Nur zwei Jahre nachdem Don Siegel und Clint Eastwood mit "Dirty Harry" einer der Klassiker des Cop Film Genres gelungen ist, macht sich Inspektor Callahan erneut auf um eine Mordserie aufzuklären. Dabei wird zwar die bedrückende extrem pessimistische Grundhaltung des ersten Teils entsprechend gelockert, aber noch immer gibt es hier keinen "Superhelden" zu bewundern, der ohne zu Zweifeln alles und jeden niedermäht.
War es im ersten Teil noch ein Verrückter, der San Fransisco mit seinen willkürlichen Morden in Atem hielt, sind die Hintergründe bei Teil 2 doch etwas tiefergehend und durchaus kritisch. Auch hier werden wieder auf offener Straße Menschen getötet, doch handelt es sich bei allen Opfern um wenig gesetzestreue Menschen. Inspektor Callahan hat derweil andere Probleme, die sich hauptsächliche auf interne Streitereien beziehen. Da er von der Mordkommission abgezogen wurde, auf Grund seines zu harten Vorgehens, lernt Callahan eine Gruppe junger Cops kennen, die ihn für seine Auffassung von Gerechtigkeit und seine fast schon an Selbstjustiz grenzende Vorgehensweise bewundern.
Natürlich wird Callahan nach einigen Reibereien mit seinem Vorgesetzten letztlich zurück geholt in die Mordkommission und muss dort recht bald feststellen, das die Spuren alle direkt zur Polizei führen und da ist es natürlich naheliegend das sich Harry besonders für die junge Truppe interessiert die ihn vergöttert.
Man kann dem Film sicherlich vorwerfen, dass er recht schnell die Täter verrät, was zum einen an der Story liegt, zum anderen aber auch daran wie einzelne Personen gezeigt werden, da schreit einem das Verhalten förmlich entgegen wer hier Dreck am Stecken hat. Trotzdem verliert der Film dadurch nichts an Spannung oder Atmosphäre. Das liegt sicherlich auch mit daran, das Callahan hier besser Charakterisiert wird als noch im ersten Teil, er wirkt einfach menschlicher, macht auch mal Fehler, hat sogar eine, wenn auch recht klein gehaltene, Affäre und muss letztlich erkennen das auch sein Verhalten die Täter zu ihren Taten animiert hat. Natürlich weigert er sich strickt dagegen als ihm selbst das Angebot gemacht wird, Teil der Gruppe zu sein, aber man kann im gesamten Film doch eine Tendenz erkennen die sich gegen die Selbstjustiz ausspricht, was nach dem ersten teil sicherlich verwundert. Auch die Tatsache das die Täter innerhalb der eigenen Reihen zu suchen sind zeigt das hier erfolgreich versucht wurde einen neuen Weg zu gehen.
Dazu kommt, das der Film gegenüber dem ersten Teil etliche Actionszenen mehr zu bieten hat, die allesamt realistisch gehalten sind und sich gut in die Story einbinden, nie aufgesetzt wirken. Inszeniert wurden diese Szenen spannend und durchweg recht blutig, so gibt es doch etliche blutige Einschüsse und auch sonst wird mit Gewalt nicht gespart. Daneben gibt es noch die obligatorischen Verfolgungsjagden die aber ebenso passend und stimmig wirken wie der Rest des Films.
San Fransisco bietet wieder einmal die perfekte Kulisse für einen Cop Film und wird dabei von Kameramann Frank Stanley in harten sonnendurchfluteten Bildern festgehalten.
Clint Eastwood spielt einmal mehr den harten, selbstgerechten und zynischen Cop Harry Callahan mit der ihm eigenen stoischen Ruhe und Gelassenheit. Das er hier zusätzlich noch die Möglichkeit bekommt der Figur etwas mehr Tiefe zu verleihen macht es nur noch interessanter ihm zu zusehen. Die Actionszenen meistert er ebenso souverän wie den Rest des Films und so zeigt er einmal mehr das ein perfekt gewählter Hauptdarsteller schon die halbe Miete ist. Das die anderen Darsteller neben ihm etwas verblassen und nur eine eher untergeordnete Rolle spielen ist da zu verkraften, zumal auch hier weitestgehend auf Klischees verzichtet wurde.
Somit ist "Dirty Harry 2" eine absolut würdige Fortsetzung des genialen ersten Teils, die sich durch tolle Actionszenen und eine kritische Story auszeichnet. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Fortsetzung, die zwar nicht die düstere Atmosphäre und den Zynismus dieser erreicht, aber trotz allem ein gradliniger, harter, spannender Cop-Film ist. Für Fans der Serie und Clint Eastwood dürfte der Film sowieso Pflicht sein, aber auch alle anderen die an dem Genre gefallen gefunden haben, dürfen mehr als einen Blick riskieren, denn enttäuscht wird man hier sicher nicht. 8 von 10 Punkten.