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Brian führt zu Zeiten von Jesus Christus ein ziemlich trostloses Leben: Er steht noch immer unter der Fuchtel seiner Mutter, die ihn für einen Taugenichts hält, und verdient seinen Lebensunterhalt, indem er als Snackverkäufer während der Gladiatorenkämpfe u.a. Otternasen und Wolfszitzenchips an die Zuschauer verteilt. Eines Tages schließt er sich der Volksfront von Judäa (merke: nicht die Judäische Volksfront!), einer Widerstandsgruppe gegen die herrschenden Römer, an. In der Folgezeit hat er eine Menge grotesker Situationen zu überstehen, an deren Ende er für den Messias gehalten und auf Geheiß von Pontius Pilatus ans Kreuz genagelt wird...
Ende der 60er machte sich das junge britische Komikersextett Monty Python (Terry Gilliam, Eric Idle, John Cleese, Michael Palin, Terry Jones, Graham Chapman) mit seiner 45-teiligen Serie „Monty Python‘s Flying Circus“ einen Namen und gewann im Laufe der Jahre eine immer größere Fanschar. Jene Reihe zeichnete sich durch anarchistischen, zumeist grotesken und tiefschwarzen Humor aus, der sich oftmals am Rande des guten Geschmacks bewegte - und diese Tatsache macht die Truppe bis heute einzigartig und unvergeßlich.
„Das Leben des Brian“ entstand erst 1979 als ihr dritter Kinofilm nach „Die wunderbare Welt der Schwerkraft“ und „Die Ritter der Kokosnuß“ und dürfte wohl ihr bestes Werk gewesen sein.
Hunderte von absurden Gags höchster Qualität tummeln sich in dieser Bibelparodie, so daß ein echter Fan von Monty Python aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Sicherlich ist diese Art Witz nicht jedermanns Geschmack, wirkt vielleicht auf den einen oder anderen bloß blöd und albern, aber mir persönlich fällt keine andere Komödie ein, an der ich beim wiederholten Ansehen immer noch so viel Freude verspüre wie hier. Anerkennenswert ist auch, daß der Humor von Anfang bis Ende auf gleichbleibend hohem Niveau bleibt - im Gegensatz zu den meisten Komödien, die nach einem fulminanten Beginn sehr häufig zum Ende hin Verschleißerscheinungen erkennen lassen („Die Nackte Kanone“, „Der Mann mit zwei Gehirnen“). So gilt die abschließende Kreuzigungsszene, in der alle in naher Zukunft Sterbenden fröhlich „Always Look On The Bright Side Of Life“ zu singen beginnen - der Song wurde übrigens ein großartiger Erfolg -, noch im 21. Jahrhundert zu einem der berühmtesten und irrwitzigsten Momente der Filmgeschichte. Etliche Vertreter der katholischen Kirche freilich gingen natürlich hauptsächlich aufgrund dieser in ihren Augen blasphemischen Sequenz auf die Barrikaden und forderten ein Verbot des Films, was wiederum das Gegenteil bewirkte: „Das Leben des Brian“ wurde zu einem Kassenknüller. Wäre schade gewesen, wenn der Nachwelt dieser Streifen vorenthalten geblieben wäre, denn es ist wohl noch niemandem zuvor oder danach eine solch treffende Persiflage auf die gleichermaßen pompösen wie kitschigen Bibelverfilmungen à la „Die Zehn Gebote“ gelungen wie Monty Python mit „Das Leben des Brian“. Beispielsweise wird Pontius Pilatus, der römische Kaiser, als ausgesprochen debile Witzfigur abgestempelt, die wegen eines schwerwiegenden Sprachfehlers nicht einmal ansatzweise Autorität beim Volk besitzt und gnadenlos verspottet wird. Redensarten wie „Chleudert ten Purchen zu Poden“ haben sich bereits fest in vielen Fanköpfen manifestiert und sorgen sogar bei noch so häufigem Gebrauch immer noch für den gewünschten Lacherfolg. Herrlich verrückt die anachronistische Szene, in der Hauptperson Brian von einem Turm fällt, von zwei Außerirdischen in einem Raumschiff gerettet wird und geradewegs in einen Sternenkrieg schlittert; herrlich witzig auch die Szene, in der Brian den lateinischen Befehl „Römer, geht nach Hause“ mit zahlreichen Grammatikfehlern versieht, daraufhin von einer römischen Wache ertappt und nicht etwa festgenommen wird, sondern zur Strafe hundert Mal jenen Befehl korrekt aufschreiben muß. Das sind aber alles lediglich Beispiele für den Ideenreichtum der Komikergruppe und die Vielseitigkeit der Gags.
Glücklicherweise machte Monty Python auch nicht den Fehler, von ihrem aus der Serie bekannten Konzept, zahlreiche Sketche aneinanderzureihen, abzuweichen. Vielmehr übertragen sie es auch auf ihren Kinofilm, d.h. „Das Leben des Brian“ ist ebenfalls in kurze, höchstens fünf Minuten lange Episoden aufgeteilt, in die zahlreiche ironische Anspielungen und Späße eingearbeitet wurden. Somit bekommt der Zuschauer den Eindruck, daß Monty Python das Optimale aus jeder einzelnen Szene herausgeholt hat und keine einzige Minute überflüssig ist. Sicherlich wäre der Film in die Hose gegangen oder hätte zumindest viel Leerlauf produziert, wenn sich das Sextett dazu entschieden hätte, die einzelnen Szenen zu strecken und nicht so oft von Schauplatz zu Schauplatz zu wechseln, also auf die Sketchform zu verzichten.
Auffällig ist auch, daß die sechs Darsteller gleich in mehrere Rollen schlüpfen. Graham Chapman beispielsweise spielt nicht nur die Rolle des Brian, sondern zusätzlich noch Schwanzus Longus (!), Pilatus‘ besten Freund, während andere gar fünf oder sechs Figuren gleichzeitig übernehmen. Das kommt dem Film zugute, denn keiner kommt gegen die einmalige Mimik der Monty-Python-Mitglieder an.

Fazit: Ein wunderbares Stück Komödienkino von der Komikertruppe Monty Python. Phantastisch absurde Ideen und Witze am laufenden Band, teilweise schon legendäre Sprüche und eine unvergeßliche Schlußszene, die die Kirche provozierte, runden das hemmungslos alberne Spektakel ab und machen es zu einem rund eineinhalbstündigen Vergnügen, das mit seinen schrägen Typen (Brians Mutter, Pontius Pilatus usw.) auch bei mehrmaligem Anschauen noch immer zu amüsieren weiß.
GESAMT: 9/10 (Unterhaltungswert: 10 - Handlung: 7 - Schauspielerische Leistungen: 8 - Kameraführung/Atmosphäre: 7 - Musik: 8)

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