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„Genesis“ ist Nacho Cerdàs dritter großer Kurzfilm, der technisch noch besser ist als sein grandioses aber auch schockierendes Meisterwerk „Aftermath“.


Ein Autounfall war schuld. Nun ist er allein. Seine Frau ist tot. Seinen Schmerz verarbeitet ein Bildhauer, indem er eine lebensgroße Skulptur seiner Frau erstellt. Sie nimmt Form an, ist fast fertig, bis die Statue eines Tages anfängt zu bluten. Erst nur aus einem kleinen Loch, dann immer mehr und mehr. Und nicht nur die Statue verändert sich, auch der Mann weist merkwürdige Mutationen auf... er wird zu Stein!


„Genesis“, die Schöpfung oder auch Geburt. So lautet der Titel des bis dato vielleicht opulentesten Werk von Nacho Cerdà. Sah sein Film „Aftermath“ schon gut aus, so wirkt „Genesis“ aber noch in jeder Hinsicht verbessert, egal ob Kamera oder Ton.
Cherdà filmte diesmal sogar im Breitbild 2.35:1 und nutzt diesen Platz auch. Mal wieder ist in Cerdàs Film kein Platz für auch nur einen einzigen Ton. Die Mimik des Schauspielers muss reichen, hinzu kommt wieder vereinzelte Musik. Sonst zählen nur Bilder. Es gibt grandiose, perfekte Kameraeinstellungen von Cerda, wenn er z.B. alte Filme seiner Frau auf der Skulptur abspielen lässt oder auch die finale Einstellung ist sehenswert, eigentlich perfekt für diese Art von Film, selbst wenn man nur 30 Minuten Zeit hat.

Wundern muss man sich immer wieder über die Spezialeffekte in Cerdàs Filmen. Ich weiß nicht was sie kosten, aber es kann ja nicht so viel sein, dennoch sind Cerdàs Tricks einfach klasse. Zwar geht er bei „Genesis“ nicht so weit wie noch in „Aftermath“, aber auch hier sind die Tricks perfekt. Die blutende Statue, der sich langsam verwandelnde Ehemann, der scheinbar kein Blut mehr in sich trägt, selbst wenn er sich schneidet, rieselt nur noch Staub aus seinem Inneren.

Was will uns Cerdà mit diesem Film sagen? Kann die Liebe Menschen zurückholen oder gibt es ein Gleichgewicht in der Natur zwischen Leben und Tod? Ein Leben entsteht, ein Leben erlischt? Sicherlich lässt „Genesis“ den meisten Interpretationsspielraum aller seiner Filme, die ich bis jetzt gesehen habe, aber dies muss ja nicht schlechtes bedeuten. Jedenfalls hat Cerdà gezeigt, wie viel ungeheuerliches Potential in ihm steckt.


Fazit: Auch „Genesis“ ist ein überzeugender Film von Nacho Cerdà, sicherlich sein technisch perfektester Film in seiner mir bekannten dreiteiligen Reihe, aber vielleicht auch sein am schwersten zugänglicher Film. Der Name „Genesis“ kommt ja nicht von ungefähr. So kann sich jeder seinen Teil denken und interpretieren. Jedenfalls sehenswert.

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