altstar dazu gesellt. Doch auch mit dem Casting von Reese Witherspoon und Liev Schreiber bewies Benton ein sicheres Händchen, sollten sich die beiden doch in der Folgezeit nicht nur zu Nachwuchsstars, sondern auch gestandenen Schauspielern entwickeln. In weiteren Rollen mischen der noir-erfahrene M. Emmett Walsh (vor allem in „Blood Simple“), Giancarlo Esposito und Margo Martindale mit und wissen Akzente zu setzen.

Insofern ist „Im Zwielicht“ ein durchaus stark gespielter und atmosphärischer Neo-Noir über das Altern und vergangene Schuld, jedoch etwas suboptimal in einen manchmal etwas zu langsamen, teilweise einfach zu durchschauenden Krimi. Nett, aber mit Potential nach oben.

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