Review

Überzeugender zweiter Teil der „Dirty Harry“-Saga, der allerdings etwas sehr unglaubwürdig versucht die Gewaltvorwürfe gegen den ersten Teil zu entkräften.
Harry Calahan (Clint Eastwood) hatte ja am Ende des ersten Teils die Polizeimarke weggeworfen, doch das hilft nichts und so ist er in der Fortsetzung wieder so im Dienst wie das Publikum in sehen will: Ungehobelt, hart und cool wie ein Eisblock. Da kommt schnell das alte „Dirty Harry“-Flair auf, wenn die Kollegen wetten, wie lange der neue Partner es mut Calahan aushält, Harry sich mit seinem unfähigen Chef streitet, nebenbei eine Flugzeugentführung vereitelt usw.
Doch wie üblich sieht es in San Francisco nicht gerade rosig aus, was die Kriminalitätsrate in San Francisco angeht. Immer wieder entgehen Schwerkriminelle ihrer Strafe durch windige Anwälte oder werden wegen Verfahrensfehlern laufengelassen. Doch eine kleine Gruppe Polizisten nimmt das Gesetz selbst in die Hand: Sie halten die Verbrecher unter Vorspiegelung einer einfachen Kontrolle an und exekutieren sie dann. Ein ähnliches Verhalten wie Harrys also, nur nicht mehr legal im Gegensatz zu den meisten Tötungen durch Calahan.

Harry ist an sich strafversetzt, zeigt aber privates Interesse an der Exekutionswelle. Anfangs will man ihm den Fall nicht übertragen, aber als es immer mehr Opfer und keine Hinweise auf die Täter gibt, setzt man Harry auf die Sache an…
„Calahan“ versucht weniger rechts als der Vorgänger daherzukommen und grenzt Harrys drastische Aktionen gegen die Exekutionen der Killertruppe ab: Harry tötet meist in Notwehr und berechtigt, während die Morde klar illegal sind, was Harry verurteilt, obwohl die Opfer Schwerverbrecher sind. Wirkt allerdings nicht immer ganz so überzeugend, denn auch „Calahan“ punktet mit dem „Dirty Harry“-Flair und das resultiert natürlich aus der unnachgiebigen Ruppigkeit des Helden, den man dafür liebt, dass er das Gesetz nicht buchstabengetreu vertritt. So wirken die paar Moralappelle doch etwas deplaziert, aber als Actionreißer funktioniert auch „Calahan“ wunderbar.
Die Geschichte ist nämlich recht spannend, obwohl dem Zuschauer bereits zu Beginn enthüllt wird, dass Polizisten hinter der Sache stecken, während Harry dies erst viel später herausfindet. Zudem kann man sich schnell denken, wer wohl in den Uniformen steckt, lediglich gegen Ende gibt es eine kleine Überraschung, die man auch bei Genrekenntnis vorausahnen kann. Trotzdem besitzt auch Teil zwei der „Dirty Harry“-Saga wenig Längen und kann die dünne Story einigermaßen spannend verkaufen. Nebenhandlungen erweitern den Plot etwas, sind aber letztendlich nur Beiwerk, das den Helden geringfügig weiter charakterisiert.

Story und Atmosphäre stehen zwar etwas hinter dem Vorgänger zurück, aber in einem Punkt kann „Calahan“ das Original sogar ein wenig übertreffen und das ist die Action. Mal wieder wird ordentlich geschossen, geprügelt und verfolgt, was für das Entstehungsjahr ziemlich spektakulär daherkommt und die Menge ist sogar noch etwas höher als im Vorgänger. Dabei zelebriert auch „Calahan“ blutige Einschüsse und recht aufwendige Stunts; nur das Finale kommt ein wenig kurz daher und lässt den letzten richtigen Höhepunkt missen, doch insgesamt ist die Action wirklich gut geraten.
Garant für gute Unterhaltung ist natürlich auch Clint Eastwood, der seine Paraderolle mal wieder perfekt verkörpert und schauspielerisch genauso überzeugt wie im Vorgänger. Auch der Rest des Ensembles macht einen mehr als soliden Job, obwohl die meisten natürlich nicht an Eastwood heranreichen.

Alles in allem ist „Calahan“ sicherlich die beste „Dirty Harry“-Fortsetzung, die zwar nicht ganz so spannend wie der Vorgänger daherkommt und etwas weniger Tiefgang besitzt, aber mehr Action auffährt.

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