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Harry Calahan, Inspektor der Polizei von San Francisco, ist bekannt dafür, auch die unmöglichsten und dreckigsten Aufträge auszuführen, daher auch sein Spitzname „Dirty Harry“. Seine Mittel sind ebenso ungewöhnlich, wie erfolgreich.
Bei seinen Vorgesetzten ist er nicht gerade beliebt. Mit seinen Methoden erinnert er mehr an einen Cowboy, als an einen Polizisten des 20. Jahrhunderts. In der linken Hand einen Hot Dog, in der Rechten eine 44er Magnum.Nach dem Tod seiner Frau zum stoischen und zynischen Einzelgänger geworden, findet er nunmehr nur noch Erfüllung in seinem Beruf. Er findet Genugtuung darin, böse Buben zu jagen und sie hinter Gitter zu bringen. Das ist sein Leben. Ein Leben freilich, an dem nur wenige teilhaben dürfen. In der Polizeiarbeit sowieso nur ausgesuchte erfahrene Kollegen. Um so mehr ist Calahan erbost, als ihm mit dem unerfahrenen Mexikaner Chico Gonzalez ein blutiger Anfänger als Partner zugewiesen wird. Das Chico später für ihn zum loyalen und unverzichtbaren Weggefährten werden soll, weiß Harry zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wie auch immer. Die Polizei von San Francisco hat sehr bald ganz andere Probleme:
Grundlos erschießt ein bis dahin unbekannter Killer, der sich in einem Bekennerschreiben „Skorpion“ nennt, ein Mädchen. Im Stile eines Heckenschützen erschießt er das Mädchen, welches in einem Pool auf einem Hochhausdach herumplanscht. Der Killer fordert von San Franciscos Bürgermeister 100.000 US Dollar (für heutige Verhältnisse eine geradezu lächerliche Summe, damalig aber einer unerhört hohe Forderung), ansonsten wird jeden Tag ein Mensch sterben, wobei kein Unterschied zwischen Rasse, Religionszugehörigkeit oder der Tatsache, ob es sich um eine Frau oder Kind handeln wird, gemacht wird . Die Polizei von San Francisco geht nicht drauf ein und stellt den Killer eine Falle. Skorpion entkommt jedoch.

Außer sich vor Zorn sucht sich der Wahnsinnige nun ein neues Opfer. Es ist ein 14 Jähriges Mädchen. Er begräbt es lebendig und verlangt nun 200.000 US Dollar. Das Mädchen hat nur für wenige Stunden Luft. Inspektor Harry Calahan, der ja ungewöhnliche Aufträge gewohnt ist, soll den Geldboten spielen. Calahan hat jedoch alles andere vor, als den Perversen mit einen Haufen Dollarnoten zu beglücken. Calahan will ausschließlich den Kopf dieses abartigen Individuums und hierzu ist ihm jedes Mittel recht! Mit was für einen Irren er es jedoch zu tun hat, weiß Calahan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er kann es auch nicht wissen, denn in seiner langjährigen Polizeiarbeit ist ihm sicherlich nie ein so niederträchtiges Wesen begegnet. Calahan entgeht der Geldübergabe nicht ohne Blessuren.

Er ist jedoch zäh und gibt seinen Kampf gegen das Böse selbst in seiner schwärzesten Stunde niemals auf und die Vorzeichen kehren sich allmählich um. „Dirty Harry“ ist nun der Aggressor. Kann ihm der „Skorpion“ diesmal noch entkommen, muss Harry nun selbst zum skrupellosen Jäger werden. Harry muss alles aufbieten, was er in seinem Repertoire zur Verfügung hat und er muss seine eigenen Grenzen weit übertreten, um das entführte Mädchen noch zu retten.
Als Calahan dann jedoch vor einem Erdloch stehen muss, aus dem dann die unbekleidete Leiche des Mädchens geborgen wird und er zum gleichen Zeitpunkt mit ansehen muss, wie der perverse Mörder aus Mangel an Beweisen frei kommt, erklärt er sich selbst zum Richter und Henker. Die Situation spitzt sich nun nochmals dramatisch zu, als der „Skorpion“ einen Schulbus kapert. Es kommt nun zum finalen Duell „Gut“ gegen „Böse“ in welchem sich beide nichts zu schenken haben...

Regisseur Don Siegel hat hier einen Cop-Thriller geschaffen, den es bislang nicht in dieser Form und Härte gegeben hat und schuf damit die quasi unsterbliche Figur des Polizisten „Dirty Harry“, dem Gerechtigkeit wahrlich noch mehr wert ist, als geltendes Recht. Er traf damit ein einen Nerv, denn er weckte das tiefe Verlangen der Menschen, sich endlich selbst ohne wenn und aber gegen das Üble zu wehren (später hat Michael Winner dieses Verlangen in seinem Film „Ein Mann sieht rot“ spekulativ ausgeschlachtet).

Unterstützt wird der Film vom kongenialen Score des Argentiniers Lalo Shifrin, ohne dessen Musik dieser Film nur halb so gut funktionieren würde. Clint Eastwood wurde als „Dirty Harry“ zu einer Galionsfigur einer ganzen Bewegung, nachdem er im Westerngenre (in Italien, wie auch in Amerika) diesen Part freilich in allen Variationen durch hatte. „Dirty Harry“ ist der Auftakt zu einer Serie von Spielfilmen, die es von 1971 bis 1988 auf insgesamt 5 Filme brachte. Inspektor Harry Calahan ist jedes mal der ewig mit seinen Vorgesetzten hadernde Cop, der das Gesetz lieber in seine eigenen Hände nimmt, als es irgendwelchen Bürokraten zu überlassen. Die „Dirty- Harry-Reihe“ ist nichts anderes als eine moderne Westernreihe, die auf Asphalt und zwischen den Hochhäusern unserer Zeit spielt.

Fazit:

Dirty Harry ist das Original. Der Film war exemplarisch für eine neue Art von Copfilmen, in denen der “gute” Polizist nahe an der Grenze zur Illegalität wandelte und diese auch schon mal überschritt. Ein leichter Hauch von Selbstjustiz legte sich über Harry Calahans Figur. Mit jedem Film ein Stückchen mehr, aber auch mit der eiskalten Art von Guten wie Bösen, dem bitterbösen Zynismus von Harry und der politischen Unkorrektheit gab die Filmserie den Startschuss für folgende Genrefilme. Mel Gibsons Charakter Martin Riggs in Lethal Weapon 1 & 2 (und auch nur in diesen beiden ersten Teilen) etwa lässt deutliche Parallelen erkennen.

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