Als 1973 der zweite Teil der Dirty Harry Reihe in den Kinos kam, war es mit Ted Post nicht von ungefähr wieder ein altgediegener Westernregisseur, der sich verantwortlich zeichnete.Um die Figur des wortkargen, trockenhumorigen Einzelgängers Inspektor Harry Calahan auf Film zu bannen verlagerte man die Prärie wiederum geradewegs auf den Asphalt San Franciscos. Clint Eastwood spielte den einsamen Stadt-Cowboy wieder mit dem gleichen bissigen Sarkasmus und dem gleichen trockenen Witz mit dem er zwei Jahre zuvor schon die Dirty Harry Reihe eingeleitet hatte und die ihn schon in all seinen Western unsterblich werden ließen.In „Magnum Force“, wie der treffendere Originaltitel lautet, scheint Regisseur Ted Post jedoch eine besondere Mitteilung an das Publikum zu haben: Es geht hierbei um das Thema Selbstjustiz. Er will hier das Bild des „Rächers mit Polizeimarke“, das Dirty Harry offenbar vorschnell nach dem ersten Teil von der Allgemeinheit angeheftet wurde, so nicht stehen lassen. In „Magnum Force“ steht eine Gruppe junger Polizeibeamter im Mittelpunkt (u. a. David Soul als Officer John Davis vor seiner Serien-Rolle als Ken „Hutch“ Hutchinson in „Starsky & Hutch“), die solche organisierten Verbrecher konspirativ Hinrichten, die von der Justiz aus Mangel an Beweisen oder durch Verfahrensfehler nicht verurteilt werden konnten. Die jungen Polizisten bewundern Harry Calahan und seine Verdienste im Kampf gegen das Verbrechen. Und auch Calahan hat großen Respekt vor der Professionalität, wie die Jungs ihren Beruf ausüben, freilich noch nichts von deren zwielichtigen Treiben wissend.Ted Post will hier eine ganz klare Linie ziehen und sich und die Figur Dirty Harry - am ende gar Clint Eastwood selbst, gegen Selbstjustiz stellen. Nein - Calahan tritt diesen Todesengeln nicht bei. Im Gegenteil: Er nimmt die Spur auf und macht den Kopf dieser Bande dingfest, wobei er am Ende eine böse Überraschung erlebt. Dirty Harry als Kämpfer gegen Selbstjustiz. Ist das nicht zu verlogen? War es nicht Inspektor Harry Calahan höchstpersönlich, der im ersten Teil einem Kidnapper im Baseballstadion unter Folter das Versteck eines entführten Mädchens rauspresste? Ja – sicher, aber hier hatten wir es mit einem perversen Kinderschänder zu tun, der ein Mädchen in einem Erdloch quasi lebendig beerdigte. Die Zeit drängte, da die Luft knapp war und am ende wurde trotz allem ein totes Mädchen geborgen. Calahan hatte die Wahl einen Kinderschänder korrekt zu behandeln oder die Chance zu haben das Mädchen lebendig zu befreien. Ein immenser Unterschied wie ich finde. Übrigens ist es erst einige Jahre her, wo wir in Deutschland exakt diese Diskussion in der Öffentlichkeit hatten, als ein Millionärssohn lebendig in einem Erdloch verscharrt wurde und allen ernstes die Frage öffentlich diskutiert wurde, ob man den Täter eventuell anschreien, ja sogar Prügel androhen darf um das Opfer zu retten… Das Salz in der Suppe eines echten Dirty Harry Films sind dann aber immer die Nebenhandlungsstränge, in denen Calahan meist zufällig in brisante Situationen kommt, die er dann immer mit trockenem Humor und viel Coolnes meistert. In diesem Fall spielt er den verspätet eintreffenden Flugkapitän, als er ein von Terroristen gekapertes Flugzeug betritt. Als er ahnungslos, mit der Pistole am Kopf, im Cockpit sitzt und der Co-Pilot die besorgte Frage stellt: “Können Sie fliegen?“, antwortet er: „Ich hatte nie eine Flugstunde“. Die Bremsen hatte er dann schnell gefunden um dann die bereits rollende Maschine abrupt zu stoppen. Als die Polizei viel zu spät eintrifft hatte Dirty Harry längst die Lage unter Kontrolle.