Ja Hallo erstmal. Ich weiß gar nicht, ob Sie es schon wußten, aber auch die Italiener hatten Teil an dieser unglaublichen Welle an Monsterfilmen in den 50er Jahren, wenngleich hier zu einem recht späten Zeitpunkt, wo der Blob schon ziemlich gelutscht war. Cineasten wird erfreuen, daß Regisseur Riccardo Freda seinen Platz für seinen Freund Mario Bava geräumt hat. Mancherorts spricht man von 70% der Dreharbeiten, die noch auf sein Konto gingen. Bestätigt scheint dies aber nicht.
Übrigens ändert dies auch nichts an der Tatsache, daß Caltiki - Rätsel des Grauens die ausgetretenen Fettnäpfchen des Genres ebenso wenig verfehlt, wie der Film brav entlang der konventionellen Pfade wandelt. Zumeist jedenfalls.
Erquickend ist dem Genre-Fan hingegen die erwachsenere Umsetzung dieser Unterkategorie, in der ein unförmiger Balg die eigentliche Hauptrolle übernimmt. Gut, es bedarf sicher etwas kindlicher Naivität, zu glauben, daß ein wabernder Haufen namens Caltiki mit dem ungefähren Aussehen einer Anzahl geschmolzener Autorreifen die von Seifenschaum überzogen sind, erregt von der radioaktiven Strahlung eines vorbeiziehenden Himmelskörpers seinerzeit die Maya dahin gerafft hat. Aber das ist ja dann auch der Käse, der nach wohliger Reife heute seines edel angesetzten Schimmels wegen verzehrt wird.
Wie sich der aufmerksame Leser und Zuschauer an dieser Stelle schon gedacht haben wird, stößt in Caltiki - Rätsel des Grauens natürlich eine in Mexiko befindliche Expedition auf just eben jene Gestalt, als man um die Aufklärung des mysteriösen Verschwindens eines ganzen Volkes, der Maya, bemüht ist. An dieser Stelle kommt gar ein Stilmittel zum Einsatz, welches belegt, daß Blair Witch Project tatsächlich nicht von Cannibal Holocaust gestohlen hat. Nein, bereits hier gab es ein aufgefundenes Kameraequipment anhand deren Aufnahmen die Spur eines schrecklichen Ereignisses aufgenommen werden kann.
Caltiki - Rätsel des Grauens zaudert nicht lange damit, den wahren Schauer dieser undefinierbaren Masse des Schreckens zu offenbaren. Der Film richtet sich dadurch an ein erwachseneres Publikum, daß sein Monster nicht wahllos kreischende Teenager schnuckelt. Nein, hier wird relativ schnell zugepackt und das Opfer dann sichtbar bis auf die Knochen zersetzt.
Mit einem Verletzten und einer Probe der Gestalt im Gepäck geht es weiter in der Stadt, wo ohne Frage der obligatorische Füller auf Nachforschungen und extrem sinnlose, wissenschaftliche Gespräche ausfällt. Untermalt von Kulissen aus wahllos angeordneten Lämpchen kommt man zu der Erkenntnis, es mit einem gut 20 Millionen Jahre alten Organismus zu tun zu haben, dessen Ausbildung unmittelbar mit besagtem Himmelskörper in Verbindung stehen muß. Nicht ohne Grund fällt dessen Erscheinungsfrequenz in den Zeitraum des verschwundenen Mayavolkes. Da schließt sich der Kreis.
Aufgepaßt? Genau, es befindet sich ja noch die Probe im Besitz eines Forschers. Bedroht sind Frau und Kind, also Identifikationsfiguren, die sich abermals eher an ein erwachsenes Publikum richten müßten, wäre da nicht der infantile Spaß von flammenspuckenden Spielzeugpanzern in einer Modellbaukulisse, in dem Caltiki - Rätsel des Grauens seinen Höhepunkt findet. Selten übrigens hat man deren Einsatz so dramatisch inszeniert vorgefunden, was man augenzwinkernd dann ja vielleicht tatsächlich dem Maestro Bava zu verdanken hat.
Ohne Frage stoßen die bummelig 73 Minuten von Caltiki - Rätsel des Grauens an die Grenzen dessen, was man mit offensichtlich niedrigem Budget aus so eine Stoff machen kann. Obschon meist semi-originell, begeistert die erstaunlich seriös-liebevolle Präsentation, die solch tolldreist generierter Kokolores zur späten Stunde im Curriculum Vitae des Monsterfilms noch erfahren kann. Ein erfreulicher Spagat zwischen abenteuerlicher Kulisse, niedlichen Miniaturen und im schwarz/weißen Bild annähernd widerlichen Schockeffekten, den sich Fans keinesfalls entgehen lassen sollten. Die relative Dunkelheit aktueller Filmkopien steigert nur noch die mysteriöse Erscheinung.