Ein Film aus der Rubrik: unantastbarer Klassiker!
"Dirty Harry" sollte der endgültige Durchbruch für Clint Eastwood sein, der mit seiner Darstellung des wortkargen, kantigen aber dennoch sympathischen Polizisten nicht nur eine Glanzleistung ablieferte, sondern gleich noch eine Ikone des Kinos schuf. Nahezu jeder Polizist im Film wurde von nun an gemessen an dem beinharten Übercop, der hühnenhaft das Recht und seine Magnum in die Hand nahm und dabei immer noch locker einen markigen One-Liner parat hatte.
Dieses Heldenbild wurde dann in den 80ern komplett überdreht und führte schließlich zu weiteren Helden, die dann verkörpert durch Recken wie den heutigen kalifornischen Gouverneur mehr Comicfiguren als lebensnahe Protagonisten waren.
Diese krasse Überzeichnung findet in "Dirty Harry" nicht statt. Zwar bleibt einem vieles Verborgen, was das Privatleben von Harry Calahan angeht, aber dennoch verfügt der Charakter über eine Tiefe, die verglichen mit den eben genannten Figuren einem Bergsee gleicht.
Verbittert, verzweifelt, immer gegen lebensfremde Politiker angehend, die lieber reden, als Gerechtigkeit walten zu lassen, immer im Konflikt mit paragraphenreitenden Vorgesetzten, für die das Gesetz ein Papierkrieg ist. Der Mann ist der fremde Reiter, den wir aus den europäischen Western der 60er und 70er kennen und der immer da auftaucht, wo kein Hoffnungsschimmer mehr scheinen will. Kein Wunder, hat diese Rolle Eastwood doch berühmt gemacht. Und so tut er gut daran, hier prototypische Merkmale seiner Figuren ins spätere 20. Jahrhundert zu transportieren. Und das Wohltuende dabei ist, das solch plakative Saubermanndarstellungen, wie man sie in Hoollywood oftmals ertragen muss, von Eastwood par tout abgelehnt werden.
So gerät der gute Inspector auch in einen inneren Konflikt, als er mit seinen Mitteln in einen Privatkrieg gegen den Mann zieht, der wahllos Menschen in San Francisco erschießt. Dass der perverse Killer dabei ein reales Vorbild hat, wie wir ja seit David Finchers "Zodiac" wissen, verstärkt den Pessimismus, den der Film über seine Ganze Laufzeit unterschwellig mitschwingen lässt.
Zu den Opfern zählen auch Kinder und so ahnt man schon, dass solch ein kranker Verbrecher mit den entsprechenden Mitteln gestoppt werden will. Dies ist dann zwangsweise mit einer -naja- "Rechtsbeugung" verbunden, da das Gesetz für einen solch perversen Fall scheinbar nicht vorbereitet ist.
Dass Calahans Schritte dabei aber nicht glorifiziert werden, sondern mehr wie ein hilfloser Gewalthöhepunkt wirken, wenn der dem Scorpiokiller auf sein angeschossenes Bein tritt und ihn so foltert, um eventuell noch ein Opfer zu retten, ist dabei ein Gütesiegel von Regisseur Don Siegel (na, Wortspiel verstanden - hahaha). Siegel vermeidet so eine tief fragwürdige Aussage seines Films, auch wenn moralisch hier einiges im Argen ist.
Letztlich scheitert Harry aber gerade an seinem exzessiven Gewalteinsatz und der Killer kommt eben wegen dieser Gewaltanwendung auf freien Fuß. Da es aber offensichtlich auch keine bessere Lösung für die Situation gibt, muss Calahan dann letztlich doch den Bösewicht ins Jenseits befördern - eine hat er noch!
Die Umsetzung ist dabei allererste Sahne, wenn man auf Filme aus den 70ern steht.
Die Musik von Lalo Schifrin ist wirklich großartig, so dass der Film selbst für Erblindete eine Wohltat sein dürfte.
Für die Sehenden gibt es eine erstklssige Kameraarbeit zu bewundern und beides zusammen ergibt dann ein Fest für Filmfreunde, dass mir doch glatt 9 Punkte abringt.
Wer diesen Film nicht gesehen hat, der hat wirklich einen Meilenstein des Kinos verpasst!