Die junge Jenny Storm wird auf dem Parkplatz ihres Apartmenthauses von einem Unbekannten überfallen und ermordet, was ihre zahlreichen Nachbarn zwar mitbekommen, jedoch geflissentlich ignorieren. Die beiden Detectives Nick Rodriguez und Dave Lambert kommen mit ihren Ermittlungen im Anschluss nur schleppend voran, denn sämtliche Augenzeugen der Tat hüllen sich in Schweigen, um nicht in die Angelegenheit involviert zu werden. Nachdem der Triebtäter in Folge noch weitere Male zuschlägt, läuft den Polizisten eher zufällig im Supermarkt der Hühnerdieb Jimmy Crescent über den Weg, der unter einem anderen Namen schonmal wegen versuchter Vergewaltigung im Knast gesessen hatte und der nun schwer verdächtig erscheint... Achtung, ein waschechter Etikettenschwindel! Die reißerisch aufgemachte DVD mit FSK 18-Freigabe verspricht da auf der Cover-Rückseite einen "perversen Schocker" und lockt mit Artwork, Credits und Promo-Text des obskuren 1982er-Slashers "Death Screams" (aka "House of Death"), so dass man folgerichtig annehmen könnte, dass dieser nun hierzulande endlich auch eine Veröffentlichung erfahren hätte... haha, Pustekuchen! Bei dem vorliegenden "Todesschreie", der einem hier in falscher Verpackung angedreht werden soll, handelt es sich in Wahrheit nämlich nur um ein kleines ABC-Fernsehfilmchen der Woche aus den 70ern. Hat man den ärgerlichen Marketing-Fauxpas erstmal verdaut (oder weiß so ein Label etwa wirklich nicht, welchen Film es da gerade auf Scheibe presst?), kann einen der Streifen aber auch heute noch ein wenig interessieren... zum einen ist nämlich die Besetzung durch die Bank recht prominent (mit "Gomez Addams/M. Bison" Raul Julia als Zugpferd) und zum anderen stammt das Drehbuch aus der Feder von Oscar-Preisträger Sterling Silliphant, der auch schon für solche echten Highlights wie "Das Dorf der Verdammten", "In der Hitze der Nacht" und "Flammendes Inferno" verantwortlich gezeichnet hat (und später dann auch noch - quasi als Kirsche auf der Quarktorte - für Stallones Armdrücker-Spektakel "Over the Top"!). Nach einem recht zupackenden Maniac-on-the-Loose-Einstieg in die Geschichte erwartet einen statt des vermeintlichen Slasher-Verschnitts allerdings eher ein ernsthaftes Kriminal-Drama, das zudem mehr als nur ein wenig von dem tatsächlichen Fall der Kitty Genovese inspiriert ist, die 1964 in der Nähe ihrer Wohnung überfallen und ermordet wurde und der ebenfalls niemand zu Hilfe kam, was dem Ganzen dann auch mehr als nur einen sachten True-Crime-Anstrich verpasst. Trotz des weitestgehenden Verzichts auf grobe Brutalitäten ist der Mord zu Beginn dennoch recht eindringlich geschildert, weswegen man dem Ganzen (gerade für Flimmerkisten-Verhältnisse) eine gewisse Wirkung nicht absprechen kann. Der Rest der Handlung spult sich dann aber doch nur in der Manier typischer Crime-Procedurals ab, wenn man dem Polizisten-Duo bei seinen Ermittlungen über die Schulter schauen darf. Dass die Angelegenheit bisweilen ein wenig melodramatisch aufgebauscht daherkommt, war da zu erwarten, aber dafür entschädigt immerhin das Finale, bei dem Raul Julia dem Killer und seinem nächsten Opfer mit einem geklauten Fahrrad hinterher radelt... Hochspannung geht anders! Trotzdem: "Todesschreie" ist nicht der schlechteste Vertreter seiner Gattung... aber ich hätte doch lieber den "perversen Schocker" gesehen...
6/10