Review

Ich hatte mich ja neulich an zwei Genre-TV-Filmen mit der großen Barbara „Jeannie“ Eden versucht, „The Woman Hunter“ und „A Howling in the Woods“ und war überrascht, in was die Frau ihre Zehen gedippt hatte, wirkte sie doch nach ihrer Zeit als Flaschengeist dabei immer etwas steif, unnahbar, humorlos und verbreitete das Flair eines edlen Kleiderständers.

Doch die Erfahrungen konnten mich nicht auf diesen Kracher von 1974 vorbereiten, „The Stranger Within“, der mir im Summary-Pitch als Variante von „Rosemary’s Baby“ anserviert wurde, um dann seine soapigen Ansätze nach wenigen Minuten komplett fallen zu lassen, um wiederum anschließend mit einem Sci-Fi-Twist um die Ecke zu kommen, der zu dieser Zeit eigentlich noch rar war, aber in den kommenden Jahren immer populärer wurde.

Eden spielt hier die Malerin Ann, die überrascht feststellt, dass sie doch noch (die Jüngste ist sie auch nicht mehr) schwanger geworden ist. Ihr Mann David findet das nicht ganz so fröhlich, vor allem ihre Unsicherheit bezüglich einer Abtreibung, denn er hatte eine Vasektomie und vermutet alsbald, dass seine Holde eventuell woanders körperlich aktiv war. Das führt zur Schlagseite in der Ehe und als sich bestätigt, dass David nicht der Spender sein kann, lässt sie sich schließlich zu einer Abtreibung überreden, woraufhin sich auf dem Weg in die Klinik allerdings mörderische Schmerzen einstellen, was die Abfahrt verzögert. Baldiger Schluss: der Fötus wehrt sich offenbar.

Nach diesen ersten noch konventionell dramatischen 25 Minuten kippt der Film dann aber komplett in Richtung „not human“, was quasi jedem begreiflich wird, nur eben ihrem Ehemann nicht, der auf der Nicht-Lernfähigkeits-Kurve absolute Spitzenwerte abräumt. Ab diesem Punkt ist Frau Eden dann zunehmend nicht mehr charakterlich anwesend, denn sie legt fortan einige kuriose Eigentümlichkeiten an den Tag wie hektoliterweise Kaffee trinken (kochend heiß), bei eisigem Wind ohne Decke schlafen, rohes Fleisch zu verschlingen und das alles mit kellenweise Salz zu garnieren. Das steht garantiert in keinem Schwangerschaftsratgeber! Nebenbei malt sie verstörende Bilder, läuft stundenlang durch die Bergwelt und bölkt ihren Gatten zusammen, wenn der mal auf Kommunikation setzen will. Der arme George Grizzard muss das drehbuchgemäß alles für Schwangerschaftsnebenwirkungen halten und Licht ins Dunkel bringen nur zwei Hypnosesessions – die Dame brütet ein Alien aus.

Aber natürlich ist das kein italienischer Splatterfilm und wir sind auch nicht an Bord eines Raumschiffs, also bleibt das Meiste relativ betulich und die Dramatik der Situation erschließt sich mit zunehmender Laufzeit nur über den elegisch tönenden Soundtrack, Frau Edens starren Blick und zahlreiche minutenlange Aufnahmen von Wanderungen im Gebirge, wo eigentlich nur noch Bambi um die Ecke kommen muss.

Ja, man muss es sagen, der Film läuft quasi im dritten Drittel aus und es wird versucht, mühsam die Zeit mit Bildmaterial zu füllen. Als Zuschauer weiß man längst wie der Hase läuft, aber Gatte David versteht es nicht oder will nicht verstehen und das sorgt noch für mehr Frust beim Zuschauen als der Gedanke an den komischen Typ, der von seinem unwirtlichen Heimatplaneten schwärmt, als er aus Barbara unter Hypnose spricht.

Das Finale soll dann noch eine Surprise haben, aber die kommt auch eher lau daher und wird zu Tode geritten, denn Geld für irgendwelche Effekte oder Raumschiffe hatte man hier natürlich auch nicht.

Aber zu sehen, wie Frau Eden in eine Holzhüttenruine im Nirgendwo wandert und dort offenbar so lange ihren Bauch streichelt, bis der gute Alien in adretter Babyform problemlos rausplumpst, ist schon ein besonderer Moment.

Einen Gefallen hat sie sich mit dieser Ich-starre-vor-mich-hin-wenn-ich-nicht-gerade-heule-Rolle sicher nicht getan und die Tatsache, dass die Vorlage immerhin von Richard Matheson stammt, sollte einen nicht vermuten lassen, es mit Suspense oder etwas Unheimlichen zu tun zu haben, dafür schlittert die Inszenierung zu nah an einer Parodie entlang. Immerhin, für Hausfrauen war das sicherlich 1974 ein echter Alptraum, aber vielleicht auch ein Mahnmal, dass man solche Exploiterrollen doch tunlichst mit Spannung und nicht mit großen Stars füllen sollte, die möglichst häufig im Bild sein wollen, auch wenn sie in der Rolle schon lange nicht mehr sie selbst sind. (4/10)






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