Harry Callahan aka "Dirty Harry", Chefinspektor beim San Francisco Police Department, ist immer noch Experte für die Fälle, die sonst niemand übernehmen will. So untersucht er nun mit seinem ihm neu zugeteilten Partner Early Smith den Mord an einem hochrangigen Mafioso, der gerade erst während eines Prozesses vom Gericht aufgrund einer rechtlichen Formalität freigesprochen und kurz darauf zusammen mit einigen seiner Männer in seinem Wagen förmlich hingerichtet wurde. Als es in der Folgezeit zu weiteren Morden an stadtbekannten Kriminellen kommt, die allesamt nach demselben Muster ablaufen, kommt Harry der Gedanke, dass es sich bei dem Täter um einen Cop handeln muss. Und tatsächlich: Unter der Aufsicht seines Abteilungs-Leiters Lieutenant Briggs fungieren einige junge Motorrad-Polizisten als Todes-Schwadron, die auf eigene Faust für Recht und Ordnung sorgt und den kriminellen Abschaum beseitigt. Als Callahan sich weigert, sich den Killer-Cops anzuschließen, steht er selbst auch auf der Abschussliste... Um der Kontroverse, die Don Siegels 1971er-Klassiker "Dirty Harry" ob seiner Liebäugelei mit den positiven Aspekten der Selbstjustiz ausgelöst hatte (und bei dem das Publikum zur Gänze auf die Seite von Clint Eastwoods Titel-Bullen gehalten wurde, der als alleinige moralische Instanz ergo Schalten und Walten konnte, wie er wollte, ohne befürchten zu müssen, dass ihm da die Zuschauer-Sympathien flöten gehen) ein wenig entgegenzuwirken und die verbreitete Ideologie abzumildern, hat man einem Harry Callahan (dessen Namen man trotz Titel-Fauxpas immer noch mit zwei "L" schreibt!) in dieser vorliegenden Fortsetzung ein paar noch wesentlich schlimmere Bullen als Gegenspieler gegenübergestellt, gegen die er im direkten Vergleich schon wieder wie der reinste Saubermann wirkt. Dadurch, dass die Figuren nun in wesentlich simplerem Schwarzweiß gezeichnet sind und insbesondere bei Callahan selbst die Grautöne dabei nun weitestgehend unter den Teppich gekehrt werden, beraubt sich der Streifen irgendwie aber auch der größten Stärke des Vorgängers und dass man dessen ambivalenten Schluss hier quasi völlig ignoriert und "Dirty Harry" nun einfach wieder Polizei-Dienst verrichten lässt, als wäre nichts gewesen, spricht auch Bände. Der Hauptaugenmerk des Skripts aus der Feder von John Milius und Michael Cimino liegt da - neben der üblichen Law-and-Order-Masche - nun auf der Aneinanderreihung von Situationen und Set-Pieces, in denen Eastwood seinem markigen Image gerecht werden und in typischer Hollywood-Manier den (nun nicht mehr ganz so Anti-)Helden geben darf... und seine Performance ist dann auch eindeutig das Beste an diesem Sequel, das zwar immer noch mit recht solider Action vollgepackt ist (in einer Sequenz darf "Dirty Harry" etwa einen Überfall auf einen Supermarkt vereiteln und Kaugummi kauend das kriminelle Gesocks wegballern, das macht Laune!) und darum natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert vorweisen kann, den Tiefgang des des ersten Films allerdings vollkommen vermissen lässt. Der Reiz hätte hier darin gelegen, die Diskrepanz zwischen dem Selbstverständnis eines Harry Callahan, für den der Griff zur 44er Magnum immer die erste Option ist, und den noch wesentlich rabiateren Methoden seiner quasi-faschistoiden Kollegen genauer auszuarbeiten, was allerdings nie wirklich zufriedenstellend thematisiert wird (eine kurze Dialog-Szene zwischen Eastwood und Holbrook hat da wirklich nur Alibi-Funktion). Schade, Chance vertan! Zumindest inszenatorisch ist Regisseur Ted Post aber doch recht nah am Original und gibt sich auch alle Mühe, Don Siegels Stil passgenau nachzuahmen, aber vergleichbar zupackend ist das Ganze nie... auch nicht in seinen brutaleren Momenten, von denen es dann doch ein paar gibt, denn um die Exekutionen wird nicht drumherumgefilmt. Ein echter Fehler war es auch, keinen ähnlich hassenswerten Bösewicht vom Format eines Scorpio mehr parat zu haben, stattdessen klafft da über weite Strecken eine tiefe Lücke im Film, denn das Drehbuch versucht einem die Entlarvung von Briggs als Bad Guy zum Ende hin doch tatsächlich als Überraschung zu verkaufen. Dem Erfolg an der Kino-Kasse hat das alles aber natürlich keinen Abbruch getan und "Calahan" war dann auch allemal ausreichend, um die Reihe auf Kurs zu halten. Trotzdem: "Dirty Harry" war schlicht der bessere, dreckigere und aussagekräftigere Film...
6/10