Der etwas andere King
Der Anfang der Handlung ist grauselig. Der ahnungslose Zuschauer ist geneigt, einen brutalen Horror mit Gruselfaktor zu erwarten. Erst recht, wenn man weiß, dass die Buchvorlage der Feder Kings entstammt.
"Dolores" ist anders. Dieser Film ist etwas für Feinschmecker. Kunstvoll werden hier mehrere Fragen aus mehreren Zeiten miteinander verwoben. Hat Haushälterin Dolores ihre Arbeitgeberin ermordet? Was ist ihrem alkoholkranken tyrannischen Ehegatten 20 jahre zuvor passiert? Kann Tochter Selena Dolores vor einer sicheren Verurteilung retten?
Eigentlich ist die Handlung unspektakulär. Keine Schocker, kein Actionspektakel. Und doch liegt in jeder Sekunde ein Knistern in der Luft. Es sind die unglaublich fein und detailreich gezeichneten Charaktere, die man mit allen ihren Problemen, ihrer Vergangenheit, ihrem Frust, sowie ihrer Verbissenheit, Mutlosigkeit, Wut, Angst, Verzweiflung und Sturheit rasch zu kennen glaubt. Der rauhe Charme der Akteure wird durch den der Landschaft ergänzt. Alles ist spartanisch, Grau in Grau, düster - und doch wirkt dieser Ort in kurzer Zeit vertraut. Vielleicht, weil man sich ob der aufgebauten Bindung zu seinen Bewohnern bald selbst heimisch fühlt.
Ein kleines Highlight sind die Übergänge zu zeitlichen Rückblenden.
Wer es bis hierhin nicht ahnt: "Dolores" kann ich immer wieder sehen :o)