Review

"On Sudden Impact I recall commenting to Clint about something in the decor of my character’s house. I felt it was out of character for her, and reflected a different sort of person. His response to me was, “If they’re [the audience is] looking at that, they are not following the movie.” To him, it was entirely unimportant. I disagree completely. To me – and perhaps this was another early sign of the director in me – a film is as good as EVERY detail put onto the screen. Like a painting, each and every detail adds up to create the total impression. Sometimes a thing works subliminally, but I believe it is all a solid and important part of the experience."

~ Sondra Locke

Nach einer längeren Pause die Rückkehr zur Dirty Harry - Figur, mit der wahrscheinlich ungewöhnlichste Beitrag auch, wieder wie auch zuvor und danach ein Kommentar zum Vigilantismus, zur Selbstjustiz, diesmal aus einer anderen Sichtweise und einem anderen Schwerpunkt auch, aus dem Blickwinkel einer gänzlich anderen Figur, einer weiteren weiblichen Rolle, die mit den hauptsächlichen Fokus übernimmt. Quasi auch das Gegenstück zu Der Mann, der niemals aufgibt (1977), und vor allem auch eine Reaktion zur Ein Mann sieht rot - Reihe, die kurz zuvor auch nochmal an Fahrt aufnahm und dort Charles Bronson endgültig auf die Persona festlegte:

Im Jahr 1973 werden die Künstlerin Jennifer Spencer [ Sondra Locke ] und ihre Schwester Beth [ Lisa Britt ] von einer Gruppe vergewaltigt; der Angriff versetzt Beth in einen katatonischen Zustand. Zehn Jahre später tötet Spencer George Wilburn [ Michael Maurer ], einen der Vergewaltiger, in San Francisco und kehrt in ihre (fiktive) Heimatstadt San Paulo zurück, um nach den verbliebenen Verbrechern zu suchen. Währenddessen wird Inspector Harry Callahan [ Clint Eastwood ] zufällig auf 'Urlaub' in die Küstenstadt geschickt, um ihn vor den Schergen von Gangsterboss Threlkis [ Michael V. Gazzo ] in Sicherheit zu bringen.

Eastwood selber musste den Film nicht aus kommerziellen Gründen machen, im Original besteht auch jeweils kein Hinweis im Titel auf eine Sequelisierung, kein Teil sonst wie, nur Sudden Impact genannt, wie zuvor ebenso The Enforcer (1976) oder Magnum Force (1973). Zudem war hier keine wirkliche kommerzielle Notwendigkeit ersichtlich, Eastwood war auch mit ungewöhnlichen Rollen wie in Bronco Billy (1980) oder Honkytonk Man (1982) durchaus erfolgreich an den Kinokassen gewesen, auch wenn beim Zweiten nur aufgrund eines wirklich geringen Budgets. Dirty Harry kommt zurück war gut 11x so teuer, hat aber natürlich ein gänzlich anderes Einspiel gehabt, er traf den Nerv der Zeit und hat seinem männlichen Hauptdarsteller reichlich Geld in die Bank gespült.

Wollen Sie heute Abend allein sein, Callahan? Ich auch nicht.

Hier auch als erste und einzige Regiearbeit von Eastwood für die Reihe, ab Mai 1983 in San Francisco als Dreharbeiten für eine Veröffentlichung im Dezember begonnen; entwickelt aus einem ursprünglich rein für Locke durch die Autoren Charles Bryant Pierce und Earl E. Smith geplanten Projekt, umgewandelt durch Genreautor Joseph Stinson, der u.a. an City Heat (1984) noch herumwerkelte und an Sie nannten ihn Stick (1985). Entstanden zu einer Zeit, wo die Kriminalisierung des Landes gefühlt oder realiter sehr hoch war, der Zuspruch der Zuschauer ebenso, ein Hit für Warner Bros und für Eastwood, der an den Prozenten zusätzlich beteiligt war, knapp 30 Mio. USD Salär allein für diesen Film eingestrichen, ein üppiges Gehalt für einen ersatzweise Einsatz, für ein dunkles Gebiet, ein Sexploitation-Kapitel, nach einem Rundflug über die nächtliche Metropole gleich ein fatales Liebesspiel, ein Schuss im Auto, eine geplante Tat, eine Vergeltung, eine Rache an den Männern, die Waffe und der Schuss auf den Unterleib gerichtet, der zweite fast als Erlösung von dem Schmerz. Callahan selber steht vor Gericht, nicht persönlich, als Zeuge aber, er kommt zu spät, das Verfahren ist eröffnet, er wird gleich gerügt, aus mehrfachen Gründen, ein kurzer Prozess, ein Dienstfehler im Verhalten, oft geschehen, keine Vorschrift nach Lehrbuch, dafür öffentliche Bedrohung, der Polizist hat sich nicht geändert, im Gegenteil, er führt sein Leben und Werk fort, ein Raubüberfall steht als Nächstes an, bzw. dessen Verhinderung, gegen eine Überzahl Afroamerikaner, politische Unkorrektheit gleich zu Beginn in der Mehrheit. Ein Restaurant wird auseinander genommen, jeder Schuss ein Treffer, einer fliegt rückwärts durch die Glasscheibe, der letzte ergibt sich lieber.

