Drama und Komödie zu mischen ist schone eine große Kunst und manchmal funktioniert dieses ambitionierte Vorhaben eben nur halb und das vielleicht auch nur in der jeweiligen Zeit der Veröffentlichung.
So geht es mir persönlich mit „The Talk of the Town“, einem der angeblichen „Klassiker“ der frühen Vierziger, als sonst zunehmend auf kriegsunterstützende Propaganda auch innerhalb von Filmplots gesetzt wurde.
„Zeuge der Anklage“ – wie der Film irgendwie unpassend in Deutschland hieß (und Irritationen bezüglich des Agatha-Christie-Klassikers provozierte) – verzichtet auf das Kriegsthema und widmet sich im Wesentlichen eher der amerikanischen Kleinstadt, wie sie, vor den Toren Washingtons liegend, ein Spiegel der Gesellschaft sein sollte.
Dabei kommt jedoch in diesem Fall kein „Dem Volk aufs Maul“-Schauen bei heraus, sondern eine eher auf amüsant gemünzte Menage-a-Trois, bei deren Boulevardcharakter die ernsten Untertöne eher missgestimmt klingen.
Die Eröffnungsmontage präsentiert Cary Grants Leopold Dilg als zum Tode verurteilten Brandstifter und somit Mörder eines Vorarbeiters, was schon mal gegen den Strich gebürstet wirkt. Nachdem er ausgebrochen ist, flieht er, verletzt, zu einer alten Klassenkameradin namens Nora, die von Jean Arthur gespielt wird und für die er etwas übrig hat. Das allerdings muss man sich mühsam zusammen suchen, denn überzeugend wirkt der unemotional aufspielende Dilg in Sachen Romantik nicht und Arthur agiert wie eine hibbelige Sitcomheldin.
Problematisch wird es dann, als auch noch der Rechtsprofessor Lightcap (Ronald Colman) in dem Haus auftaucht, weil er es angemietet hat – leider kommt er einen Tag zu früh.
Was dann folgt, ist ein recht mühsames Versteckspielchen Dilgs, welches Arthur ständig mit Bemühungen ergänzen muss, sicher weiter in dem Haus aufzuhalten, was dem würdevollen Lightcap natürlich zunehmend auf die Nerven fällt.
Natürlich kann das nicht ewig so bleiben und so tritt Grant bald als Gärtner auf und es entwickelt sich eine WG, bis der eigentliche Fall wieder in den Vordergrund tritt – denn natürlich ist Dilg unschuldig an dem Brand, der sich passenderweise auch noch in der nächsten Kleinstadt ereignet hat. Gleichzeitig soll Lightcap Bundesrichter werden und kann es sich gar nicht leisten, sich mit einem zum Tode Verurteilten einzulassen.
Natürlich kommt irgendwie die Romantik dazwischen und dann entdeckt Lightcap auch sein Interesse, dem Fall auf den Grund zu gehen, so dass einige Erschwernisse später tatsächlich der wahre Täter (der Vorarbeiter) noch gefasst werden kann – am Ende ist die Frage, für wen sich Arthur entscheidet, irgendwie wichtiger.
Für mich passt nichts richtig zusammen in diesem Konfektionsprodukt, dessen männliche Hauptdarsteller eifersüchtig darauf bedacht waren, sich nicht vom jeweils anderen die Show stehlen zu lassen.
Arthurs Witz wirkt dabei etwas bemüht, aber aus dem Herrenduell geht eindeutig Colman als Sieger hervor, der die besser geschriebene Rolle für sich reklamieren kann, während Grant gegen seinen Typus spielen muss, gleichzeitig aber mimisch seine albernen Rollen rekapituliert.
Das Drama um den Delinquenten bleibt bisweilen stark unterentwickelt und dass jemand für eine vermeintliche Brandstiftung mit Todesfolge auf den Stuhl soll, ist auch stark übertrieben.
Schlussendlich war der Film trotz Starbesetzung dann auch nicht recht erfolgreich, spielt zwar das Budget wieder ein und war bei der Presse recht populär, ein Kassenschlager war aber nicht daraus zu machen.
Eine gute S/W-Fotografie und bemerkenswert wenig Americana-Pathos hilft dem Film über den Balken, aber ein Klassiker wurde nicht daraus. (5/10)