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Das Jahr 1984: Die Erde wird von den drei Supermächten Eurasien, Ozeanien und Ostasien beherrscht, während die Menschen in antidemokratisch strukturierten Überwachungsstaaten leben. So auch ein Beamter des Ministeriums für Wahrheit, gespielt von John Hurt, dessen Aufgabe größtenteils darin besteht, Informationen, Daten, Neuigkeiten, sogar den Verlauf der Geschichte so zu verdrehen, dass es die Herrschenden, den "Großen Bruder" bestmöglich unterstützt. Doch dann beginnt er am System zu zweifeln, ein Tagebuch gegen das Vergessen zu führen, mit Mitgliedern der Opposition in Kontakt zu treten und verliebt sich in eine Parteigenossin. Mit fatalen Folgen.

Kaum ein Sci-fi-Roman erfreut sich eines derart großen Kultstatus, wie es bei George Orwells Dystopie "1984" der Fall ist. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Orwells Werk in den 50ern und 60ern bereits dreimal verfilmt wurde, bis schließlich 1984 die vierte und bis heute bekannteste Verfilmung folgte, die das Ansehen nach wie vor wert ist, zumal der Stoff seitdem nicht mehr filmisch adaptiert wurde.

Dabei mag die Roman-Adaption dem einen oder anderen Zuschauer belanglos erscheinen, da sich Regisseur Michael Radford mit aller Genauigkeit an seine Vorlage hält, den Mut zu einer eigenen Interpretation in keiner Weise aufbringt und damit im Grunde nichts als eine Nacherzählung abliefert, doch die ist handwerklich hervorragend gelungen und besonders für die Nicht-Kenner des Romans sehr zu empfehlen.

So wird die Dystopie, die Orwell kreierte, auch hier düster und verstörend umgesetzt. Die farblos erscheinenden Bilder, die Tristesse, die förmlich in der Luft liegt, das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen, die emotionale Kälte der Menschen, das entsprechende, beinahe phlegmatische Spiel der Nebendarsteller, die Eintönigkeit, die Beengtheit, die Angst vor den beiden anderen Supermächten. All dies wird mehrfach thematisiert und mit aller notwendigen Stringenz und Konsequenz von Radford dargestellt, sodass von Anfang an eine bedrückende Atmosphäre kreiert wird, die nur selten und gezielt unterbrochen wird.

Die wesentlichen Inhalte werden dabei ebenfalls gelungen vermittelt, so treibt Radford den Plot langsam aber beständig voran, ohne auch nur einmal etwas hastig zu wirken. Dabei sind es besonders die Monologe, Überlegungen und Tagebucheinträge des Protagonisten, die Informationen und Denkansätze zur konstruierten Zukunftsutopie, die ganz im Zeichen der Kritik am Stalismus, oder anderer vergleichbarer Systeme, aber auch kleinerer Einschränkungen der Ideale der Demokratie steht, vermitteln.

Nur selten wird diese triste, düstere Atmosphäre unterbrochen, vor allem dann, wenn der Protagonist ausnahmsweise mal menschliche Gefühle wie Liebe oder Zuneigung zeigen darf, während es Radford hier bei ruhigen, getragen inszenierten Szenen belässt und nicht mit kleineren Sentimentalitäten oder Kitsch seiner Atmosphäre schadet, wobei er auch bei der musikalischen Untermalung seines Films auf auffälligere Töne verzichtet, die dem Gesamtkonzept zweifelsohne geschadet hätten. Zum Ende hin hätte Radford seinen langsamen, unaufgeregten Erzählstil besser aufgegeben, um eine verstörendere Wirkung zu erreichen, so ist das Finale nicht so hart, wie es sein sollte, zudem wird es mit den bunten Bildern aus der Erinnerung des Protagonisten vielleicht ein wenig abgemildert, aber die Fehler, die gemacht werden, bewegen sich im marginalen Rahmen. Einzig und allein beim futuristischen Design hätte der Film, der recht altmodisch inszeniert ist, durchaus die Chance gehabt, ein wenig mehr zu punkten.

Neben der versierten Inszenierung gibt es auch an den Darstellern wenig zu bemängeln. So zeigt John Hurt, der zuvor bereits in "Alien" und "Der Elefantenmensch" sein Talent unter Beweis stellen konnte, eine hervorragende Leistung, spielt den anfangs gefühlskalten Staatsangestellten überzeugend, um dann zunehmend Gefühlsregungen zu zeigen, ohne nicht eine gewisse Kälte und Distanz aufrechtzuerhalten. Und auch die Nebendarsteller verkaufen sich gut und überzeugen durchaus, wobei natürlich besonders Suzanna Hamilton hervorzuheben ist.

Fazit:
Eng an der Romanvorlage orientiert, überzeugt "1984" durch seine dichte, düstere Atmosphäre, seinen ruhig erzählten Plot und seine makellosen Darstellerleistungen, sodass er das Ansehen definitiv wert ist, auch wenn das etwas entschärft wirkende Finale zumindest einen kleinen, faden Nachgeschmack hinterlässt.

78%

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