Callahan hat seine spezielle Einladungskarte, seine Dienstmarke, seine Smith & Wesson, seine Sprüche, der Mann “das einzig wirklich konstante in einer sich ständig ändernden Welt“, er führt hier das Werk von John Wayne fort, nur in der Moderne, nicht im Western, für ihn zählt das Recht des Stärkeren, eine reaktionäre Haltung, ein nahezu faschistoides Gebaren, selbst mit Drohungen wird getötet hier, dann geht es an den nächsten Tatort, die 'Kastration mit einer .38er', “dieser Scheissdreck stört mich nicht“. Der Polizist als Damm vor dem Abschaum und der Korruption und der Apathie, der Schauplatz des Mordes interessiert ihn nicht wirklich, er wird auch gleich zum Vorgesetzten zitiert. Eastwood, der in der Zwischenzeit für ganz andere, für ernsthafte oder humorvoll-alberne Werke zuständig war, vor und hinter der Kamera, geht hier den geraden Weg, ein Angriff nach dem Anderen, die Reaktion entsprechend, ein Durchmarschieren, ein Durchwaten der Überflutung des Verbrechens, Locke dabei als Schrei der Verzweiflung, als traurige Gestalt, als wehrhaftes Wesen, die sich ausdrückt in der Kunst, in Gemälden, im Ausdruck. Eastwood dagegen aus Stein, als Neandertaler, eine steife Persona, (k)ein völlig neues Spiel für ihn. Zuweilen werden ruhige Szenen eingewebt, emotionale Bindung und Erfahrungen, in Nebenaktionen, Locke als Anker der Geschichte, oft in Tränen aufgelöst oder kurz davor, voller Leid und voller Schmerz; ansonsten kühl die Inszenierung, ein Actionreicher Thriller mit Mafiaschergen, mit Maschinenpistolen und einem Auto als Rammbock, mit einer Schießerei auf einer Überführung, grasgrün im Hintergrund, ein “richtig gelungener Abend“, Sonderurlaub die Konsequenz.

Ein Zusammenschluss unglücklicher oder doch glücklicher Umstände, eine Erweiterung des Themas der Selbstkritik und Selbstjustiz, vorher aufgeweicht, jetzt wieder verhärtet, im nächsten und letzten Teil fast ignoriert; hier selbst Schießübungen in der Freizeit, mit einer neuen Waffe auch, extra eingeweiht und frisch aufgekauft, mit Spannungen untermalt, mit schwerer Artillerie hantiert. Schnitte manchmal straff und strammer, trotz später Abgeschiedenheit und Isolierung, Impotenz und Phallussymbole, zwei Filme in einem, eine Durchmischung, aus Gegenwart und Vergangenheit, aus Crime und Horror, aus Trauma und Verletzungen. Manche Erinnerungen gleichen den Erfahrungen aus Der Mann, der niemals aufgibt, die Beinahe-Vergewaltigung im Zug; die Aktionen in routinierter Handarbeit (wie eine Attacke mit Molotowcocktails und einem bald lichterloh brennenden Wagen) aus dem Polizeikrimi als Ablenkung, als Erheiterung für das Publikum, die “wandelnde Kampfmaschine“ wird versetzt nach San Paulo, eine Verlagerung des Geschehens, eine Zusammenführung, eine Gemeinsamkeit, eine Gemeinschaft, rasch eine Verfolgungsjagd mit unkonventionellen Fahrzeugen. Die Welt ein Dorf hier, dreimal läuft man sich über den Weg, bevor man das erste Mal kommuniziert, da noch eine Feindseligkeit, später eine Verbindung, davon wird erzählt, teilweise laut und aufdringliche hier, mit vielen Schimpfworten und Beleidigungen mit Herausforderungen, offensiven Verhalten, mit viel Angriffslust. Die damalige Kritik war entsprechend, ungnädig, ebenso niederschmetternd, eine Hetze wie der Film selber, verfolgen, aufspüren und erledigen, das gleiche Ziel, in dasselbe Horn geblasen. Eine Frau sieht rot, auf jeweils unschöne Art und Weise., bald häufen sich die Toten, auf beiden Seiten. Ein unfreundlicher Film, ein unerfreulicher Film, nicht ohne Effekt und Wirkung und vor allem des Wissens darum, ein Werk voller Soziopathen und Psychopathen hier. Ermittlungen werden angestellt und aufgenommen, gerne auch mit der Faust, oft mit einem geschenkten Hund als Begleiter, noch die menschlichste Regung hier, es geht um die Wahl der Methoden, die Frau spricht aus, was der Mann nur denkt, ein Abschätzen des Gegenübers, auch ein wenig Der Wolf hetzt die Meute (1984), eine Vorbereitung des Kommenden, auf die grobe Behandlung, mit dem Kopf durch die Wand, mit der Ausnahmeregelung des großen Ganzen, mit dem Feind zum Freund; mit wenig Unterstützung der Kollegen, im Gegenteil, mit einer 'Außenstehenden', einer Zivilistin als Hilfe, um den Ruf der Öffentlichkeit wird sich bemüht, eine Spirale der Gewalt angestrebt, am Ende wird man selber penetriert.

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