Kaum zu glauben, dass es in den 80ern für Callahan noch ein Comeback gab. Sieben Jahre nach dem durchwachsenden „Enforcer" übernahm Eastwood in „Sudden Impact" gleich selbst das Regiezepter und fabrizierter mit frischem Wind einen gelungenen Krimi mit zugegebenermaßen recht hartem Tobak. Aber Atmosphäre und auch Spannung wurden wieder eingefangen und konnten den Zuschauer durchaus fesseln.
Die Besetzung mit Sondra Locke in der Hauptrolle des mordenden Racheengels Jennifer überrascht dabei wenig, war sie doch an der Seite Eastwoods bis dato bereits in einigen Rollen zu sehen gewesen und zu der Zeit auch im wirklichen Leben seine Partnerin. Ein Fan von ihr werde ich allerdings kaum noch werden, kommt sie doch fast immer recht farb- und emotionslos rüber, in diesem Film wird es allerdings dem Filmcharakter geschuldet sein, was soll man sonst auch von einer Frau erwarten, die in der Jugend von mehreren Männern an einem Abend vergewaltigt wurde?
„Sudden Impact" ist trotz der reißerischen Rachestory - und die Inszenierung mittels zur Schau gezeigter Hinrichtungen mit Schuss in die Familienjuwelen der Peiniger ist nichts für schwache Nerven - ein stimmiger Film mit Krimiflair, denn die parallel geführten Ermittlungen von Callahan in einem beschaulichen Ort nahe der Küste sind als zweiter Handlungsstrang gekonnt mit ersterem verwoben worden. Auch wenn der Zuschauer bereits so ziemlich im Bilde ist, macht es Spaß, Harry bei der Arbeit zuzuschauen. Die maritime Idylle des Schauplatzes bildet zudem einen gelungenen Gegensatz zu dem düsteren Filmthema. Dass es im Finale auf dem Rummelplatz zum gewohnten Showdown kommt, ist dem Zuschauer schon vorher klar, der Ausgang natürlich auch. Callahan ist wieder in seinem Element, und so will das Publikum ihn auch sehen.
Fazit: Dirty Harry kommt zurück, und das nicht mal schlecht. Zwar mehr Reißer als Krimi, aber die Mischung macht's.