Review

Das Ding erinnert doch schon stark an den ersten Teil von „Freitag der 13.“, viel Wald (eigentlich nur) und mittendrin ein wilder Mann, der alles niedermetzelt, was zwei Beine hat und sich in seinem Revier aufhält.
Zudem reichlich trashig, das fängt ja schon beim deutschen Titel an, so was gab es offenbar nur in den 80ern.

Allerdings ist „Ausflug in das Grauen“ auch nicht der ganz große Wurf von Redneck-Slasher geworden. Denn es finden sich keine Identifikationsfiguren und als diese durch die Handlung hervorgerufen werden, sind sie einem bereits egal.
Zuvor werden zahlreiche anonyme Waldbesucher niedergestreckt, ohne auch nur deren Namen zu erfahren. Das beginnt bereits mit der ersten Einstellung, in der eine junge Frau durchs Geäst hetzt, hinfällt, brüllt und ein abrupter Schnitt einsetzt.
Zuerst denkt man da unwillkürlich an die grobe Schere der FSK, aber der Regisseur hat es so gewollt.
Den irren Killer sieht man bis zur Filmmitte nicht, bis dato könnte das Böse also auch eine Riesenratte oder ein genmanipulierter Staubsauger sein.

Gut, wir haben eine kleine Gruppe von Freizeitcampern, aber die werden erst gar nicht groß vorgestellt. Sie verbringen bis zur großen Attacke des Killers ihre Zeit mit Weisheiten („Das grausamste Tier ist der Mensch“), Gruselgeschichten am Lagerfeuer und sich gegenseitig erschrecken. Zwischendurch tauchen namenlose Opfer auf, die innerhalb ihrer kurzen Präsenz fast übersehen werden, um dann per Axt, Beil oder Seil aus dem Weg geräumt zu werden.

Explizit gezeigt wird das Ganze aber nicht und von daher erscheint eine Beschlagnahmung des Streifens auch völlig abstrus. Man sieht Blut fließen oder spritzen, hört ein paar Schreie, bis ein grober Schnitt folgt.
Vielleicht mag die Beschlagnahmung darauf beruhen, dass die Handlung kein Motiv für die entstandene Gewalt liefert, denn der Killer handelt ohne ersichtlichen Grund und, wie sich im Verlauf herausstellt, ist er ein Waldschrat, der nur brüllen, aber nicht sprechen kann und sich somit sein gesetzwidriges Handeln nicht erklärt.
Angsteinflössend sieht der wilde Mann aber nicht aus, zwar urig, aber nicht bedrohlich, eher wie ein Urmensch aus dem 3. Jahrhundert.

Seine Aktionen sind gegen Ende aber recht ulkig, denn er benutzt zwar zumeist einen Säbel oder eine Axt, bisweilen tun es aber auch ein paar längere Äste, die ihm als Wurfgeschoss mit durchdringendem Erfolg dienen.
Mitfiebern muss man deswegen aber nicht, denn zu den durchweg schlechten Darstellern baut man keine Bindung auf.
Unterdrückt wird dies zudem durch eine Filmmusik, die ich wohl eher als Experiment auf Synthesizer bezeichnen möchte, keine Melodien, sondern nur wildes Herumgehacke auf der Tastatur, das nervt bereits nach zehn Minuten.

Nerven tut auch die Kamera, die zwar in ein paar wenigen Einstellungen das Heranpirschen des Killers ganz gut einfängt, in vielen Einstellungen aber einfach nur wackelt oder behäbig auf ein paar Bäume ohne Personen hält.
Dabei böte die gewählte Waldlandschaft durchaus Möglichkeiten für ein paar rasante Kamerafahrten, aber das konnte/wollte Regisseur James Bryan offensichtlich gar nicht.
Naja, es war die Zeit der „Neuen deutschen Welle“, die auch bis in die USA überschwappte, - also, warum anspruchsvollen Stoff abliefern, wenn die Konsumenten mit einfachstem Blödsinn zufrieden zu stellen sind.

So kommt es dann auch: Irgendwann mischt ein übergewichtiger Sheriff und eine ganze Suchstaffel mit, die beiden Überlebenden begeben sich vom Redneck-Revier zurück in den Wald, weil der Brüllaffe noch nicht erlegt ist und zwischenzeitlich quält sich ein Rollifahrer durch den Wald, - wofür und warum ist ja egal, Hauptsache er verliert hinterher seinen Kopf.

Es ist schon eine recht spärliche Geschichte, die James Bryan uns hier auftischt. Nichts weiter, als ein irrer Schrat in einem Wald, in dem erstaunlich viele Leute herumkraxeln, obwohl die Gegend tierisch weitläufig erscheint.
Wenig Splatter, kaum Spannung und überhaupt keine Atmosphäre ist das Resultat.

Aber viel Wald, das gefällt mir persönlich und offenbar auch dem Regisseur.

Ich denke, seine Gedanken vorm Dreh waren:
Im Wald da fließt ein Bächlein,
ganz einsam und allein,
drum leg ich mich daneben, -
möcht auch ein Bächlein sein.

Vielleicht liegt er da heute noch
4 von 10

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