Eine geladene Waffe liegt auf dem Tisch.
Ein Griff danach, ohne zu Zögern wird die Pistole an die Schläfe gehalten und abgedrückt.
Der Archivverwalter des Polizeipräsidiums ist sofort tot. Sein Abschiedsbrief ist an die Staatsanwaltschaft gerichtet, aber diese erhält ihn nicht mehr. Vor dem Informieren der Kriminalpolizei überfliegt seine plötzliche Witwe den Inhalt, ruft den Gangsterboss Mike Lagana [ Alexander Scourby ] an und versteckt das Dokument.
Es klappt gut mit den Verbindungen in Fritz Langs ansehnlichem The Big Heat; nicht nur auf der weitverzweigten Seite der Kriminellen läuft alles wie geschmiert, sondern auch bei den Polizisten. Dies allerdings zweideutig, arbeitet man hier gegen ein kleines Entgelt doch öfters Hand in Hand. Benachteiligt sind die, die sich getreu ihrer Vereidigung an die Gesetze und nicht die Tasche aufhalten; Detective Sergeant Dave Bannion [ Glenn Ford ] gehört zu den Wenigen, denen die eigene Ehre, Ethik und Moral teurer und vor allem heiliger ist als alles Geld.
In diesem Fall geht auch alles zuerst ganz harmlos los; der Selbstmord war wirklich einer und belastendes Material wurde nicht gefunden und auch nicht erwartet. Eine Geliebte des Toten, die sich bei ihm meldet und Zweifel an dem Vorgang hegt, wird von ihm nur ungern befragt und nicht für voll genommen; sie schmeckt ihm als Ehebrecherin auch nicht so richtig. Als sie kurz darauf ebenfalls tot ist, weiss er aber dass etwas ganz und gar nicht stimmt und macht sich getreu seiner sittlichen Werte an die Nachforschungen.
Den faulen Gestank gerochen hat er schon vorher und an wen er sich bezüglich der im Hintergrund gezogenen Fäden wenden soll, ist ihm auch bekannt. Dass er derartig in den Sog von Gewalt reingezogen wird und schnell erkennen muss, dass er auf keinen in seiner Diensstelle bauen und das Verbrechen nicht vor der Haustür lassen kann, hat er dann doch nicht erwartet. Dies ist die eigentliche Aufdeckung des Filmes; die ersten Toten nur als Ausgangspunkt für ein Geschehen, dass viel weitreichender ist als ein Krimi. Lang bezeichnete die Produktion auch nicht als Gangsterfilm - obwohl die Motive und Elemente sehr stark vorhanden sind - sondern betrachtete es als reinen Polizeifilm.
Dies grenzt ihn aber zu sehr ein, weil er sich erst durch den Kontrast zwischen beiden Welten hochschaukelt und von dieser Wechselbeziehung lebt.
Der Arbeitstitel „Detective Story“ bezieht sich auf den Protagonisten Bannion, der aber auch nur ein, nicht der entscheidende Faktor in der Geschichte und auch nur eine Seite der Medaille ist. Eine Art Musterexemplar, komplett weisse Weste und auch der geborene Polizist; das Foto von der Akademie gross an der Wand. Er steht schon im Mittelpunkt, aber eher als mögliche Identifikation statt alleiniger Perspektive. Lang zeigt, dass alles in verschiedenen Varianten und Formen existiert, viel von anderen Faktoren abhängt und sich Ursache und Wirkung auf mehrere Rollen verteilen. Er weist die Grauabstufungen der korrumpierten Vertreter von Recht und Ordnung, die Verletzbarkeit des Staatsapparates und damit einhergehend ebenfalls ihre gegenüberliegende Korrelation auf der Kriminellenseite auf.
Schnell sind die Differenzen und die sich daraus ergebenden Diskrepanzen ersichtlich; dann versucht nur noch jeder seine eigene Haut auf seine Art und Weise zu retten.
„Sie sind suspendiert !“
„Ich würde erst Lagana fragen. Vielleicht hat er etwas dagegen.“
Die Figuren befinden sich in einer Welt voller ständiger Gefahren bis hin zum Tod; die man bei dem Verzicht auf eigener Meinung und Selbstachtung allerdings vermeiden und so schöner gestalten kann. Wenn man die Annehmlichkeiten nimmt, sind die Geldprobleme weg, man kann sich mehr leisten, muss sich keinen Druck von Vorgesetzten und Stolpersteine gefallen lassen und bekommt sogar ein besseres soziales Leben, weil der Kontakt viel mehr erweitert wird. Damit kann man an der Oberfläche alles überdecken und wenn man sich gutzuredet, dass alles okay sei, glaubt man wahrscheinlich letzten Endes sogar selber daran.
