Review

Dirty Harry 2 macht genau so weiter, wie man es heutzutage von Fortsetzungen kennt: Größer, höher, gewaltiger, lauter.

Wieder einmal schlüpft Clint Eastwood in die Rolle des ruppigen Cops Harry Calahan und nimmt es diesmal mit einer Gruppe von Selbstjustizlern im Polizeiapparat auf. Mehr gibt es zur Story eigentlich kaum zu sagen, die Story fängt anfangs wie ein üblicher Who-Dunnit an, nur um dann umso spektakulärer zu einem für damalige Verhältnisse wuchtigen Actionkracher zu mutieren.

Der Film ist ungemein souverän inszeniert, hat eine krass aufpeitschende Musik, einen legendären Intro und setzt auch sonst Massstäbe im 1970er Action-Reisser-Kino.

Problematisch wird es, wenn man sich den Inhalt anschaut, denn dann kann man nicht umhin, tatsächlich gewisse faschistoide Züge wahrzunehmen, die üblich sind im Bereich des Selbstjustizreissers im Sinne der Fortsetzungen von Death Wish (den ersten Teil nehme ich mala ussen vor, da dieser doch ein wirklich intelligenter und diskussionswürdiger Film ist). Calahan ist ganz klar ein Shoot-First-Ask-Later-Charakter, der dann auch mal einfach so nebenbei eine Flugzeugentführung recht brutal auf eigene Faust vereitelt. Immer wieder scheint durch, dass er kein Problem mit Polizeibrutalität hat, so dass man auch lange im Unklaren bleibt, ob er denn die getätigten Aktionen nicht insgeheim doch irgendwie gut findet. Doch gleichzeitig wird dies immer wieder aufgebrochen, indem Harry als ein rechtschaffener Mensch dargestellt wird. Insofern ist der Film durchaus sich der Zweischneidigkeit seines Charakters bewußt und spielt und unterläuft die Erwartungen des Zuschauers ganz geschickt. Dazu trägt sicherlich das Drehbuch von Michael Cimino einen nicht zu verachtenden Beitrag. Und wenn am Ende ganz klar ist, wo Calahan steht, dann ist auch der Vorwurf der faschistischen Tendenzen fast vergessen.

Dennoch, Dirty Harry 2 ist deutlich spannender, effektgeladener, actionlastiger, bombastischer als der Vorgänger. Er ist auch deutlich fragwürdiger in seiner Kernaussage, die er dann aber immer noch relativiert. Also schon ein kleiner intelligenter Film.

Aber, und das ist das große ABER bei Fortsetzungen großartiger Filme: Es hätte dieser Fortsetzung nicht gebraucht, es hätte genauso gut ein Action-Thriller mit Clint Eastwood unter anderem Rollennamne sein können und der Film wäre genauso gut gewesen, denn der erste Film endet auf eine bittersüße, melancholische und gleichzeitig ziemlich finite Art die Karriere des Polizisten Calahan und es gibt zu dem Charakter eigentlich nichts mehr zu sagen. Das hier ist ein Rückschritt für den Charakter.

Dennoch, saustarker Beitrag der Reihe

8 Punkte

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