Review

Ich wundere mich, dass ich die Dirty Harry Reihe noch gar nicht besprochen habe, hmmm, das muss schleunigst nachgeholt werden. Auf geht's.

Dirty Harry erzählt die Geschichte eines perfiden Mannes, der San Francisco erpresst, und von einem Cop namens Harry Calahan gejagt wird. Ungefähr zur Mitte des Filmes entwickelt der Film eine ungeahnte Eigendynamik, da es sich von einem üblichen "Wir-klären-den Fall-auf"-Krimi zu einem "Wer-von-uns-beiden-wird-nun-den-anderen-fertig-machen"-Psychoduell entwickelt. In dieser Szenerie werden dann mal nebenbei solche Themen wie nötige vs unnötige Polizeibrutalität, die Schwächen des Systems an sich, die Prioritäten der Politik, sowie das urbane Leben in San Francisco der späten 1960er / frühen 1970er zelebriert.

Don Siegels Inszenierung ist über jeden Zweifel erhaben und seiner Zeit meilenweit voraus, ganz so nebenbei revolutioniert er hier den Cop-Thriller mit den Mitteln des Film Noir, denn sein Protagonist ist einerseits ein cooler und harter Hund. Andererseits aber auch eine aussterbende Gattung (ein Klischee, das mittlerweile zigtausendfach bemüht ist), da er ein über die Gesetzgebung hinaus gehendes tiefer gehendes Verständnis von Recht hat. Das recht hingegen wird von der Bürokratie gelähmt und von Bedenken, was machbar ist und was nicht - ein durchaus immer aktuelles Thema.

Die Musik des Films ist herrlich unaufgeregt, gleichzeitig aber richtig gut und passt sich dem interessanten Verlauf des Filmes sehr gut an. Und die Einstellungen, die Don Siegel immer wieder findet für seine Hauptfigur, sind mittlerweile einfach ikonisch ins popkulturelle Gedächtnis eingebrannt.

Der Action-Anteil ist relativ zurück gefahren, doch wenn es etwas passiert, dann ist es immer überzeugend. Und sowohl Clint Eastwood als auch sein Widersacher Andrew Robinson machen das beste aus ihren jeweils aufs Nötigste reduzierten Charakteren. Sowohl Eastwoods als auch Robinsons Charaktere sind prinzipiell nur Archetypen, es gibt für keinen der beiden auch nur erklärende Ansätze, sie werden nur aufeinander losgelassen und es wird geschaut, was die beiden daraus machen. Und das Resultat ist eine Offenbarung.

Der Film wurde seinerzeit höchst kontrovers diskutiert, eben wegen seiner Darstellung der Polizeibrutalität - aus heutiger Sicht kaum nachzuvollziehen. Zumal nur etwa 15-25 Jahre vorher Polizisten in Film Noirs deutlich rabiater (vor allem grundloser) vorgingen. Tatsächlich hält sich hier Calahan recht nah am Gesetz und erst am Ende weicht er davon ab. Und selbst da wirkt das Endergebnis trotz der Genugtuung irgendwie fraglich und melancholisch, und die letzte Einstellung zeigt ganz eindeutig, dass Calahan in diesem System als Polizist nur verlieren kann.

Die Vorwürfe, Dirty Harry hätte faschistische Tendenzen ist zudem komplett von der Hand zu weisen, zumindest in diesem ersten Teil, spätestens mit dem zweiten Teil ist Calahan auf einem deutlich dünneren Eis angelangt.

Interessant - historisch gesehen - ist auch die Tatsache, dass Dirty Harry sich lose an der Story des Zodiac Killers orientiert und im Zuge der Ermittlungen sogar schon veröffentlicht wurde, was dem Film dmals sowohl massive Kritik als auch natürlich genausoviel Publicity einbrachte.

Ungeachtet dessen handelt es sich bei Don Siegels Film um ein absolutes Meisterwerk eines Meisterregisseurs, der ganz nebenbei auch den bereits in Europa zum Superstar aufgestiegenen Clint Eastwood in den USA zum Superstar machte.

Ganz klare 9 Punkte

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