Review

Just hat man mit „Sole Survivor / Nur Tote überleben“ eine kleine Perle entdeckt, wird schon munter vermeldet, das sei ein Remake eines australischen Films namens „Survivor“ gewesen, der nur zwei Jahre vorher gedreht worden war.
Dank Tante Internet ist der freundlicherweise sogar auf deutsch verfügbar, also gleich mal reinschnuppern!

Und um das gleich mal klarzustellen: nein, es ist nicht der Originalfilm und „Sole Survivor“ ist kein Remake!

Natürlich gibt es da eine gewisse Parallele in der Handlung, doch die besteht eigentlich nur aus dem Element, dass es in beiden Filmen bei einem Flugzeugabsturz jeweils nur eine/n Überlebende/n gibt. Damit hat es sich dann auch praktisch schon.
War es im anderen Film eine Passagierin, so ist es hier der Pilot höchstpersönlich, der fast unversehrt aus dem flammenden Inferno schreitet, was in der Folge gerade bei der Untersuchungskommission natürlich einiges an Fragen aufwirft. Auch hier rennt im Film eine hellsichtige Person herum, die das Unglück kommen sieht und auch hier scheinen die Toten oder irgendwelche Geister sich plötzlich an (sehr beliebig gewählten) Lebenden rächen zu wollen, aber alles steht in ganz anderen Zusammenhängen als in Thom Eberhardts Film.

Während „Nur Tote überleben“ nämlich die Verfilmung eines Originalskripts mit Anklängen aus „Tanz der toten Seelen“ ist, stellt „Survivor“ von 1981 eine Adaption des gleichnamigen Romans von James Herbert dar (in Deutschland unter dem komplett bekloppten Titel „Todeskralle“ veröffentlicht).

So sehr ich die Bücher Herberts mag, eine definitiv gute Adaption hat es noch nicht gegeben und auch „Survivor“ ist keine davon. (Der ansatzweise beste Film eines Romans von Herbert dürfte „Haunted – Haus der Geister“ sein, wobei von seinen über 20 Büchern bisher so gut wie keine Adaptionen vorkamen.)
Der Film war so eine Art australische Prestigeproduktion, der erste Film auf dem Kontinent, der über eine Million kostete und er wurde bereits hartnäckig beworben und verkauft, noch eher er fertig gedreht worden war.

Da man international Kasse machen wollte, bemühte man sich sichtlich um internationale Stars, doch Restriktionen innerhalb des Landes machten es unmöglich, all diejenigen spielen zu lassen, die man für die Hauptrollen eingeplant hatte. Am Ende blieben mit Robert Powell, Jenny Agutter und Joseph Cotten (in seiner allerletzten Kinofilmrolle, praktisch ein unwichtiges längeres Cameo), die die Besetzungsliste anführten, aber offenbar konzentrierte man sich sowieso lieber auf die Schauwerte: den Absturz zu Beginn des Films (nicht übermäßig spektakulär, aber mit kleinen Mitteln sehr gut getrickst) und in der Folge das Handling des monumentalen Wracks.
Daneben hat der Film nur relativ wenig zu bieten: Powell wirkt die meiste Zeit enorm abwesend, während Agutter als „psychic“ erst einmal ihn und seine Visionen vom Übernatürlichen überzeugen muss. Irgendwann, plötzlich und in Blockform präsentiert, fangen die Toten dann überraschend an, sich an den Einwohnern der Gegend zu rächen, bis das alles in einem recht abstrusen Finale mündet, bei dem der wahre Schuldige enthüllt wird.

Mag sein, dass der Roman eh nicht zu Herberts besten Werken gehört (immerhin ist er recht atmosphärisch in Buchform), der Film wertet ihn jedenfalls nicht auf. Die Dramaturgie ist statisch, es gibt keine Spannung, keine rechte Steigerung und eigentlich keinerlei Sympathiefaktor für die Protagonisten. Was am Ende geschieht, wenn es dem Bad Guy an den Kragen geht, erscheint unverständlich und die finale Pointe, die seit „The Twilight Zone“ mit steter Beliebtheit verwandt wird, macht den Kohl nicht mehr fett.

Es ist nicht recht zu klären, ob das Stückwerk, das David Hemmings da schließlich abgeliefert hat, durch ein Schnittinferno entstellt wurde oder nur aufgrund der rumpeligen Produktionsgeschichte so uneben wirkt, aber da Hemmings (ein gefeierter Darsteller, bspw aus Antonionis „Blow Up“) als Regisseur meistens eh nur TV-Ware drehte, war sowieso kein Meisterwerk zu erwarten.

„The Survivor“ (den Herbert ablehnte) ist kein komplett schlechter Film, aber als Mystery ist er zu unentschieden und als Horror zu zahnlos, wobei die Story für nicht mal 100 Minuten geradezu aufgeblasen wirkt. Kurios sicher, für Freunde der Ozploitation interessant, aber sonst nur 5/10.

Details
Ähnliche Filme