„Faces of Gore 3“ – mit dem (vorerst) letzten Teil seiner Real Death Mondo Reihe setzt Todd Tjersland dem Subgenre so ziemlich die Krone auf und präsentiert dem Zuschauer einen nicht mehr zu überbietenden Meilenstein perverser Zeigefreudigkeit. Waren schon die Vorgänger hart an der Grenze jeglicher Vertretbarkeit, umso mehr tobt sich der Regisseur im dritten Teil aus und selbst hartgesottene Fans werden auf die Probe gestellt. Tjersland versteht seine Machwerke als Parodien auf den Mondofilm und führen weist deutlich auf den Voyeurismus seines Zielpublikums hin. Gewaltverherrlichung wird zum Abschluss noch mal ganz groß geschrieben, der Film ergötzt sich geradezu an der Darstellung elendig krepierter Menschen und lädt sein Publikum dazu ein, sich ebenfalls an dem realen Gore zu laben.
Nicht nur die idiotischen Sprüche des Kommentators sprühen vor Zynismus und unverhohlener Freude am gezeigten Material, welches in Sachen Detailreichtum nahezu unschlagbar ist. Die Kamera hält stets frontal drauf und verharrt minutenlang auf den menschlichen Überresten, was dem Film eine ungeheuer depressive Note verleihen würde, wäre da nicht der hämische Kommentar, der jegliche politische Korrektheit platt tritt. Keinerlei Respekt vor dem Tod, dem Leben, den Opfern oder den Angehörigen ist hier zu spüren, im Gegenteil: Spöttisch betrachtet man die sterblichen Überreste und Tjersland fügt der von ihm zelebrierten Menschenverachtung noch ein gehöriges Stück hinzu. Die Bilder sind unterlegt mit fragwürdigen Sound-Effekten, menschliche Schreie sind zu hören, Störgeräusche und ein abartig schlechter Soundtrack vervollständigen die katastrophale Akustik und auch die Optik kann ganz und gar nicht gefallen.
Unglaublich das die ausnahmslos echten Bilder bearbeitet wurden um „witziger“ zu erscheinen, so fügte man beispielsweise Sprechblasen ein um die Opfer noch tiefer herab zu würdigen.
Durch die bundesweite Beschlagnahmung erregte die Reihe großes Aufsehen und stieg zum Kult auf in Kreisen von Gorehounds. Wie schon etliche Filme zuvor war das Verbot sozusagen kostenlose Promotion, doch (um es nochmals zu sagen) hier haben wir es nicht mit einem harmlosen Exploiter zu tun. Die gezeigten Bilder sind derartig drastisch und intensiv, der Umgang mit eben diesen Bildern ist dabei emotional völlig verrottet. Der Konsum fällt daher ziemlich schwer und ist eigentlich nur stückweise möglich. Nach 20 Minuten sollte man sich eine Auszeit gönnen, sensible Zuschauer werden spätestens nach 10 Minuten abgeschaltet haben. Unfälle, Morde und Selbstmorde wohin das Auge reicht, eine Szene grausiger und blutiger als die vorige – wer hier nicht von alleine darüber reflektiert wie weit der eigene Filmkonsum gehen sollte, der scheint mir ziemlich abgestumpft.
Tjersland selbst bezeichnet seine Mondos als ehrlich und in gewissem Sinne sind sie das auch – kein pseudo-moralisches Gequatsche, keinen seriösen Deckmantel. Völlig direkte Gewaltverherrlichung ist angesagt und das Vorhaben, den Zuschauer an seine Grenzen zu bringen, ihn vor den Kopf zu stoßen, gelingt. Vom Begriff des Mondos distanziert sich der Regisseur und in der Tat trifft der Begriff „Shockumentary“ wesentlich besser die Intention des Machers und des Zielpublikums. Störend erweist sich immer wieder der völlig unfähige Moderator Vincent van Gore, sein peinliches Overacting nervt auf Dauer ungemein.
Wie schon der olle D’Amato (R.I.P.) macht Tjersland auch keinen Hehl aus seinen rein finanziellen Interessen, er gibt dem bluthungrigen Publikum einfach nur was es sehen will. Das mag traurig sein, ist aber eine Tatsache und wenn Tjersland es nicht gemacht hätte, wäre bestimmt ein anderer an diese Stelle getreten. Auf dem Amateur-Sektor hat sich der Amerikaner mittlerweile einen Namen gemacht, neben seiner „Faces of Gore“-Reihe sind wohl die beiden „Necro Files“-Teile seine bekanntesten Arbeiten.
Fazit: Was Tjersland mit seiner Überstilisierung des True Gore Genres erreichen wollte kann ich nicht sagen, „Faces of Gore 3“ ist für mich der wohl übelste weil perverseste Film des Genres. Ziel erreicht kann man da nur sagen – hoffentlich wird es nie den angedrohten vierten Teil geben. Wer sich aber unbedingt die extremsten Filme überhaupt geben muss kommt hieran nicht vorbei…
01 / 10