Ein Film, der prägend für das ganze Gebiet des Polizeifilms werden sollte, ein Film, dessen Hauptfigur Kultstatus erlangen sollte – und ein verdammt unterhaltsamer Film dazu.
Harry Calahan (Clint Eastwood) ist der härteste Bulle von ganz San Francisco. Man nennt ihn Dirty Harry, weil er stets die dreckigsten Aufträge bekommt – aber ein harter Hund wie Harry erfüllt sie immer. Auch ein zufällig beobachteter Bankraub wird cool und rigoros von Harry beendet, indem er einfach alle Verbrecher niederschießt. Man merkt bereits von Anfang an, dass „Dirty Harry“ von seiner Hauptfigur lebt, einem kompromisslosen Helden, der prägend für die Kinolandschaft werden sollte (vor allem Bruce Willis’ Actionrollen lehnen sich ja gerne an Harry Calahan an).
Doch in San Francisco ist gerade Panik angesagt: Ein Heckenschütze namens Scorpio (Andrew Robinson) tötet ohne System Menschen und verlangt Lösegeld von der Stadt. Die Figur des Scorpio spricht Urängste an, der wahllos tötende Unbekannte, den man quasi nicht aufspüren kann. So ergreift die Stadt alle Maßnahmen, die sie treffen kann (Hubschrauberüberwachung usw.), aber man merkt, dass die Polizei bei soviel Unberechenbarkeit machtlos ist.
Man setzt Harry auf den Fall an und drückt ihm Chico Gonzalez (Reni Santoni) als Partner aufs Auge, was Harry nur mürrisch akzeptiert – schließlich arbeitet er lieber allein. Die beiden raufen sich zusammen und können Scorpio tatsächlich auf die Spur kommen, doch der eiskalte Killer erweist sich als extrem wehrhafter Gegner…
Don Siegels „Dirty Harry“ ist ein Klassiker und das liegt vor allem an der genialen Atmosphäre: Die sengende Sonne, die wenig farbenfrohe Optik, der eiskalte Zynismus des Films – das alles sorgt für viel Flair. Am überzeugendsten wirkt jedoch Harry Calahan, der knallharte Bulle, der das Gesetz auch mal selbst in die Hand nimmt. Mit zynischen Sprüchen zu jeder Zeit und ziemlich viel Skrupellosigkeit einer der coolsten Helden des Actionkinos, wenn auch alles andere als edel oder rücksichtsvoll. Dagegen verblasst der Fiesling dann etwas: Scorpio hat zwar seine Momente (z.B. wenn er eiskalt einen Bus kapert), aber im Großen und Ganzen wirkt er nur wie ein handelsüblicher Psycho und nicht unbedingt wie ein würdiger Gegner.
Die Geschichte von „Dirty Harry“ kommt dann auch noch ziemlich spannend daher und kann sogar einige überzeugend erdachte sowie halbwegs überraschende Wendungen bieten (das konnten einige der Fortsetzungen ja nicht mehr). Zwar geht der Film einen eher ruhigen Gang, aber trotzdem bleibt „Dirty Harry“ über die komplette Lauflänge spannend und kann den Zuschauer fesseln. Zwar merkt man, dass die Haupthandlung ab und zu etwas dünn ist, aber einige Nebenhandlungen (Harry muss einen Selbstmörder vom Sprung abhalten, einen Banküberfall verhindern usw.) täuschen darüber hinweg und vertiefen die genial erdachte Hauptfigur noch weiter.
Auch die Action ist für das Entstehungsjahr des Films ziemlich überzeugend geraten und bietet neben Schießereien und Verfolgungsjagden auch ein paar wirklich gut gemachte Stunts (z.B. der Sprung auf den Bus). So spektakulär wie spätere Actionfilme ist „Dirty Harry“ zwar nicht, aber trotzdem sind die Actionszenen sehr gut in Szene gesetzt worden. Die Menge ist auch Ordnung; nicht übermäßig viel, aber das hat „Dirty Harry“ bei der spannenden Story auch nicht nötig.
„Dirty Harry“ lebt natürlich zum großen Teil von Clint Eastwoods Darstellung, der in seiner Paraderolle nicht nur gnadenlos cool und ’larger than life’ daherkommt, sondern gelegentlich auch Harry Calahans menschliche Seite durchscheinen lässt. Die Nebendarsteller machen ebenfalls eine gute Arbeit, aber gegen Eastwood kann keiner auch nur annähernd ankommen.
„Dirty Harry“ ist ein vergleichsweise ruhig erzählter, spannender Klassiker des Polizeifilms, der durch Atmosphäre und eine gnadenlos coole Hauptfigur punkten kann. Schwächen hat „Dirty Harry“ nur wenige; so könnte der Film einen etwas charismatischeren Bösewicht vertragen.