Dass der britischen Komikertruppe Monty Python nichts heilig ist, war ja eh bekannt – ab ihrer Bibel(film)satire „Das Leben des Brian“ durfte man dies dann wörtlich nehmen, denn diverse religiöse Gruppierungen liefen Sturm gegen den Film.
Man folgt hier bei Brian Cohen (Graham Chapman) alias Brian von Nazareth, der kurz nach Jesus in einem Stall ganz in der Nähe geboren wird, weshalb die Weisen aus dem Morgenland versehentlich erst dort vorbeischauen. Brians Mutter Mandy (Terry Jones) raunzt diese erst für ihre Störung der Nachtruhe an, ist beim Anblick der Geschenke allerdings gleich viel gastfreundlicher – dummerweise hat das Trio seinen Fehler da schon bemerkt und zieht zum richtigen Stall weiter. Es ist weder die letzte Verwechslung mit Jesus noch das letzte Mal, das Brian unheimliches Pech hat – sein Weg endet gekreuzigt auf dem Hügel Golgatha.
Dabei schlüpfen die sechs Komiker in verschiedenste Rollen, Männlein wie Weiblein. Während Graham Chapman meist in der Rolle des tollpatschigen Brian, der eher Spielball anderer als wirklich selbstbestimmter Protagonist ist, verbleibt, füllen John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones und Michael Palin unzählige Rollen aus, in denen sie aber immer glänzen. Highlights dürften Palins Performance als Pontius Pilatus und Cleese als Offizieller, der eine Steinigung durchführen soll, sein.
Wobei man diese Darbietungen schlecht von den famos geschriebenen Szenen trennen kann, durch die sie zum Kult wurden. Die Steinigung, bei der anscheinend „Weibsvolk anwesend“ ist und die ein unerwartetes Ende nimmt, oder Pilatus, der mit seinem Sprachfehler das Volk (und den Zuschauer) zum Totlachen animiert. Dabei zeigt sich auch die Qualität der deutschen Synchro, die dem Original in Sachen Kreativität und Gaga-Faktor in nichts nachsteht. Gerade das Lispeln Pilatus‘ wurde kongenial und zitatwürdig in die deutsche Version gebracht („Schmeicht den Purchen zu Poden!“) und die Übersetzung von „Biggus Dickus“ mit „Schwanzus Longus“ darf ebenfalls als Geniestreich gelten. Sowieso streuen die Pythons immer wieder kleine, aber vollkommen zitatwürdige Bonmots ein („Otternasen, kauft frische Otternasen“), während ihr Bibelfilm aber nicht bloß eine Gagparade ist.
Hintersinnig werden dabei religiöser Fanatismus und damit verbundene Leichtgläubigkeit aufs Korn genommen: Brian wird versehentlich für den Messias gehalten und in blindem Fanatismus halten seine Anhänger jede noch so dämliche Wegwerfgeste seinerseits für ein göttliches Zeichen, egal was Brian selbst dazu meint. Das hat nicht nur weitreichende Konsequenzen, sondern führt auch noch zu widerstreitenden Interpretationen seines Wortes. In Sachen Widerstreit kann man auch die Untergrundbewegungen der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa anführen: Beide beanspruchen für sich die „wahre“ Revolutionsfront zu sein, weshalb sie sich stärker gegenseitig bekriegen als die römischen Besatzer. So kriegen sowohl religiöse als auch politische Betriebsblindheit ihr Fett weg.
Dabei hat der Film typischen Monty-Python-Trademarks: Kurze gezeichnete Sequenzen aus Terry Gilliams Feder, Respektlosigkeit und herrliches Umdenken, eine leicht episodische Struktur, die sogar mal einen Exkurs ins Weltall macht, als Brian auf seiner Flucht in ein Raumschiff knallt. Doch insgesamt ist „Das Leben des Brian“ geschlossener als die anderen Python-Kinofilme, nicht nur als Sketchparaden „Wunderbare Welt der Schwerkraft“ und „Der Sinn des Lebens“, sondern auch ihre König-Arthur-Verarsche „Die Ritter der Kokosnuss“. Denn nicht nur die Lebensgeschichte von Jesus Christus, auch Bibel- und Sandalenfilme geben eine Struktur vor, die parodiert wird: Wie bei der Titelfigur von „Ben Hur“ kreuzen sich Jesus‘ und Brians Lebensweg an mehreren Stellen, ehe sie am Ende gemeinsam am Kreuz hängen und „Always Look on the Bright Side of Life“ singen. Gegen Ende mag sich mancher Running Gag dabei etwas abnutzen, aber insgesamt ist „Das Leben des Brian“ eine famose wie hintersinnige Komödie.
So gilt er nicht umsonst als bester Kinofilm der Monty-Python-Truppe und ist dabei unheimlich zitatwürdig, was diverse Generationen, die sich im Alltag die sprachlichen Eigenheiten Pilatus oder Sätze wie „Setz dich hin, nimm dir nen Keks, mach’s dir schön bequem – DU ARSCH!“ an den Kopf werfen, bezeugen können.