In der Kunstgeschichte ist es ein Rätsel, welches bis zum heutigen Tage nicht aufgelöst werden konnte: Wer ist das Mädchen mit der Perle auf dem gleichnamigen Gemälde von dem holländischen Barockmaler Jan Vermeer van Delft? Tollkühnste Mutmaßungen wurden aufgestellt und Tracy Chevalier verarbeitete ihre Ansicht dazu gar zu einem Roman, auf dem auch diese Verfilmung basiert.
Delft 1665: Nachdem ihre Familie verarmt ist, muss sich Griet (Scarlett Johansson, „Die Insel") als Magd verdingen und tritt in die Dienste von Maler Jan Vermeer (Colin Firth, „Bridget Jones") ein. Den überzeugend durch ihr Verständnis von Farben und Licht wird sie zunehmend zu seiner Assistentin im Atelier. Doch auch Vermeers Mäzen Van Ruijven (Tom Wikinson, „Der Exorzismus von Emily Rose") ist Griets Talent und Schönheit nicht verborgen geblieben: Er wünscht als neues Werk ein Porträt von Griet...
Serienregisseur Peter Webber („Six Feet Under") schert sich bei seiner Inszenierung wenig um Tempo, was man dem „Mädchen mit dem Perlenohrring" allerdings durch sein kurzweiliges Schwelgen in farbintensiven Tableaus von Bildern, welche an die Werke Vermeers erinnern, kaum anmerkt. Der recht substanzarmen Story um die Mythen der Entstehung eines Kunstwerks wird dabei durch moralische Befindlichkeiten und der Nachzeichnung gesellschaftlicher und sozialer Umstände im 17. Jahrhundert an Intensität verliehen. So ist Vermeer aufgrund seiner angeschlagenen finanziellen Situation - ebenso wie unzählige andere Adlige zu der Zeit - vom Bankrott bedroht und vollkommen abhängig von seinem Gönner Van Ruijven, der mit nahezu schmieriger Inbrunst von Edel-Mimen Tom Wilkinson gespielt wird. Man erfährt einiges über die - im doppelten Wortsinn - Kunst, ein perfektes Bild zu malen und die Farben, mit der man diese Brillanz erreichen kann. Dabei verzeiht man gern die inhaltliche Behäbigkeit, mit der dem Zuschauer diese Ode an die Kunst, die Farben und der (Kino-) Bilder präsentiert wird.
Fazit: Ein - im buchstäblichen Sinne - sehenswertes Sittengemälde und Liebeserklärung an die Macht der Bilder. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring" weiß die inhaltliche Substanzarmut durchaus mit einer klugen Reflexion gesellschaftlicher und sozialer Verhältnisse zu überdecken. Visuell und schauspielerisch großes Kino.