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Messias wider Willen

Brian von Nazareth (Graham Chapman) ist unter einem schlechten Stern geboren – besser gesagt neben einem besonders berühmten. Denn direkt neben seiner Geburtsstätte, in einem Stall, liegt der Neugeborene Jesus von Nazareth. So lebt Brian parallel zu Jesus vor sich hin, bis er unter den rebellischen Einfluss der »People's Front of Judea« gerät. Flugs macht er sich bei den römischen Besetzern Jerusalems unbeliebt. Verzweifelt versucht er, seine Kreuzigung zu entkommen.

War Monty Python and the Holy Grail (1975) noch eine chaotische Aneinanderreihung überdrehter Gags, ist Monty Python’s Life of Brian (1979) eine viel kohärentere Angelegenheit. Unter Terry Jones’ Regie erhält der Film nicht nur einen einheitlichen Look, sondern auch einen (wenigstens ansatzweise) sinnvollen Plot. Wir folgen Brian, einem tölpelhaften, doch sympathischen jungen Mann, der gegen seinen Willen zum Messias hochstilisiert wird.

Auf pointierte und intelligente Weise zieht Life of Brian den menschlichen Herdentrieb durch den Kakao. Das beginnt mit den unterschiedlichen Widerstandstruppen in Jerusalem, die stärker sich selbst als ihre römischen Besatzer bekämpfen. Es zieht sich fort mit der tiefschwarzen Steinigungs-Szene, die einen Akt der Gewalt zu einer trivialen Freizeitbeschäftigung verzerrt. Boshaft und hintersinnig ist die Szene, in der Brian durch einen dummen Zufall in Windeseile zum Propheten aufsteigt. In der Hysterie der Masse entstehen auch sofort unterschiedliche Lehrmeinungen und Reibereien. Das ist ein entwaffnender Mikrokosmos der Gesellschaft, der sich nicht nur auf religiösen Fanatismus anwenden lässt.

Köstlich die Szene, in der Brian seine Jünger von sich abweisen will. »Ihr seid alle Individuen!«, verkündet er. Und erhält unisono die Antwort: »Ja, wir sind alle Individuen!« Nur einer tanzt aus der Reihe und bemerkt: »Nein, bin ich nicht!« Er wird von der Masse sofort mit Zischen zum Schweigen gebracht. Beim Holy Grail ritt die Comedy-Gruppe allzu oft einen einzigen Witz tot. Das geschieht hier weniger, denn die Pointen haben eine gesellschaftskritische Wurzel. Zudem verschafft Graham Chapmans liebenswürdige Performance eine veritable Identifikationsfigur.

Der Film ist gespickt mit ironischen Schicksalsschlägen. Gerade am Ende wird Brian immer wieder aufs Neue die Flucht vor der Kreuzigung verwehrt – und zwar durch denkbar dumme Verwechslungen und Missgeschicke. Hinter dem Klamauk steckt oft auch grimmiger Realitätssinn. Man denke an den Angeketteten im Gefängnis, der Brian als »lucky bastard« bezeichnet, obwohl ihm die Kreuzigung droht. Das legendäre Ende, das aus dem Tod eine freudenstrahlende Musical-Nummer macht (»Always look on the bright side of life«), wird nicht so schnell vergessen gehen. Auch die Seitenhiebe auf linksintellektuelle Elfenbeintürme sind saftig und sitzen. Die phänomenal-abstruse Science-Fiction-Szene rundet das Gesamtbild ab.

Nicht alle Pointen zünden. Pontius Pilatus’ Sprachfehler etwa wird allzu lange ausgeschlachtet, und einige Figuren wie Brians Mutter bringen nicht viel Witziges zu Tage. Dennoch dürfte Life of Brian für zahlreiche schallende Lacher sorgen. Der Streifen ist sowohl filmisch als auch komödiantisch um Lichtjahre besser als sein Vorgänger Holy Grail. Mit Brian zeigen sich die Pythons von ihrer Schokoladenseite.

8/10

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