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SIEGFRIED ist der erste Teil von Fritz Langs Stummfilepos um DIE NIBELUNGEN.
Der Film folgt in sieben Abschnitten ("Gesängen") den Abenteuern des nordischen Helden vom Kampf mit dem Drachen über die Erringung des Nibelungenschatzes bis zur Brautwerbung um Brunhild und seine Ermordung durch Hagen von Tronje.
Die Handlung wird getragen vom Gedanken an ein sich gnadenlos vollziehendes Schicksal, dem die Protagonisten ausgeliefert sind. Dieses Schicksal nimmt dann auch unerbittlich seinen Lauf, als Siegfried mit der Tarnkappe dem Burgunderkönig beim Wettkampf beisteht, damit dieser Brunhild gewinnt. Dieser Betrug wird jedoch bald aufgedeckt, was Brunhild sosehr verärgert, daß sie Hagen, der Siegfried schon aus Gründen der Staatsräson hasst, dazu bringt, den Helden umzubringen. Doch Kriemhild, Siegfrieds Gattin schwört furchtbare Rache...

Nun dürfte wohl jeder Filmfan wissen, daß DIE NIBELUNGEN wohl einer DER Meilensteine der Filmgeschichte (und des deutschen Films erst recht) ist. Durch den weihevollen Vorspann "Dem Deutschen Volke zu eigen", waren vor allem auch die braunen Deppen der Nazizeit sehr von SIEGFRIED angetan, der prompt 1933 gekürzt und mit Wagnermusik untermalt neuaufgeführt wurde.
Und tatsächlich ist SIEGFRIED ein stark stilisiertes Heldenporträt, mit für damalige Zeiten überwältigenden Spezialeffekten und atemberaubend schönen Bildern.
Die Stilisierung des heroischen Geschehens geht so weit, daß die einzelnen Personen manchmal sogar in symmetrischen Gruppen und Ornamenten angeordnet werden; außerdem erscheinen die einzelnen Charaktere mitunter klein und hilflos neben einer übermächtigen Architektur (Symbol für das Schicksal).
Doch Lang lässt auch Kritik an dieser Versklavung des Menschen in der Masse durchblicken, z.B. in der Szene als Burgundersoldaten eine menschliche Brücke Formen, die die Edelleute trägt.
Hinzu kommt noch ein formvollendetes Spiel von Licht und Schatten bzw. Hell und Dunkel (Brunhild und Hagen z.B. sind schwarz gekleidet, Siegfried weiß und der unentschlossene König Gunther grau).
Gewöhnungsbedürftig für den heutigen Zuschauer dürfte das Schauspiel sein, müssen doch all die inneren und äußeren Vorgänge und Emotionen ohne Worte nur durch Gesten und Mimik und die eine oder andere Texttafel verdeutlicht werden.
Die Musik jedoch ist eine Wucht; Dank sei dem Müchner Filmmuseum für die Rekonstruktion dieses filmischen Meisterwerkes im Allgemeinen und der Originalmusik im Besonderen.

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