Der Archivverwalter hat es nicht ertragen können und für Bannion steht Korruption von vornherein ohne zu Überlegen ausser Frage; als Folge dessen rennt er nur gegen eine Mauer aus Schweigen und Lügen. Lagana dagegen hat sich seinen Alltrag so eingerichtet, dass er wahrscheinlich sogar tief im Inneren überzeugt ist, bei all seinen Geschäften nichts Unrechtes zu tun. Als Bannion ihn daheim aufsucht, will er nicht, dass jemand Dreck in sein Haus trägt. Er ist sichtlich empört, dass jemand annimmt, er könnte etwas mit einem Mord zu tun haben. Er fühlt sich angegriffen. Er weiss wohl gar nicht mehr, dass die Anklage stimmt. Und so richtig Sorgen deswegen machen tut er sich auch nicht, spielen doch der Polizeipräsident und die Leute vom Stadtausschuss Karten mit ihm. Aber er ist verärgert, lässt seine Männer auf Bannion los und holt sich dann die Quittung dafür ab.
Gefühle sind dabei nur selten der Ansporn, es geht um ein kapitalistisches Denken von Risiko und Gewinnmaximierung; solange die Entlohnung stimmt, kann man vieles auf sich bürden und Dinge erledigen, die einem sonst nicht passen. Nur Bannion hat später einen emotionalen Antrieb, jedoch kein hehren; aber Rache funktioniert auch hier gut als Katalysator. In knappen Szenen voller Bewegung werden die Gedanken und Handlungen aller Beteiligten schnell plausibel; Dialoge dienen in öfters passgenauer Weise nicht nur als verbale Ergänzung des Empfundenen, sondern als Leitsätze.
Das Skript des früheren Kriminalreporters Sidney Boehm - basierend auf den 1952 von William P. McGivern verfassten Fortsetzungsroman in der "Saturday Evening Post“ - ist trotz der vorhandenen Schablonenhaftigkeit und fehlender überraschender Wendungen gespickt mit gescheiten Worten; die in kurzer Manier all das zusammenfassen, was man dann auch auf der Leinwand zu sehen bekommt. Es wird häufig nur über das Gesprochene erzählt; die parallelen Bilder arbeiten darauf beruhend viel mit dem eben Gehörten und der Vorstellungskraft. Die ersten Toten passieren im Off. Auch die Szene, in der Laganas rechte Hand Vince Stone [ Lee Marvin ] seiner Freundin brühend heissen Kaffee ins Gesicht schüttet wird nicht gezeigt, sondern nur angedeudet. [ Die Zensoren waren von dem Gegenschuss aber auch nicht begeistert und beanstandeten. ]
Dennoch ist die Optik beileibe nicht unwichtig. Lang filmt in seiner Beherrschung der formalen Techniken vieles durch Spiegelbilder, um auf die Mehrdeutigkeit scheinbar verkümmerter Verhaltensweisen hinzuweisen und den geradlinigen Ereignissen durch Reflektierungen ein doppelsinniges Profil zu verschaffen. Die perfekte Licht- und reiche Raumgestaltung hebt auf den ersten Blick die Unterschiede zwischen den Beteiligten hervor, die sich trotz ähnlicher Charakterzüge nicht annähern; die zunehmende Gewalttätigkeit von Bannion kehrt ihn noch lange nicht zum Gegenpol um.
Ähnliche Eigenheiten zwischen ihm und dem gejagten Lagana sind zwar vorhanden; so legen beide sehr viel Wert auf eine Familie und wollen diese auch vor allem Unangenehmen bewahren, aber bei Lagana ist das Meiste nur Staffage. Bannion hat keine Zeit dafür und allerspätestens nach dem Tod seiner Frau auch keinen Grund, sich und anderen etwas vorzumachen. Das traute Heim, das harmonische Eheleben, die - schon sehr nach Klischee inszenierte, aber trotzdem glaubhafte - sprichwörtlich heile Welt wurde mit einer Autobombe beseitigt; jetzt macht er sich daran, es dem Verursacher entsprechend heimzuzahlen. Wie Lagana auch hat er aber Skrupel; kann nicht die Sachen selber tun die nötig wären, um ebenso effektiv wie die Gegenpartei zu agieren. Beide Männer haben dann auch Personen, die für sie in letzter Konsequenz die Drecksarbeit erledigen; bei Bannion sind es bezeichnenderweise für den allgemeinen gesellschaftlichen Zustand vor allem Zivilisten, die ihn als einzige unterstützen.
Am Ende ist er wieder auf seinen Posten angelangt, hat die Dienstmarke zurück und auch ein paar Verbrecher geschnappt; aber so richtig will man nicht glauben, dass sich plötzlich alles zum Guten gewendet hat. Man hat deutlich gesehen, dass er nur mit fremder Hilfe seinen Job geschafft und in seinem oftmaligen Zögern anderen, zumeist Frauen, den Vortritt ins Verderben gelassen hat. Das Schild “give blood now” im Revier, welches gross an Bürgerpflichten und –tugenden erinnert, hat er in seinem atmosphärisch - spannendem, aber nicht überragendem Privatfeldzug wohl übersehen.